Am Wochenende (21./22. September) misst sich das deutsche 7er-Nationalteam als Europameister bei den Oktoberfest 7s im Münchner Olympiastadion mit den besten Teams der Welt. Als Spielmacher bei diesem Rugby-Highlight auf deutschem Boden dabei ist Fabian Heimpel von der RG Heidelberg, der unterstreicht, wie groß die Vorfreude auf die sportlichen Herausforderungen aber auch und vor allem darauf ist, endlich mal wieder vor heimischem Publikum auflaufen zu dürfen. (Foto: Jan Perlich)

Fabian, würdest du für uns einmal einordnen, welchen Stellenwert die Oktoberfest 7s für dich und das Team haben. Immerhin geht es nicht um Titel oder irgendeine wichtige Qualifikation.
Dennoch ist das für uns ein sehr besonderes Turnier. Wenn man auf die letzten zehn Jahre schaut, kann man an einer Hand abzählen, wann wir uns mal unseren eigenen Fans präsentieren konnten. Das fehlt uns als Nationalspieler sehr. Das ist im 15er-Rugby, wo man zwei, drei Heimspiele pro Jahr hat, etwas anders. Wir freuen uns wahnsinnig auf die Kulisse, die ja schon bei der Premiere 2017 unglaublich war. Und über die sportliche Wertigkeit gibt es sicher keine zwei Meinungen. Keiner von uns hat zuvor auf einem so hochkarätig besetzten Turnier gespielt.

Ihr wart in den letzten paar Jahren ja schon auf Turnieren in einigen Ländern. Kann man da einen Vergleich zu den Oktoberfest 7s ziehen?
Ich denke, das Turnier in München mit dem Oktoberfest als Rahmen erfüllt sicher den höchsten Standard und braucht sich hinter keinem Weltserien-Turnier verstecken. Es hat zwar noch nicht die sportliche Wertigkeit, aber wenn man es aus organisatorischen, emotionalen und Stimmungsgesichtspunkten bewertet, ist das absolut gleichwertig.

Zu den Gegnern in München: Ihr spielt schon in der Vorrunde am Samstag gegen Vizeeuropameister Frankreich (14.22 Uhr), Olympiasieger Fidschi (17.07 Uhr) und gegen den Weltserien-Zweiten USA (19.30 Uhr). Dann warten unter Umständen auch Kaliber wie Südafrika, Australien oder erstmals überhaupt in Deutschland die All Blacks Sevens aus Neuseeland. Mit was für Zielen geht ihr in dieses Turnier?
Das ist natürlich ein wahnsinnig spektakuläres Feld und noch mal eine klare Steigerung zu 2017 – aber dann auch noch herausfordernder. Wir sind sicher der Underdog, aber wir haben schon vor zwei Jahren gezeigt, dass wie die Großen auch ärgern können. Das wollen wir wieder tun. Und wir rechnen uns schon Chancen aus, den einen oder anderen Gegner zu schlagen. Da sind wir mittlerweile selbstbewusst genug. Und wir werden sehen, wie viel zusätzliche Kraft das Publikum und die Stimmung bei uns freisetzen können.

Liegt die Latte als Europameister nicht mittlerweile auch höher für euch?
Das ist sicher so. Man ist zumindest bei den europäischen Teams bekannter und wird nicht mehr unterschätzt. Inwieweit Teams wie Neuseeland oder Fidschi unsere Entwicklung wahrnehmen, weiß ich nicht. Aber auch denen wollen wir zeigen, dass wir einen guten Schritt näher gekommen sind.

Du bist ja jetzt schon lange beim 7er-Team dabei. Wenn du einen Blick zurückwirfst: Ist diese rasante Entwicklung überhaupt zu realisieren?
Die Entwicklung, die wir in den letzten zehn Jahren genommen haben, war so sicher nicht zu erwarten. 2009 in Hannover ist das DRV-Team unter den europäischen Teams noch Neunter von zehn Startern geworden, danach sind wir sogar in die Zweitklassigkeit abgestiegen. Und als wir damals mit der Trainingsgruppe unter Rainer Kumm begonnen haben, war unser Ziel, einmal das Turnier in Hongkong als Aktiver zu erleben. Jetzt sind wir dort regelmäßig dabei, sind Europameister und schnuppern sogar World-Series-Luft.

Was erhofft ihr euch von den Oktoberfest 7s?
Neben sportlichem Erfolg und dem Spaß, vor so einer Kulisse spielen zu können? Wir hoffen natürlich, dass Rugby damit wieder ein Stück populärer wird in Deutschland. Es werden bestimmt viele Zuschauer den Weg ins Stadion finden, auch solche, die bislang noch nicht so viele Berührungspunkte mit Rugby hatten. Der Rahmen dafür ist toll. Dazu kommen die Live-Übertragungen bei Sport1, die auch noch mal für Wellen sorgen können. Und nicht zuletzt würden wir uns freuen, wenn wir damit auch junge Menschen für den Sport begeistern und in die Vereine bringen.