Am Ende einer langen Saison, die nicht nur Höhenflüge zu bieten hatte für die deutschen 7er-Rugbymänner, steht ein historischer Erfolg – soviel ist festzuhalten. Zweiter in Europa in der olympischen Variante des Rugbysports. Dennoch fällt das Fazit eher gemischt aus. Es habe nicht alles silbern geglänzt, ist zu vernehmen. Man habe noch immer Luft nach oben, und die ambitionierten Ziele bleiben die gleichen. Daher gönnt man sich auch keine lange Pause und ruht sich nicht lange auf EM-Silber aus: Schon Anfang Oktober geht es mit einem Sichtungslehrgang und einem topbesetzten Turnier in Chester bei Manchester weiter.

Seitens des DRV ist man „sehr zufrieden“ mit dem Verlauf der internationalen 7er-Spielzeit. „Die Saison stand ja unter besonderen Vorzeichen: Neues Trainerteam, viele Verletzte, zahlreiche neue Spieler und einige Randgeräusche, die es nicht immer leicht gemacht haben, den Fokus zu behalten“, unterstreicht DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm. „Aber trotzdem haben wir drei Mal das Finale in der Grand Prix Series erreicht, uns auf einem hohen Spielniveau stabilisiert und in Europas Spitze fest etabliert – das ist ein sehr guter Meilenstein.“ Wilhelm lobt dabei ausdrücklich die Arbeit an den Stützpunkten: „Wir haben in dieser Saison über 20 Spieler eingesetzt, haben mittlerweile eine erstaunliche Tiefe im Kader. Die Arbeit an den Stützpunkten in Hannover und Heidelberg hat sich etabliert. Mit Berlin und Frankfurt sind weitere Stützpunkte dazugekommen. Bis 2020 wollen wir unsere Spitzensportler ab der Altersklasse U16 an insgesamt sechs Stützpunkten täglich mit professionellen Trainings unterstützen und einen regelmäßigen Austausch wie auch Wettkampf ermöglichen. Es gibt noch viel zu tun, aber wir behalten unsere Ziele, die Olympischen Spiele und die Sevens World Series, fest im Blick.“

Auch das Trainerteam ist stolz auf den historischen Erfolg in der Kontinentalmeisterschaft, wie Co-Trainer Clemens von Grumbkow betont: „Natürlich ist das ein tolles Outcome. Auf der anderen Seite ist sicher nicht alles optimal gelaufen. Die vertane Chance in Hongkong war richtig bitter, das hat uns lange nachgehangen. Die klaren Niederlagen in den GPS-Finals gegen die Iren und der Ausrutscher in Exeter nagen ebenfalls noch an uns. Aber am Ende steht: Ein Jahr vor der Olympia-Qualifikation sind wir Zweiter in Europa.“ Im gleichen Atemzug sagt von Grumbkow aber auch, dass die Zielsetzungen sich nicht verändert haben: „Wir müssen jetzt dranbleiben – das ist wichtig. Wir müssen mit Blick auf die Zukunft weiter den Unterbau stärken, um diese tolle Entwicklung auch in Zukunft fortführen zu können.“

Dafür nominierte man für einen Sichtungslehrgang vom 2. bis zum 8. Oktober in England über 30 Spieler, um sich ein Bild zu verschaffen über das Potenzial, dass in Deutschland noch schlummert. Am Ende dieses Lehrgangs wird ein Development-Team an einem hochkarätig besetzten Einladungsturnier in Chester bei Manchester teilnehmen, wo man unter anderem auf die Teams aus Irland, den USA, Englands, Südafrikas und Spaniens treffen wird. „Bis Ende des Jahres geht es erst mal darum, die Spieler in ihrer individuellen Spielstärke zu verbessern“, so Clemens von Grumbkow. „Wir werden in diesem Jahr noch Turniere in Spanien und Dubai spielen, um weiter im Wettkampfmodus zu bleiben. Nach der Winterpause startet dann die Vorbereitung auf Hongkong mit Touren nach Südamerika und Südafrika.“

Auch unter den Spielern ist die Motivation, endlich auch mal den berühmten letzten Schritt zu machen, ungebrochen, wie Kapitän Sam Rainger bekräftigt: „Wir alle sind wirklich stolz auf das, was wir in dieser Saison geschafft haben. Wir haben wieder wertvolle Erfahrungen gesammelt – wenn auch auf zum Teil harte Art und Weise, wenn man etwa an Hongkong denkt. Zudem haben wir mittlerweile eine Tiefe im Kader, die es uns beziehungsweise den Coaches erlaubt, auch mal Nominierungsentscheidungen zu treffen wie vor dem Turnier Lodz, die Außenstehende sicher überraschen. Wir haben einen enormen Konkurrenzkampf im Training, der alle Spieler antreibt. Und wir haben weiter unsere Ziele vor Augen. Rang zwei in Europa ist toll, aber wir wollen ganz nach oben. Wir nehmen erneut Anlauft auf die Sevens World Series, und wir wollen uns für Olympia qualifizieren.“ Man gehe sehr optimistisch in die kommende Saison, auch wenn die Herausforderungen nach wie vor groß sind. „Irland war eindeutig stärker in dieser Saison, aber wir werden die auch irgendwann schlagen. In Hongkong ist der Druck ein ganz anderer, da sind wir sicher schon das erfahrenere Team. Wir machen uns vor Irland keine größeren Sorgen als bei jedem anderen Gegner auch.“

(Foto: Jan Perlich / Rugbylicious)