Der Traum von der ersten Teilnahme am Rugby World Cup ist für die deutsche 15erRugbynationalmannschaft der Männer ausgeträumt. Das Team um Nationaltrainer Mike Ford musste sich im Stade Delort von Marseille (FRA) im zweiten Spiel trotz einer starken kämpferischen Leistung letztlich verdient den hoch favorisierten Kanadiern mit 10:29 (7:10) geschlagen geben und hat damit keine Chance mehr, das Turnier noch zu gewinnen und damit den letzten WM-Startplatz zu holen. Kanada hingegen hat nun beste Aussichten, sich erneut für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Lediglich Hongkong könnte mit einem klaren Sieg im direkten Duell am kommenden Freitag die Canucks theoretisch noch abfangen. Für die Schwarzen Adler aus Deutschland geht es nun noch darum, sich möglichst mit einem Erfolgserlebnis gegen Kenia (Freitag, 23. November, 18 Uhr) aus Marseille zu verabschieden.

Nationaltrainer Mike Ford: „Es war ein sehr hartes Spiel, ohne Frage. Aber Kanada hatte insgesamt mehr vom Spiel, hat das heute sehr gut gemacht. Wir haben heute sicher nicht unser bestes Spiel gemacht, das ist etwas enttäuschen zu diesem Zeitpunkt. Aber die Jungs haben alles gegeben, und mehr kann man als Trainer nicht verlangen. Ich bin stolz auf die Jungs, aber gratuliere Kanada auch zu einem verdienten Sieg.“

DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm: „Vom Einsatz her war das wirklich stark, was das deutsche Team heute gegen einen Gegner dieses Kalibers gezeigt hat. Wir waren defensiv sehr gut organisiert, konnten so viele Phasen der Kanadier gut verteidigen und so lange im Spiel bleiben. Aber letztlich muss man Kanada auch zu einem verdienten Sieg gratulieren. In den direkten Duellen hat man kaum einen Unterschied gesehen, aber im Kollektiv war Kanada heute die bessere Mannschaft.“

Kanada hatte in der Anfangsphase gleich mehrere Phasen in der deutschen 22-Meter-Zone und drückte auf das Malfeld. Doch die deutsche Defensive war sehr aufmerksam und agil, konnte sich mehrfach sehr gut befreien. Gordon McRorie versuchte es auch mit einem Drop Goal, doch auch das verteidigten die Schwarzen Adler hervorragend (7.). Kanada hatte deutlich mehr vom Spiel, musste sich aber jeden Zentimeter auf dem Platz sehr hart erkämpfen. Doch das deutsche Team, das von gut 300 mitgereisten deutschen Fans lautstark unterstützt wurde, kam in den ersten zehn Minuten noch nicht wirklich mal in die Offensive.

Im ersten Gedränge handelte sich Deutschland den ersten Straftritt ein, den Gordon McRorie zu den Stangen setzte und die Canucks mit 3:0 in Führung brachte (14.). Kanada bekam den Ball nach einem gefährlichen Tackling von Julius Nostadt schnell zurück, und Deutschland musste wieder Kraft raubende Abwehrarbeit verrichten. Da präsentierte man sich weiter stark, nur offensiv zeigte man sich noch etwas nervös, gab den Ball insgesamt zu leicht aus der Hand. Wieder arbeitete sich Kanada bis kurz vor das deutsche Malfeld vor, wo es dann den nächsten Straftritt gegen die Adler gab (19.). Kanada setzte diesmal allerdings nicht zu den Stangen, nahm stattdessen das Gedränge.

Nach mehreren Gedrängen in der deutschen 22-Meter-Zone war es in der 23. Minute Lucas Rumball, der durchbrach und den großen Druck der Kanadier erstmals in einen Versuch ummünzte. McRorie addierte Punkte mit der erfolgreichen Erhöhung zum 10:0. Deutschland musste in der Folge Kurt Haupt wegen des Verdachts auf eine Kopfverletzung ersetzen, Dasch Barber kam aufs Feld (28.). Doch Haupt kam später zurück aufs Feld. Doch der Wechsel erwies sich als Glücksfall. In der 29. Minute warf Deutschland den Ball kurz in die Gasse ein, es formierte sich ein starkes Paket, das nah ans gegnerische Malfeld anschob. Am Ende legte Barber den Versuch, der zwar noch vom Videoschiedsrichter überprüft, dann aber gegeben wurde. Raynor Parkinson erhöhte sicher, und Deutschland war wieder dran (30.).

Kanada war weiter überlegen, biss sich aber ein ums andere Mal die Zähne an der deutschen Verteidigung aus, die Tacklings setzte und Bälle im Ruck eroberte. Etwas glücklich war Deutschland nach 40 Minuten noch knapp dran.

Kein guter Start für die Schwarzen Adler in die zweite Halbzeit: Kanada eroberte den eigenen Ankick und war sofort wieder im Vorwärtsgang, und auf der rechten Seite tankte sich Tyler Ardron gegen gleich drei deutsche Verteidiger ins Malfeld durch (43.) Den schwierigen Kick trat McRorie durch die Stangen zum 17:7 für die Ahornblätter. Doch direkt der nächste deutsche Angriff lief mal über die Hintermannschaft und endete in einem Straftritt für die DRV XV, den Parkinson sicher verwandelte (47.).

Deutschland hatte in der Folge Glück. Zuerst brachte man sich durch eine Undiszipliniertheit um eine gute Ausgangsposition, dann gelang Kanada der Durchbruch auf der rechten Seite, doch der letzte Pass war ganz schlecht und ging ins Aus. Die folgende Gasse aber verlor die DRV XV. Die Kanadier drängten vehement auf weitere Punkte, die Adler zogen aber wieder den Kopf aus der Schlinge. Parkinson kickte das deutsche Team nahe ans kanadische Malfeld (63.). Das Paket kam nicht in Fahrt, und im Kontakt verlor man den Ball. Gute Phase aber für das deutsche Team, das einige frische Kräfte gebracht hatte und noch mal aufs Tempo drückte. Ein Ball auf Außen von Jamie Murphy zu Carlos Soteras Merz misslang jedoch.

Kanada kam aber wieder in die Offensive, und man sorgte für die Vorentscheidung: Matthew Heaton gelang der wichtige Durchbruch, und Matthew Evans vollendete zum Versuch, der auch die Überprüfung durch den Videoschiedsrichter überstand. Die Erhöhung ging vorbei, aber die Canucks zogen auf 22:10 davon (68.). Den Knock-out Punch setzte Gordon McRorie in der 72. Minute mit einem selbst erhöhten Versuch, der den Bonuspunkt brachte, der das deutsche Team aus dem Rennen um die WM-Qualifikation warf. Deutschland steckte dennoch nicht auf, versuchte sich weiter an etwas Ergebniskosmetik, was aber nicht mehr gelang.

Punkte:
3:0 (14.)          Straftritt Gordon McRorie
10:0 (23.)        Versuch Lucas Rumball & Erhöhung Gordon McRorie
10:7 (30.)        Versuch Dasch Barber & Erhöhung Raynor Parkinson
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17:7 (43.)        Versuch Tyler Ardron & Erhöhung Gordon McRorie
17:10 (47.)      Straftritt Raynor Parkinson
22:10 (68.)      Versuch Matthew Evans
29:10 (72.)      Versuch & Erhöhung Gordon McRorie

Aufstellung DRV:
1 Julius Nostadt (60. Jörn Schröder) – 2 Kurt Haupt (28. Dasch Barber) – 3 Samy Füchsel (60. Matthias Schösser) – 4 Michael Poppmeier – 5 Eric Marks (74. Timo Vollenkemper) – 6 Sebastian Ferreira – 7 Jacobus Otto (60. Ayron Schramm)– 8 Jarrid Els – 9 Sean Armstrong (77. Tim Menzel) – 10 Raynor Parkinson – 11 Carlos Soteras Merz – 12 Jamie Murphy – 13 Wynston Cameron-Dow (50. Hagen Schulte) – 14 Marcel Coetzee (74. Harris Aounallah) – 15 Christopher Hilsenbeck

Aufstellung Kanada:
1 Hubert Buydens (53. Djustice Duru-Sears) – 2 Raymond Barkwill (77.) – 3 Matthew Tierney (53. Jake Ilnicki) – 4 Michael Sheppard (62. Brett Beukeboom) – 5 Evan Olmstead – 6 Kyle Baillie (34. Matthew Heaton) – 7 Lucas Rumball (60. Matthew Heaton) – 8 Tyler Ardron – 9 Philip Mack – 10 Gordon McRorie – 11 Daniel van der Merwe (77. Jamie Mackenzie) – 12 Ciaran Hearn (74. Conor Trainor) – 13 Benjamin LeSage (74. Nickalas Blevins) – 14 Matthew Evans – 15 Theodore Sauder

Schiedsrichter: Luke Pearce (ENG), Sara Cox (ENG), Thomas Charabas (FRA)

(Foto: Jürgen Keßler)