Das 7er-Rugbynationalteam der Männer steht beim Olympic Qualifier im französischen Colomiers erwartungsgemäß im Viertelfinale. Nach Siegen gegen Georgien und Litauen musste man sich am ersten Turniertag in der Vorrunde lediglich dem Topteam aus England geschlagen geben. Damit zieht man als Gruppenzweiter ins Viertelfinale ein, wo am Sonntag voraussichtlich um 12.06 Uhr (CET) mit Europameister Irland ein schwerer Brocken wartet.

„Wir hatten sehr unterschiedliche Spiele heute“, konstatierte DRV-Co-Trainer Clemens von Grumbkow. „Gegen Georgien waren wir sehr gut, gegen Litauen das dann krasse Gegenteil. Gegen England hat lange der Kampfgeist gestimmt, aber hinten raus haben wir es dann etwas schleifen lassen. Jetzt gilt es, schnell und gut zu regenerieren und sich bestmöglich auf das Viertelfinale vorzubereiten. Die Iren sind alte Bekannte, und es ist mal an der Zeit, dass wir sie in so einem wichtigen Spiel schlagen.“

Das Wolfpack legte einen Start nach Maß hin und setzte sich im ersten Gruppenspiel gegen Georgien souverän mit 33:7 (21:0) durch. Von Beginn an agierte das DRV-Team sehr konzentriert, dominierte und kontrollierte das Geschehen und legte schnell zwei Versuche. Zuerst hatte Manasah Sita den Ball aufgenommen, einen starken Sidestep gezeigt und direkt mit der ersten Angriffswelle auch den ersten erhöhten Versuch gelegt (1.). Dann zeigte Ben Ellermann, der zuvor noch angeschlagen liegen geblieben war, dass es nichts Nennenswertes war. Deutschland holte den Ankick, der junge Hamburger nahm den Ball auf und legte den zweiten Versuch (2.) – inklusive Erhöhung 14:0. Die DRV VII bestimmte weiter das Spiel und kam durch Bastian Himmer und den Erhöhungskick vom Fabian Heimpel noch vor der Pause zum 21:0.

Nach dem Seitenwechsel nahm Deutschland scheinbar einen Gang raus. So dauerte es bis zur 10.Minute, als Niklas Koch einen Straftritt am Gedränge schnell ausführte und den Weg ins Malfeld fand. Nach einer Gelben Karte für Carlos Soteras Merz (11.) nutzte Georgien den Platz für seinen ersten und einzigen erhöhten Versuch zum 7:26 (12.). Doch danach übernahm wieder das Wolfpack – in Person von Bastian Himmer, der zwei Gegner austanzte und dann die Lücke für einen langen Spurt bis unter die Malstangen sah (13.). Mit der Erhöhung bedeutete das den verdienten 33:7-Endstand. Fazit von Co-Trainer Clemens von Grumbkow: „Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Spiel. Wir hatten immer die Kontrolle, der Sieg war nie in Gefahr. Aber wir haben auch noch ein, zwei Sachen gesehen, die wir besser machen können.“

Im zweiten Gruppenspiel gegen Litauen tat sich die DRV-Auswahl schwer, die spielerischen Vorgaben umzusetzen und verlor sich in zu vielen Einzelaktionen, wie Co-Trainer Clemens von Grumbkow berichtete. Zwar ging man erneut früh durch einen durch Phil Szczesny erhöhten Versuch von Manasah Sita, der nach einer schönen Passfinte ablegte, in Führung (1.), doch in der Folge konnte man das Gefühl bekommen, das Wolfpack nehme den Außenseiter auf die leichte Schulter. Doch der nutzte das insgesamt sehr zerfahrene Spiel, um seinerseits einen Versuch zu legen (4.). Robert Haase erhöhte allerdings zur Halbzeit noch auf ein 12:5 (7.).

Auch danach fand die DRV-Auswahl nicht mehr zu ihrem gewohnt kontrollierten Spiel. Litauen glich kurz nach Wiederanpfiff sogar aus, bevor es eine Gelbe Karte kassierte und Deutschland in Überzahl mit zwei Versuchen von Phil Szczesny die Vorentscheidung schaffte. Mit dem Abpfiff verkürzte Litauen allerdings noch auf 19:24.

Im entscheidenden Spiel um den Gruppensieg hatte England den besseren Start, während Deutschland zu Beginn nur wenig Zugriff hatte. So ging der Vize-Weltmeister des vergangenen Jahres auch mit zwei erhöhten Versuchen und 14:0 in Führung. Erst kurz vor der Pause kam das Wolfpack besser ins Spiel und hatte durch Bastian Himmer und Anjo Buckman die Chance zu verkürzen. Doch das misslang.

In der 9. Minute ließ Phil Szczesny ein wenig Hoffnung aufkeimen: Englands Verteidigung hielt dem deutschen Druck lange stand, bis ein Pass nach links Szczesny fand, der zum kurz darauf erhöhten Versuch ablegen konnte – 7:14. England ließ sich davon jedoch nicht aus dem Tritt bringen. Der Favorit legte seinerseits zwei weitere Versuche und schaffte so die Vorentscheidung. Angesichts der drohenden Niederlage und der bereits sicheren Viertelfinalteilnahme ließ Deutschland in der Schlussphase die Zügel etwas schleifen und kassierte noch weitere Punkte zum 7:33-Endstand. „Der Kampfgeist hat in diesem Spiel lange gestimmt, und phasenweise haben wir gut mitgehalten“, sagte Clemens von Grumbkow. „Aber auf dem Niveau werden kleine Fehler eben umgehend bestraft. Und wenn man dann seine eigenen Chancen nicht nutzt, dann wird es eben schwer.“

(Foto: Rugby Europe)