„Er war die Inspiration meines Lebens“, sagt Rambo Leung, der als erster Chinese in der Rugby-Nationalmannschaft Hongkongs mitspielen durfte. „Er war mein großes Vorbild, immer cool, immer ruhig und immer nah an den Spielern, denen er ein väterlicher Freund war“, erinnert sich Kay Kocher (Heidelberg), der als Co-Trainer der deutschen Siebenerrugby-Nationalmannschaft von George Simpkin viel gelernt hat.

Der Neuseeländer, einer der besten Trainer seiner Zeit, ist am 30. April 2020 in Hamilton wenige Tage vor seinem 77. Geburtstag nach einem Krebsleiden verstorben.

Nachdem George Simpkin mit Waikato die Meisterschaft, den Ranfurly Shield, gewonnen und mit dieser Provinzauswahl Frankreich geschlagen hatte, stand dem jungen Trainer die Welt offen. Zunächst führte er Fidschi als Technischer Berater in das Viertelfinale der ersten WM 1987 in seinem Heimatland, ehe er von 1988 bis 1999 Trainer von Hongkong wurde und dem dortigen Siebenerrugby-Turnier zur Weltgeltung verhalf. Es folgten Stationen in China und Sri Lanka, wo Simpkin sich mit seiner Frau Pip und den beiden Kindern als Farmer niederließ und als Tüftler das Kickhütchen erfand, das heute jeder Goalkicker benutzt.

Nachdem Simpkin ab 2005 den SC Frankfurt 1880 betreut hatte, wurde er 2007 mit Kay Kocher Trainer jenes Siebenerrugby-Teams, das durch ein 19:12 im Finale über Spanien die EM-Qualifikation in Heidelberg gewann und beim Finale in Moskau Zehnter wurde. Dann zog es Simpkin zurück in die Sonne Sri Lankas.

Nach ernüchternden Vorstellungen beim EM-Finalturnier 2009 in Hannover bat der damalige DRV-Präsident George Simpkin um die Rückkehr nach Deutschland. Von seiner Wohnung in der Bergheimer Straße in Heidelberg aus realisierte er ein grandioses Sichtungs- und Trainingsprogramm und baute ein neues Team auf, das bei der EM 2013 krankheitsbedingt aber nur Platz 13 belegte und aus der Division 1 absteigen musste. Als die Regierung dann die Fördergelder strich und feststellte, dass der Verband zu arm sei, um unterstützt zu werden, ging Simpkin kopfschüttelnd nach Hause – nicht ohne dem DRV zwei Monatsgehälter zu schenken. Der Wiederaufstieg glückte sofort.

(Beitrag: Claus-Peter Bach am 8. Mai 2020 in der Rhein-Neckar-Zeitung)