Enttäuschung bei den deutschen 7er-Rugbymännern: Nach dem überzeugenden Turniersieg vor Wochenfrist im chilenischen Vina del Mar musste sich das Wolfpack nun beim zweiten Turnier der World Rugby Sevens Challenger Series in Montevideo (URU) trotz nur einer einzigen Niederlage am Ende mit Rang fünf begnügen. Damit hat die DRV VII die angepeilte Gesamtführung in der Series nach den beiden Turnieren in Südamerika verpasst und liegt dort gar nur noch auf Rang drei. Auf Platz eins liegt nach dem Turniersieg in Uruguays Hauptstadt Japan vor Hong Kong.

„Wir sind natürlich sehr enttäuscht“, gab DRV-Co-Trainer Clemens von Grumbkow zu. „Wir haben im Viertelfinale sicher auch nicht gut gespielt, aber selbst das Schiedsrichter-Management sagte später, dass es einige klare Fehlentscheidungen gegeben hätte. Aber nur darauf kann man es auch nicht schieben. Aber in so einem knappen und entscheidenden Spiel ist das umso ärgerlicher. Trotzdem sind wir stolz auf die Jungs, wie sie sich nach diesem Rückschlag noch mal aufgebäumt und die beiden folgenden Spiele mit viel Herz und Courage gewonnen haben. Diese zwei Wochen haben merklich an uns genagt. Jetzt wollen wir mal schauen, wie der Weltverband bezüglich der Aufstiegsregelung entscheidet. Wir hoffen natürlich darauf, dass es noch ein Finalturnier geben wird, aber im Moment steht es noch in den Sternen.“

Ob der noch immer nicht geklärten Frage des endgültigen Aufstiegsmodus’ in der Sevens World Series und der derzeitigen Zugewandtheit des Weltverbandes gegenüber Japan scheint es zumindest fraglich, ob es das ursprünglich in Hong Kong angedachte Aufstiegsturnier geben wird. Das eigentlich für April terminierte Turnier in der chinesischen Sonderverwaltungszone, wo die acht bestplatzierten Teams der Südamerika-Turniere den Aufsteiger in die Weltserie ausspielen sollten, wurde wegen des Coronavirus’ kurzfristig abgesagt und auf Oktober verlegt. Denkbar ist inoffiziell auch, dass der Erstplatzierte der beiden Challenger-Series-Turniere, also Japan, nun zum Aufsteiger erklärt wird. Die endgültige Entscheidung wird wohl aber erst im März fallen.

Das Ende des Traums vom zweiten Turnier- und damit vom Gesamtsieg in Südamerika kam unglücklich im Viertelfinale von Montevideo gegen Chile. Nach zuvor neun Siegen aus neun Spielen musste man sich erstmals in der neuen Challenger Series mit 12:17 (7:7) geschlagen geben. In einer hart umkämpften Partie war Chile früh mit einer erhöhten Versuch in Führung gegangen, doch DRV-Kapitän Carlos Soteras Merz, der gleich zwei Gegner für den ersten Versuch aussteigen ließ, und Fabian Heimpel mit der Erhöhung glichen in der 6. Minute aus. Deutschland spielte danach druckvoll nach vorn, fand allerdings bis zur Pause keinen Weg durch Chiles Verteidigung.

Nach dem Seitenwechsel war es erneut Chile, das zuerst punkten konnte, doch neuerlich glich das Wolfpack aus, nachdem Tim Lichtenberg ins Malfeld eingelaufen war. Leider verfehlte der schwierige Erhöhungskick zur möglichen Führung die Stangen knapp links (14.). Die beiden Teams schenkten sich auch danach nichts, doch in der dritten Minute der Nachspielzeit legte Chile, auch begünstigt durch einige fragwürdige Entscheidungen des unerfahrenen Schiedsrichters den spielentscheidenden Versuch und zog anstelle des deutschen Teams ins Cup-Halbfinale ein, während das Wolfpack nur noch um Platz fünf spielen konnte.

Trotz dieses herben Rückschlags fertigte man im Halbfinale in der Runde um die Plätze fünf bis neun Jamaika mit 40:5 (26:0) ab. Schon nach den vier Versuchen durch Carlos Soteras Merz, Tim Biniak, John Dawe und Manasah Sita im ersten Durchgang war klar, in welche Richtung es in diesem Spiel gehen würde. Und auch danach blieb es ein einseitiges und dominant geführtes Spiel, in dem erneut Biniak sowie Zani Dembele das Ergebnis weiter in die Höhe schraubten, eher Jamaika in der Schlussminute noch einmal Ergebniskosmetik betreiben konnte.

Im Platzierungsspiel um Rang fünf gegen Italien war es über weite Strecken eher zerfahren auf beiden Seiten. Italien begann mit Tempo und kam früh zum ersten Versuch. In der Folge verteidigte die DRV VII vor allem stark, bis Fabian Heimpel einen Straftritt schnell anspielte und zum Versuch ablegte, den er gleich selbst zur 7:5-Führung erhöhte (5.). Doch nach einem Überkick und einem weiteren Versuch lag Italien zur Pause mit 10:7 vorn, weil viele kleine Fehler auf deutscher Seite dafür sorgten, dass das Wolfpack die Führung nicht wieder zurückholen konnte.

Das gelang aber nach dem Seitenwechsel und einem sehenswerten Offload von John Dawe auf Tim Lichtenberg, der den Versuch zum 12:10 aus DRV-Sicht legte (11.). Und den Schlusspunkt setzte Fabian Heimpel mit seinem zweiten erhöhten Versuch ais dem Ruck heraus zum 19:10-Endstand (14.).

In der Gruppenphase hatte sich das deutsche Team am ersten Turniertag weiter schadlos gehalten und hatte seine Siegesserie in der Challenger Series auf neun ausgebaut. Gegen Außenseiter Mexiko war ein deutliches 38:7 gelungen, gegen den späteren Finalisten Uruguay trotz einiger kleiner Fehler im zweiten Durchgang ein überzeugendes 26:10. Gegen Papua-Neuguinea tat man sich zunächst schwer, gewann aber zum Abschluss der Vorrunde mit 24:10.

(Foto: Jan Perlich)