An diesem Wochenende findet in Exeter (ENG) das dritte von insgesamt vier Turnieren der Sevens Grand Prix Series statt, die Turnierserie um die Europameisterschaft im olympischen 7er-Rugby. In seinem Geburtsland nicht aktiv mit dabei ist Samuel Rainger. Der etatmäßige Kapitän der deutschen 7er-Rugbynationalmannschaft der Männer ist nach einem Kreuzbandriss, den er sich bei den Oktoberfest Sevens 2017 zugezogen hatte, noch nicht wieder zu 100 Prozent einsatzbereit. Dennoch freut er sich über die starken Leistungen seines Teams, wie er im Interview sagt. (Foto/Archiv: Jürgen Keßler)

Sam, als Kapitän des „Wolfpack“ konntest du in dieser Saison noch nicht mit dem Team auflaufen. Wie ist es, nur am Bildschirm verfolgen zu können, wie die Jungs bislang so starke Turniere spielen?
Ich bin ja trotzdem ziemlich eng dran an den Jungs, bin ja seit kurzem auch schon wieder im Mannschaftstraining dabei. Ich bin ja nicht das erste Mal verletzt, sodass ich das Gefühl, zuschauen zu müssen, ja auch schon kenne. Natürlich wäre ich lieber auf dem Platz dabei, dafür arbeite ich ja auch hart im Gym und in der Reha, aber man muss auch realistisch sein: Ich kann der Mannschaft nur helfen, wenn ich zu 100 Prozent fit bin.

Du bist sicher heiß drauf, wieder auf Turnieren aufzulaufen. Können wir dich in dieser Saison noch mit der DRV VII sehen?
Ich hoffe es zumindest. Letzte Woche hatte ich schon mein erstes Spiel für meinen Verein RK Heusenstamm, und wie gesagt, bin ich auch bei den 7ern bereits im Mannschaftstraining dabei. Ziel ist es, im September beim letzten GPS-Turnier in Lodz wieder mit dabei zu sein. Das Problem ist, dass wir bis dahin wohl keine internationalen Turniere mehr haben werden, sodass die Matchpraxis auf diesem hohen Spielniveau fehlen wird.

Wie beurteilst du als Kapitän denn die aktuell starken Leistungen des Teams?
Die Entwicklung, die die Mannschaft bislang nimmt, ist schon sehr eindrucksvoll. In den letzten Jahren haben wir gelegentlich mal ein Halbfinale erreicht. Jetzt standen wir in Moskau zum ersten Mal in einem GPS-Endspiel und konnten das in Marcoussis auch gleich bestätigen. Wir konnten auch in den letzten Jahren schon gutes Rugby spielen, jetzt kommt auch die Konstanz dazu. Das ist natürlich sehr erfreulich. Und: Die Mannschaft wird mit jedem Turnier erfahrener. Dazu spielt aktuell auch unsere Bank eine sehr große Rolle. Auch da haben wir mittlerweile eine gute Tiefe im Kader und sind sehr gut aufgestellt.

Man hat das Gefühl, das Team steht irgendwie überall kurz davor: Kurz vor dem Aufstieg in die World Series, kurz vor dem ersten Turniergewinn bei der Grand Prix Series. Was ist mit dieser Mannschaft möglich?
Das stimmt schon, wir warten praktisch auf diesen Durchbruch. Grundsätzlich ist mit diesem Team wirklich viel möglich, aber es muss jetzt irgendwann mal passieren, um uns auch diese Gewinnermentalität richtig einzuimpfen. Wir haben alle Tools, die dafür notwendig sind, aber wir brauchen mal einen Turniersieg auf einem großen Turnier, wir brauchen dieses Erfolgserlebnis auch für den Kopf, um zu wissen, dass wir das auch können. Finals auf diesem Niveau zu erreichen, das ist auch schon ein guter Erfolg, aber am Ende des Tages brauchen wir das Gefühl, diesen letzten Schritt auch erfolgreich gehen zu können. Das wäre ein großer Schritt nach vorn, wenn wir das in diesem Jahr noch schaffen könnten. Aber: Die USA zum Beispiel hat auch vier Anläufe gebraucht, um auf die World Series zu kommen, und jetzt sind sie da fester Bestandteil. Das ist auch für uns absolut machbar.

Mit Vuyolwetu Zangqa steht ein echter Top-Trainer an der Seitenlinie. Welchen Impact bringt er für die Mannschaft?
Vuyo ist ein Supertrainer, wie er zu seiner aktiven Zeit auch ein Superspieler war, der die World Series gewonnen hat. Er hat eine wahnsinnig große Erfahrung, hat mit den besten gespielt und auch als Trainer von den besten gelernt. Das ist für uns als Mannschaft natürlich ein großes Plus. Natürlich hatten auch die Trainer, die wir vor ihm hatten, einen großen Einfluss auf die Entwicklung dieses Teams, aber sie hatten diese große Erfahrung nicht. Er kann uns vielleicht am besten vermitteln, was es braucht, um am Ende diesen angesprochenen letzten Schritt zu gehen, und daran arbeiten wir alle gemeinsam sehr hart.