Das deutsche 7er-Rugbynationalteam der Männer steht im Halbfinale des Qualifiers bei den Hong Kong Sevens 2019 und bleibt damit weiter im Rennen um den Startplatz in der World Rugby Sevens Series in der kommenden Saison. Im Viertelfinale setzte sich das Wolfpack von Bundestrainer Vuyo Zangqa mit der letzten Aktion des Spiels und in Unterzahl mit 12:7 (0:0) gegen Uruguay durch. Im Halbfinale wartet nun am Sonntag um 6.32 Uhr (MESZ) Europameister Irland. (Foto: Jan Perlich)

„Wir haben heute viel bessere Leistungen gezeigt als am ersten Tag“, konstatierte DRV-Co-Trainer Clemens von Grumbkow. „Im letzten Gruppenspiel gegen Chile haben wir unseren Gameplan hervorragend umgesetzt und überragend verteidigt. Die Defensive war auch im Viertelfinale top, aber da haben wir es wieder nicht geschafft, unsere Chancen in Punkte umzuwandeln. Am Ende sind wir da mit einem blauen Auge weggekommen. Die Jungs sind jetzt natürlich fertig, aber auch sehr erleichtert. Und der Puls ist noch immer auf 180 nach diesem Finish. Jetzt heißt es, sich zu erholen und dann morgen an diesen guten Tag anzuknüpfen beziehungsweise noch eine Schippe draufzulegen.“

VIERTELFINALE: DEUTSCHLAND – URUGUAY  12:7 (0:0)
Das Wolfpack hat im Viertelfinale wieder mal für jede Menge Dramatik gesorgt. In Unterzahl und mit der letzten Aktion des Spiels sicherte sich das Team von Bundestrainer Vuyo Zangqa gegen Uruguay den erneuten Einzug ins Halbfinale am Sonntagmorgen.

Die Partie war von Beginn an auf beiden Seiten vor allem von starker Verteidigungsarbeit geprägt. In der Anfangsphase kamen die Südamerikaner mit Druck nach vorn, fanden aber keine Lücke in der agilen DRV-Defensive. Aber mit fortlaufender Zeit war die DRV VII das gefährlichere Team, schaffte es aber nicht, seine Chancen auch in Punkte umzumünzen. Ein Überkick von Fabian Heimpel auf die rechte Seite in Richtung Jarrod Saul zum Beispiel geriet ein paar Meter zu lang, und kurz vor der Pause war Jonathon Dawe durch, wurde aber wegen eines Vorballs zurückgepfiffen. So ging der erste Durchgang ohne Punkte zu Ende.

Es blieb ein Spiel auf des Messers Schneide: Doch Deutschland hatte mehr Ballbesitz und nutzte das in der 9. Minute auch endlich. Das Wolfpack zog geduldig sein Spiel auf, wartet auf seine Chance und spielte dann Bastian Himmer auf der linken Seite gut für die 5:0-Führung frei. Doch auch Uruguay blieb gefährlich: In der 12. Minute sah Joaquin Alonso den freien Raum, versuchte es mit einem Überkick, den er auch selbst erlief und unter den Stangen zum Versuch verwertete. Die Erhöhung war kein Problem, und plötzlich lag das DRV-Team zurück. Dazu kam, dass Claude Brechenmacher kurz darauf eine Zeitstrafe kassierte. In Unterzahl bekam Deutschland aber noch eine Chance: Chile machte es den Deutschen schwer, verteidigte es gut. Doch einmal mehr war es ein genialer Moment von Bastian Himmer, der Deutschland auf die Siegerstraße brachte. Der Heidelberger spielte einen Straftritt auf der rechten Seite schnell an und gab den Ball direkt in die Hände von Tim Lichtenberg, der plötzlich freie Bahn hatte und in der Nachspielzeit bis unter die Stangen durchlief. Die Erhöhung war ebenso problemlos wie eigentlich zweitrangig – Deutschland steht im Halbfinale.

Punkte:
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5:0 (9.) Versuch Bastian Himmer
5:7 (12.) Versuch Joaquin Alonso & Erhöhung
12:7 (14.+) Versuch Tim Lichtenberg & Erhöhung Bastian Himmer

CHILE – DEUTSCHLAND        7:19 (7:12)
Im entscheidenden Spiel um den Gruppensieg in Pool G gegen Südamerika-Champion und Mitfavorit Chile zeigte sich das deutsche Team deutlich verbessert im Vergleich zu den beiden Auftritten am ersten Turniertag. Von Beginn an kam das Wolfpack mit viel Druck nach vorn, zeigte flüssiges Passspiel und eine bärenstarke Verteidigung. Als Chile wegen Ballrausschlagens früh eine Gelbe Karte sah, nutzte Deutschland umgehend die erste Chance auf den ersten Versuch. Bastian Himmer legte ab (2.), vergab dann aber den Erhöhungskick von außen.

Chile tat sich schwer, gegen die agile und hart zupackende Defensive ins Spiel zu finden, kam erst in der 5. Minute erstmals aussichtsreich in die deutsche Hälfte, wurde aber auch da gestoppt. Erst in der 7. Minute erreichte Francisco Metuaze mit ganz langem Arm das deutsche Malfeld an den Stangen. Mit der leichten Erhöhung ging Chile mit 7:5 in Führung. Doch das Wolfpack hatte noch einen parat: Himmer spielte einen Straftritt schnell an, passte nach links auf Sebastian Fromm, der bis ins Malfeld stürmte, sich dabei allerdings erneut an der Schulter verletzte und nicht weiterspielen konnte. Immerhin ging Deutschland mit einer 12:5-Führung in die Pause.

Deutschland schüttelte den Verletzungsschock schnell aus den Trikots und zeigte sich weiterhin hervorragend eingestellt. Mit starken Tacklings und guten Rucks eroberte man viele Bälle und kam mit guten Spielzügen gefährlich nach vorn. Mit einem aus dem Lehrbuch machte das Wolfpack den Sack zu. Der Ball lief durch beinahe alle deutschen Hände, Jarrod Saul wurde ihn im Kontakt noch gut an Tim Lichtenberg los, der dann zum Versuch einlief, den diesmal Fabian Heimpel zum 19:7-Endstand erhöhte (12.). Chile kam zwar noch einmal nach vorn, doch Deutschland eroberte den Ball und beendete das Spiel mit einem Kick ins Aus.

Punkte:
0:5 (2.) Versuch Bastian Himmer
7:5 (7.) Versuch Francisco Metuaze & Erhöhung
7:12 (7.+) Versuch Sebastian Fromm & Erhöhung Bastian Himmer
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7:19 (12.) Versuch Tim Lichtenberg & Erhöhung Fabian Heimpel