Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft hat ein klares Ziel vor Augen: die Teilnahme am Rugby World Cup 2015 in England. Auf dem Weg dorthin wartet nun am Samstag (24. Mai, 15 Uhr) in Hamburg mit Russland ein schwerer Brocken. Daher geht die Mannschaft von DRV-Nationaltrainer Kobus Potgieter bestens vorbereitet in die Partie auf der Wolfgang-Meyer-Sportanlage (Hagenbeckstraße 124). Denn die DRV XV will als letzter europäischer Vertreter weiter um das 20. und damit ebenfalls letzte WM-Ticket für das Turnier in England kämpfen.

„Am Anfang der Saison hat sich die Mannschaft das Ziel gesetzt, die Schlussrunde der europäischen WM-Qualifikation zu erreichen. Die Spieler haben immer an sich geglaubt und verdienen daher großen Respekt für ihre Leistung“, sagt Kobus Potgieter. Den ersten Meilenstein in der WM-Qualifikation hat sein Team mit dem Aufstieg in die Division 1A gemeistert, der höchsten europäischen Spielklasse im European Nations Cup (ENC). Nun gilt es nach dem 17:7-Sieg in Amsterdam gegen die Niederlande einen Erfolg gegen Russland nachzulegen, um weiterhin in der WM-Qualifikation zu verbleiben. „Es ist großartig zu sehen, was wir bisher erreicht haben und es zeigt, was mit harter Arbeit möglich ist. Nun liegt es in unseren Händen noch mehr zu erreichen“, betont der DRV-Nationaltrainer.

In jeder Begegnung der abgelaufenen EM-Saison hat die Mannschaft an den Aufstieg geglaubt. Ein Schlüsselspiel war dabei die Partie im November vergangenen Jahres gegen Polen. Nach dem 43:13-Sieg in Berlin wurde den Spielern bewusst, dass sie das Potenzial für den Aufstieg und dem damit verbundenen Verbleib in der WM-Qualifikation besitzen. Selbst Rückschläge wie die 15:30-Niederlage in Moldawien steckte die DRV-Auswahl weg und sicherte sich den Aufstieg in den verbleibenden Spielen gegen Tschechien (76:12) und Schweden (45:20) in souveräner Manier.

Doch nun wartet mit Russland ein ganz anderes Kaliber auf die deutsche Rugby-Nationalmannschaft. Als 19. der Weltrangliste kann der aus Wales stammende russische Nationaltrainer Kingsley Jones auf Akteure aus der Professional Rugby League zurückgreifen. Zudem sind Spieler wie der Zweite-Reihe Stürmer Kirill Kulemin bei den Sale Sharks in der englischen Avia Premiership aktiv. Das russische Team bevorzugt dabei das physische Spiel und attackiert fortwährend in einem hohen Tempo. Und die Bilanz spricht dabei gegen Deutschland: Von den bisherigen fünf Partien zwischen beiden Teams konnten die russischen Bären alle für sich entscheiden – das bisher letzte Aufeinandertreffen im März 2010 mit 48:11. Die DRV XV geht daher als Außenseiter ins Spiel, obwohl sie sich mit Rang 24 in der Weltrangliste die bisher beste Platzierung in ihrer Geschichte erspielt hat. Doch Nationaltrainer Kobus Potgieter und seine Team glauben an ihre Chance. „In einem K.o.-Spiel gewinnt die Mannschaft, die es am meisten will und ihre Einlaufchancen am besten nutzt“, betont Potgieter. Dabei baut er auf die Erfahrung von Rekordnationalspieler Alexander Widiker (58 Einsätze) und Ex-Frankreich-Profi Robert Mohr, die sich für dieses wichtige WM-Qualifikationsspiel nach ihren Rücktritten nochmal das DRV-Trikot überstreifen. Verzichten muss Potgieter aber auf England-Profi Justin Melck. Sein Premiership-Klub Saracens F.C. hat ihm für das WM-Qualifikationsspiel keine Freigabe erteilt.

Diese Partie ist für die DRV XV zudem ein guter Test für das, was in der kommenden ENC-Saison auf sie zukommt. Denn die Russen schlossen die Spielzeit in der Division 1A auf dem dritten Platz ab, der zur Teilnahme im Kampf um ein WM-Ticket qualifizierte. „ Ich bin mir sicher, dass wir einen Eindruck davon bekommen werden, wo unsere Stärken und Schwächen liegen und woran wir für die kommende Saison arbeiten müssen. Das ist das erste Spiel seit vier Jahren nach unserem Abstieg, in dem wir wieder gegen eine Mannschaft aus der Division 1A spielen. Ein guter Prüfstein also, um zu sehen, wo wir spielerisch aktuell stehen“, erklärt DRV-Nationaltrainer Potgieter.

Unabhängig von dem Ausgang des WM-Qualifikationsspiels – die bisherige Saisonbilanz von Kobus Potgieter fällt positiv aus. „Wir können stolz sein auf das, was wir sportlich erreicht haben. Diese Erfolge schlagen sich in der Weltrangliste nieder. Das nationale und internationale Medieninteresse am deutschen Rugby ist gewachsen. Zudem haben wir mehr Spieler an die 15er-Nationalmannschaft herangeführt und ausgebildet und haben so viel mehr Tiefe in dem Kader. Unsere Aufgabe ist es nun, diese positive Entwicklung für den Rugby-Sport in Deutschland zu nutzen“, erklärt der DRV-Nationaltrainer. Daher baut er auf die tollen Fans in Hamburg. Mit deren Unterstützung will die DRV XV einen weiteren Sieg in der WM-Qualifikation einfahren.