Das deutsche 7er-Rugbyteam hat das erste Turnier der neuen World Rugby Challenger Series im chilenischen Vina del Mar gewonnen. Nachdem das Wolfpack bereits am ersten Turniertag ungeschlagen geblieben war, gestattete man am zweiten Tag den Gegnern in drei Spielen dank einer überragenden Defensivleistung gerade einmal fünf Zähler und steht damit am Ende als verdienter Sieger da. Rang drei in Vina del Mar sicherte sich Japan vor Chile. Jetzt reist das DRV-Team weiter nach Uruguay, wo am kommenden Wochenende in Montevideo das zweite Turnier der Sevens Challenger Series ausgetragen wird.

Das Endspiel im Estadio Sausalito gegen den „alten Rivalen“ Hong Kong war von Beginn an ein rasantes. Deutschland griff beherzt an, brachte sich allerdings mit Ballverlusten im Ruck um den frühen Lohn. Erst in der 7. Minute war es Bastian Himmer, der einen schönen Spielzug mit dem ersten Versuch abschloss. Hong Kongs Offensiv-Bemühungen hatte die DRV-Verteidigung bis dahin stark abgewettert.

Nach der Pause kippte die Partie gänzlich in Richtung des deutschen Teams und fand fast nur noch in der Hälfte der Asiaten statt. Hong Kong wehrte sich lange und leidenschaftlich, doch in der 10. Minute war der Druck doch zu groß: Tim Lichtenberg fand eine Lücke und legte zum 10:0 ab. Vom Wiederankick weg hatte Jaco Otto die Entscheidung vor Augen, doch kurz vor dem Malfeld wurde er gerade noch ins Aus bugsiert. Der hochverdiente Sieg geriet allerdings auch so nicht mehr in Gefahr.

„Wir sind natürlich megahappy mit diesem Resultat“, unterstrich DRV-Co-Trainer Clemens von Grumbkow. „Wir haben uns im Vergleich zum gestrigen Tag noch mal verbessert, haben überhaupt nur fünf gegnerische Punkte zugelassen an Tag zwei. Die Verteidigung war der entscheidende Faktor für uns in diesem Turnier. Wir hatten gegen Papua-Neuguinea zu Beginn ein paar Probleme, haben das dann aber sehr souverän gespielt. Gegen Japan ist uns endlich die Revanche für die Niederlage von vor zwei Jahren gelungen. Da haben die Jungs lange drauf gewartet. Und im Finale wollten wir es einfach mehr und haben am Ende das Turnier sicher auch verdient gewonnen. Jetzt gilt es, die Kräfte schnell wieder zu sammeln und nächste Woche diese Leistung noch einmal abzurufen.“

Im Viertelfinale stand das Wolfpack, sicher favorisiert, dem Team aus Papua-Neuguinea gegenüber. Das Wolfpack tat sich zu Beginn etwas schwer, in Ballbesitz und damit in die Offensive zu kommen. Die Gegner aus dem Pazifikraum waren gut auf den Beinen und ballsicher, konnten die starke DRV-Defensive allerdings nicht überwinden. Erst, als sich Papua-Neuguinea mit einer Gelben Karte für ein zu hohes Tackling selbst dezimierte, konnte Deutschland den sich bietenden Platz nutzen und durch Tim Lichtenberg und Kapitän Carlos Soteras Merz die ersten Versuche zum 10:0-Pausenstand legen.

Nach dem Seitenwechsel übernahm die DRV VII dann deutlich die Spielkontrolle und kam durch Bastian Himmer, nach sehenswertem Doppelpass mit John Dawe, und durch Phil Szczesny zu weiteren Versuchen. Und als Papua-Neuguinea wegen eines gefährlichen Tacklings an Bastian Himmer sogar mit Rot bestraft wurde, setzte Sebastian Fromm in der Schlussminute noch den Schlusspunkt mit seinem erhöhten Versuch zum ebenso deutlichen wie verdienten 29:0-Endstand.

Im Halbfinale wartete mit Weltserien-Absteiger Japan ein Team, das nicht wenige als DEN Favoriten im Turnier auf dem Zettel hatten. Und so präsentierten sich die Cherry Blossoms zunächst auch. Mit schnellem, druckvollem Spiel suchte man einen Weg durch die deutsche Verteidigung, die allerdings erneut stark agierte, immer zur Stelle war und in den Rucks Straftritte holte. Doch kurz vor der Halbzeit gelang Japans Kapitän Matsui dann doch der Durchbruch zum 0:5 aus DRV-Sicht.

In der zweiten Hälfte zeigte aber auch Deutschland seine offensiven Qualitäten, auch wenn Japan defensiv ebenfalls stark dagegenhielt. Doch in der 11. Minute verteidigten die Asiaten etwas zu offensiv und wurden von Tim Lichtenberg überrascht, der die Lücke fand und ungehindert unter den Stangen einlief, sodass der Erhöhungskick von Fabian Heimpel lediglich Formsache war – 7:5-Führung. Jetzt war das Momentum beim Wolfpack, das nur eine Minute später nachlegen konnte. Nach dem Ankick den Ball im Ruck erobert, druckvoll weitergespielt, und auf der rechten Seite war es wieder Lichtenberg, der ins Malfeld lief. Japan hatte danach noch die Möglichkeit, auszugleichen, aber die DRV-Abwehr war jetzt unglaublich druckvoll, zwang den Gegner nahe an die eigene Mallinie und holte sich im Ruck den Straftritt, den Heimpel zum Spielende ins Aus kickte. Endstand: 12:5!

In der Vorrunde war das DRV-Team ungeschlagen geblieben. Zum Auftakt hatte man erwartungsgemäß Außenseiter Paraguay dank einer starken Leistung in einem einseitigen Spiel mit 48:0 vom Platz gefegt. Gegen Italien (24:17) und Uganda (19:12) gab es jeweils eine etwas schwächere Hälfte und knappere Siege, als es nötig gewesen wäre.

Überschattet wurde das Turnier von der Absage der Hong Kong Sevens im April beziehungsweise der Verschiebung des Turniers, bei dem eigentlich der Aufsteiger in die Sevens World Series ausgespielt werden soll, auf 16. bis 18. Oktober 2020 aufgrund des Ausbruchs der Krankheit Covid-19 durch die Ausbreitung des Coronavirus im nahe gelegenen China und die damit verbundenen Reise- und Logistikprobleme.

Eine Entscheidung über den Modus zum Aufstieg in die Weltserie will der Weltverband voraussichtlich im März treffen. Bis dahin sind alle Möglichkeiten denkbar: Wie geplant eine Entscheidung bei den Hong Kong Sevens, oder aber das beste Team aus den beiden Turnieren in Vina del Mar (CHI) und Montevideo (URU) am kommenden Wochenende könnte bereits der Aufsteiger sein. In jedem Fall hat das deutsche Team in Chile bereits einen wichtigen Schritt gemacht.