Nach den Spielern der 15er- und 7er-Nationalmannschaft, die von den Athletiktrainern Antoine Mobian und Raphael Gessenharter professionell betreut werden, profitieren ab diesem Monat nun auch die Spieler im Landesstützpunkt Hannover von professionell geführten Krafttrainings durch den „Strength & Conditioning“-Experten Mark Sandmann. Sandmann intensiviert die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen DRV-Premiumsponsor Wild Rugby Academy (WAR) und dem Niedersächsischen Rugby-Verband (NRV), damit aktuelle und potenzielle Nationalspieler auf regelmäßig unter Anleitung von Sandmann in einer WRA-Trainingsgruppe trainieren können.

Sandmann, der als freiberuflicher Trainer in Hannover seinen eigenes Sportstudio betreibt, verfügt mit seiner Ausbildung durch den DOSB und Bundesverband Deutscher Gewichtheber sowie als Inhaber der Lizenztrainer A Leistungssport (Fachrichtung Gewichtheben) über hervorragende Referenzen und hat sich in der Sportszene durch die Betreuung vieler Topathleten aus unterschiedlichsten Sportarten einen Namen gemacht.

Wild Rugby Academy: Mark, du hast in der vergangenen Zeit schon mit vielen Athleten aus ganz verschiedenen Sportarten zusammengearbeitet. Gib uns doch einmal einen kurzen Überblick über deine bisherigen Aufgabengebiete.

Mark Sandmann: „Bisher habe ich im Athletikbereich mit Athleten aus den Sportarten Gewichtheben, Handball, Rudern, Judo, Fußball, Eishockey und eben auch Rugby zusammengearbeitet. So habe ich im Handball fünf Jahre die Bundesligamannschaft des TSV Hannover-Burgdorf betreut. Zudem trainiere aktuell noch Kaderathleten der Jugend- und Juniorennationalmannschaften des Deutschen Handball Bundes. Darüber hinaus habe ich auch mit dem U23-Kader des Landesruderverbandes Hannover gearbeitet und bin als Referent für die Landesverbände Schwimmen, Eishockey, Handball und CAMPUSFit tätig. Als Lehrwart des Niedersächsischen Gewichtheber-Verbandes bin ich natürlich auch dem Gewichtheben treu geblieben und trainiere den Gewichthebernachwuchs in Hannover und aktuell auch den Eishockeynachwuchs der Hannover Scorpions und Indians.“

WRA: Für unsere Athleten ist es auch sehr wichtig, dass die Trainer selbst Erfahrung mit dem Rugbysport gemacht haben. Wie sieht es bei dir aus – hast du selbst schon Rugby gespielt?

Sandmann: „Ich bin schon immer rugbybegeistert gewesen, habe jedoch erst mit 30 Jahren selbst probiert, als Prop bei der SG Odin/VfR Döhren zu spielen. Gelegentlich trainiere ich auch heute noch mit, das ist aber eher selten. Dennoch bin ich sehr gut über die sportartspezifischen Anforderungen informiert und bilde mich stets im spezifischen Bereich fort. Diese beinhaltet Studien des World Rugbys und IRFU. Mein Motto ist auch: ‚Was ich mit meinen Sportlern trainiere, probiere ich zuvor selbst aus!‘“

WRA:  Mit Rugby hast du deine Traineraktivitäten nochmals um eine weitere Sportart erweitert. Wie kam es zu deiner Zusammenarbeit mit der WRA und dem DRV?

Sandmann: „Durch die Zusammenarbeit mit Torsten Schippe und Hannover 78 wuchs eine gewisse Bekanntheit. Wir arbeiteten zeitweise gemeinsam an der Entwicklung in Hannover- So trainierten wir die Spieler von 78 und NRV-Kaderathleten gemeinsam am Olympiastützpunkt Hannover. DRV-Nationaltrainer Kobus Potgieter lernte ich dann im Sommer 2014 kennen. Wir waren uns sofort einig, dass ich die Kaderathleten in Hannover mit meinem Training ‚bearbeiten‘ sollte. Daraus entwuchs eine intensivere Zusammenarbeit. Im Januar 2015 startete ich mit der Unterstützung des Vereins das Powersports Gym. Durch die Empfehlungen von Torsten Schippe, Rainer Kumm und Rafael Pyrasch entstand dann letztendlich die Zusammenarbeit mit der WRA.

Diese Zusammenarbeit ist für mich natürlich mehr als nur ein Job. Ich fühle mich geehrt, dass ich durch so viele Stellen unterstützt und angefordert werde. Dies verleiht mir noch mehr Enthusiasmus und treibt mich noch mehr an. Die Trainer und Spieler im Rugby sind großartig und ich freue mich jeden Tag diese Möglichkeit zu haben.“

WRA:  Die WRA und der DRV verfügen mittlerweile über einen sehr breites Trainerteam. Wo wird der Schwerpunkt deiner Arbeit liegen und wie oft trainierst du mit den Spielern?

Sandmann: „Mein Schwerpunkt liegt derzeit noch sehr auf dem Strength Part. Die Konditionierung auf dem Feld übernehmen die Trainer noch selbst. Dies ist primär eine Zeitfrage. Die Spieler trainieren mindestens einmal mit mir im Powersports Gym. Einige auch zwei Einheiten. Generell sind die Spieler jedoch bis zu 5 Mal pro Woche im Krafttraum. Die Trainingspläne erstelle ich immer individuell für jeden Einzelnen.“

WRA:  Du stellst uns mit den Kniebeugen, Kreuzheben und Push Press drei wichtige Basisübungen vor. Warum sind diese Übungen speziell für Rugbyspieler so wichtig?

Sandmann: Kniebeugen und Kreuzheben sind zum einen Maximalkraftübungen und eignen sich aufgrund ihrer Komplexität sowie der unterschiedlichen Belastungsgestaltung hervorragend um 1. Maximale Kraft zu entwickeln, 2. Schnellkraft zu entwickeln und 3. Koordination und Körperbeherrschung zu schulen
Kraft ist im Rugby ein unglaublich wichtiger Faktor. Der Sport wird zunehmend athletischer, der Anspruch wächst jährlich. Wenn man das Rugby der 80er Jahre und heute vergleicht treffen Welten aufeinander. Die Topmannschaften arbeiten wie Irland primär an diesen Übungen im Jugend-, Junioren- und Hochleistungsbereich.

Zudem sind maximale Kraft und eine gute Muskultur ein sehr guter Schutz vor Verletzungen. Die Tackles und Kollisionen nehmen zu und werden intensiver. Der einzige Schutz bietet die eigene Muskulatur. Je besser und umfangreicher sie entwickelt ist, desto besser. Beide Übungen, Kniebeuge und Kreuzheben, beeinflussen in positiver Weise die Schnelligkeit in Sprints und die Sprunghöhe.

Der Push Press hingegen ist eine hervorragende Übung, um Körperstabilität in der aufrechten Haltung zu trainieren. Zudem ist sie insbesondere beim Liften sehr hilfreich. Schwung und Druck über Kopf ist hier ja gefragt. Einen Mitspieler in diese Position zu bringen und auch unter externen Einflüssen in einer sicheren Position zu halten, wird durch das Training dieser Übung mit zum Teil hohen Lasten trainiert. Auch hier gilt: Je stärker man ist, desto sicherer ist mein Mitspieler in der Luft.“

WRA:  Was sind häufige Probleme bei der Ausführung, die du bei deinen Spielern beobachten konntest und kannst?

Sandmann: „Rugbyspieler sind generell hervorragend auf das Krafttraining vorbereitet. Aufgrund der unglaublich umfangreichen Anforderungen auf dem Feld sind diese Athleten im Kraftbereich recht schnell auf ein sehr gutes Bewegungsmuster gebracht. Grundsätzliche Probleme sind Beweglichkeit oder eher die verlernte Möglichkeit sich im gesamten Bewegungsradius zu belasten. Das perfekte Beispiel ist eine tiefe Hocke. Jedes Kind kann sie. Erwachsene teilweise nicht mehr. Mit meinem Programm schafft man es relativ schnell sich wieder an die Bewegung zu ‚erinnern‘.

Eine weitere seltene Problematik ist eine zu hastige Übungsausführung. Dies kann jedoch beispielsweise mit einer Zeitvorgabe korrigiert werden. Beispiel: Der Athlet lässt sich bei der Kniebeuge in die Hocke fallen. Hier korrigiere ich mit einer einfachen Ansage: Der Sportler soll langsam bis drei Zählen und erst dann in der Hocke ankommen.“

WRA:  Hast du sonst noch Tipps, die Rugbyspielern das Krafttraining erleichtern?

Sandmann: „Auf meiner Homepage www.sandmann-powersports.com finden alle Interessierten noch zusätzliche Infos zu mir und meinem Training. Dort könnt ihr auch meine Lieblingsrezepte für einen super Muskelaufbau nachlesen.“

WRA:  Mark, wir danken dir für das aufschlussreiche Gespräch und freuen uns auf eine intensive Zusammenarbeit!