Im dritten DRV-Sommerinterview kommt noch mal Peter Smutna zu Wort. Der Leiter der deutschen Rugby-Akademie (DRA) gibt im Interview interessante Einblicke in das weltweite Programm „Get into Rugby“ (GiR).

Peter, bitte kurz erklärt: Was genau steckt hinter dem Programm „Get into Rugby“?
„Get into Rugby“ ist ein vom Weltverband World Rugby ins Leben gerufenes internationales Programm, welches sich um die Neugewinnung von Mitgliedern speziell im Nachwuchsbereich bemüht.

An wen richtet sich das Programm speziell?
An Schülerinnen und Schüler gleichermaßen wie an Lehrkräfte, Eltern und Nachwuchstrainer. Es gilt, Kinder und Jugendliche nicht nur vom Rugby spielen zu begeistern, sondern auch die sportlichen Werte zu transportieren.

Und was ist das konkrete Ziel von „GiR in Deutschland?
Die Verbreitung von Rugby steht hier ganz klar im Fokus. Schulen, Kindergärten, Eltern, Lehrer und Betreuer sind gleichermaßen die Zielgruppe, wie Kinder und Jugendliche. Das Ziel ist es, diese in die Vereine zu bringen und Rugby-Deutschland auf ein festes Fundament zu stellen.

Wie bist du selbst zu GiR gestoßen und was genau ist deine Aufgabe?
Meine Aufgabe als „Get into Rugby“-Koordinator in Deutschland ist es, national, regional und lokal die Strukturen im Entwicklungsbereich aufzubauen. Unser aller Ziel ist es, bis Ende 2020 jedem, der innerhalb der Rugbylandschaft Deutschland Unterstützung braucht, diese innerhalb kürzester Entfernung bieten zu können.

Du kämpfst ja sicher nicht allein. Wer unterstützt dich bei diesem Vorhaben und der Umsetzung dieses Ziels? Mit wem arbeitest vor Ort in den Schulen zusammen?
Wir haben mittlerweile mehr als 40 Koordinatoren, die sich sowohl regional als auch lokal um die Verbreitung des Rugbysportes kümmern, Schulen betreuen und auch Lehrer ausbilden. Meine Aufgabe ist es, geeignete Personen zu identifizieren, diese auszubilden, um diese Struktur weiter auf- und auszubauen.

Mit Erfolg? Wie sieht die bisherige Bilanz von „Get into Rugby Germany“ aus?
Um es in Zahlen auszudrücken: 2017 haben wir mehr als 70.000 Schülerinnen und Schüler mit Rugby in Kontakt gebracht. Wir haben aktuell mehr als 200 Schulen an 30 Standorten mit knapp 200 ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern sowie 280 speziell ausgebildeten GiR-Trainern, die fast alle regelmäßig Schulaktivitäten anbieten.

Klingt bis hierhin recht eindrucksvoll.
Noch sind wir nicht ganz zufrieden mit dieser Bilanz, denn die Nachhaltigkeit ist aktuell weder messbar noch sportlich sehr aussagekräftig. Genau das ist unsere Hausaufgabe für das kommende Schuljahr.

Was ist für das nächste Schuljahr geplant?
Wir wollen 2019 eine nationale Schulmeisterschaft austragen, die durch regionale und lokale Vorentscheidungen ermittelt wird. In Zusammenarbeit mit dem DRJ-Verantwortlichen für Schule und Entwicklung, Phil Paine, arbeiten wir bereits an Möglichkeiten, die das ermöglichen.

Wie sieht denn die Rückmeldung aus den Vereinen zu dem GiR-Programm aus?
Die Rückmeldung ist eher durchwachsen und leider meist nicht messbar. Das ist, wie bereits erwähnt, eine der größten Schwachstellen in diesem Programm – sowohl international als auch bei uns national. Aber auch daran arbeiten wir und holen uns jetzt Unterstützung der Landesverbände im Nachwuchsbereich. Denn es ist schier unmöglich, diese Masse national zentral zu betreuen. Und da, wo die Reise hingehen soll, ist es erst recht utopisch, dies alles alleine zu stemmen. Nur gemeinsam können wir erreichen, was wir erreichen wollen: Rugby im Schulsport zu etablieren und in den Alltag zu integrieren.