Die laufende Saison in der Rugby Europe Championship hat bislang noch nicht die Ergebnisse gebracht, wie sich das die deutsche 15er-Rugbynationalmannschaft der Männer vorgestellt hat. Doch Kapitän Sebastian Ferreira und seine Mannen wissen durchaus, woran es bislang gelegen hat, und woran die Mannschaft hart arbeiten muss, um im ersten von zwei Heimspielen am kommenden Samstag, den 2. März, in Heidelberg gegen WM-Teilnehmer Russland bestehen zu können. (Foto: Jürgen Keßler)

Sebastian, man merkte, dass ihr nicht zufrieden seid mit dem bisherigen Verlauf der Rugby Europe Championship 2019.
Das stimmt, wir können nicht zufrieden sein mit den ersten beiden Spielen. Wir haben vor allem zu viele Fehler in unserer eigenen Hälfte gemacht und den Gegner damit den Ball in für uns gefährlichen Bereichen überlassen und ihnen so gute Möglichkeiten geboten. Was allerdings absolut gestimmt hat, war der Kampfgeist. Wie sich die Jungs immer wieder reinwerfen und bis zum Schluss alles für diese Mannschaft und für Deutschland geben, das ist top. Aber insgesamt war in den beiden ersten Spielen – auch auswärts – sicher mehr drin als der eine Punkt, den wir bislang für das Gesamtranking geholt haben.

Man hat insgesamt den Eindruck, dass die Gegner in der Rugby Europe Championship noch mal ein anderes Kaliber sind als zuletzt im Repechage. Ist das so?
Das ist schwer zu vergleichen. Im Grunde sind das gänzlich andere Gegner. Im Repechage wurde insgesamt vielleicht etwas schneller gespielt, da ging es nicht so direkt in den Kontakt. Die Teams in der Europameisterschaft sind insgesamt sicher etwas größer und kräftiger. Wir haben es mit einigen der besten Sturmreihen der Welt zu tun, wenn wir nur mal an Georgien denken. Das ist schon ein Unterschied. Schwerer oder leichter sind die Spiele sicher nicht. Ich denke, wir sind auch nicht so weit weg von den Topteams in dieser EM. Den Unterschied machen zumeist Kleinigkeiten aus, an denen man in der Vorbereitung intensiv arbeiten muss.

Jetzt steht am Samstag gegen Russland in Heidelberg das erste Heimspiel an. Was muss besser laufen, um da bestehen zu können?
Sehr hilfreich wäre es, wenn wir es schaffen, mehr Zeit gemeinsam am dem Platz zu verbringen. Eine gewissenhafte und intensive Vorbereitung ist gerade für die Spieler, die einem geregelten Job nachgehen oder die studieren, schon eine gewaltige Herausforderung. Denn am Ende geht es in den Spielen in den allermeisten Fällen gegen Profis. Aber unser Trainerteam arbeitet hart, so viele Spieler wie möglich so oft wie möglich gemeinsam auf dem Platz zu haben und an den Dingen zu arbeiten, die zuletzt nicht so gut funktioniert haben. Wir müssen zum Beispiel besser steuern, wo auf dem Feld wir spielen. Wir müssen den Ball besser verteidigen bzw. ihn länger in den eigenen Reihen halten, um so Chancen für uns zu kreieren. Dazu dürfen wir uns natürlich auch nicht solche Undiszipliniertheiten erlauben wir in Rumänien, wo wir phasenweise nur mit zwölf Mann auf dem Platz standen.

Wie stark schätzt ihr die Russen ein, die sich ja mit diesem EM-Turnier gleichzeitig auch auf den diesjährigen Rugby World Cup vorbereiten?
Wir haben schon einiges von den Russen sehen und das Spiel analysieren können. Sie spielen beinahe militärisch korrekt, wenn auch nicht ganz so direkt wie etwa Rumänien. Aber insgesamt sind sie etwas schneller als die letzten beiden Gegner. Ich denke, es wird auf eine aufmerksame Verteidigung und gute Gassen ankommen. Und wir wissen genau, an welchen Punkten wir uns noch verbessern müssen. Wenn wir es schaffen, unseren Kampfgeist an einem Tag zu kombinieren mit gutem Kickspiel, sicheren Standards, starken Gedrängen und Paketen sowie einer agilen Hintermannschaft, dann sind wir auch schwer zu schlagen. Es wird sicher ein harter Kampf gegen die Russen, aber wenn wir in Heidelberg auflaufen, werden wir bereit sein.

Wie viel kann der Heimvorteil ausmachen?
Wir haben zuletzt in Belgien eindrucksvoll gesehen, was der ausmachen kann. Das war eine beeindruckende Stimmung. Wir freuen uns sehr auf unsere eigenen Fans und hoffen, dass sie zahlreich und lautstark in Heidelberg vertreten sein werden und uns quasi als der sprichwörtliche 16. Mann unterstützen.

 

In dieser EM-Spielzeit tritt das deutsche Nationalteam zwei Mal auf heimischem Boden an. Am Samstag, den 2. März um 15 Uhr, geht es im Heidelberger Fritz-Grunebaum-Sportpark (Harbigweg 9, 69124 Heidelberg) gegen Russland. Und am Sonntag, den 17. März um 13 Uhr, folgt das zweite Heimspiel in Köln im Sportpark Höhenberg (Höhenberger Ring, 51103 Köln) gegen die Spanier.

Karten im Vorverkauf gibt es für beide Spiele unter www.ADticket.de!