Das deutsche 15er-Rugbynationalteam musste sich auch im ersten Heimspiel der laufenden Saison in der Rugby Europe Championship geschlagen geben. Im Fritz-Grunebaum-Sportpark von Heidelberg unterlagen die Schwarzen Adler am Ende knapp dem WM-Teilnehmer aus Russland mit 18:26 (6:12). Ein besseres Ergebnis vergab das Team von Headcoach Mike Ford vor allem aufgrund einer Schwächephase Anfang der zweiten Hälfte. Damit droht der DRV-Auswahl als aktuelles Tabellenschlusslicht weiter der Gang in die Relegation. Am kommenden Sonntag (10. März) treten die Schwarzen Adler bei Titelfavorit Georgien an, bevor es zum Abschluss am 17. März (13 Uhr) in Köln noch mal ein Heimspiel gegen Spanien geben wird. (Foto: Jürgen Kessler)

Headcoach Mike Ford: „Ich bin stolz auf die Jungs, aber wir haben dem Gegner zu viel Ballbesitz in unserer Hälfte gegeben. Und dann ist es schwer, gegen die starke russischen Stürmer so nah an der eigenen Mallinie zu verteidigen. Wir haben es insgesamt gut gemacht. Wenn wir etwas mehr Glück mit den Kicks haben, kann es auch noch enger werden. Aber für uns ist das nur der Anfang der Reise. Wir als deutsches Team können nur besser werden. Die deutschen Fans müssen geduldig sein, aber dieses Team wird noch viel erreichen.“

Kapitän Sebastian Ferreira: „Wir waren wieder da, aber knapp nicht ganz da, wo wir hinwollten. Wir haben einige Sachen verbessert, aber wir haben es wieder nicht geschafft, die letzten Pässe zu bringen und unsere Chancen konsequenter zu nutzen. Wir haben in der zweiten Hälfte wieder stark gekämpft, darauf können wir stolz sein. Aber es liegt noch viel Arbeit vor uns für die letzten beiden Spiele. Es wird schwer, aber wir müssen weiter an uns glauben.“

Die ersten Minuten gehörten dem deutschen Team. Nach wenigere gespielten Sekunden gelang Sebastian Ferreira der erste Durchbruch und ein Pass nach rechts auf Nikolai Klewinghaus, der jedoch umgehend ins Aus getackelt wurde. Nach einem Paket, aus dem es einen Straftrittvorteil für die DRVer gab, versuchte es Christopher Hilsenbeck mit einem Überkick ins Malfeld – allerdings einen Tick zu weit. Doch es gab den Straftritt, den Hilsenbeck diesmal zu den Stangen setzte. Doch der Frankreich-Legionär verzog knapp links und vergab die Chance auf die ersten Punkte des Spiels (3.). Doch das machten die Russen besser: Nach mehrere Pick-and-Go-Phasen spielten die Bären den Ball weit nach rechts raus, wo German Davydov den ersten Versuch legte (8.).

Die Russen bestimmten in dieser Phase das Geschehen weitestgehend, kamen mit hohen Kicks und schnellen Pässen aus den Rucks, die das Spiel weit machten, immer wieder in die Nähe des deutschen Malfelds. Aber Deutschland kam in der 18. Minute mal mit Druck, als Kurt Haupt in guter Position einen freien Ball aufnehmen, aber dann den Offload nicht anbringen konnte. Zwei Minuten später wieder ein Straftritt für Christopher Hilsenbeck – zentraler, aber auch etwas weiter weg als beim ersten Versuch. Diesmal ging der Kick sicher durch die Stangen (21.). Den Ankick der Russen konnte Nikolai Klewinghaus nicht sicher fangen, und so war Russland wieder in der 22-Meter-Zone der Deutschen am Drücker. Doch durch einen ein Fehler der druckvollen Gäste zog Deutschland den Kopf aus der Schlinge.

Deutschland verteidigte insgesamt gut, zwang die Russen immer wieder zu Fehlern und konnte sich so mehrfach befreien, ohne dann aber selbst gefährlich in die Nähe von Punkten zu kommen. Aber irgendwann nutzten die Russen dann doch mal eine Chance: Deutschland hielt lange gegen das Pick-and-Go dagegen, doch dann konnte man Tagir Gadzhiev nicht mehr vom Versuch abhalten, den Yurii Kushnarev diesmal sicher erhöhte (29.).

Doch die Schwarzen Adler waren davon nicht geschockt, kamen selbst gut in den Angriff, den Hilsenbeck mit dem zweiten erfolgreichen Straftritt zentral fast vor den Stangen abschloss (34.). Jetzt war Deutschland am Drücker. In der 37. Minute dominierte Deutschland ein russisches Gedränge, kickte anschließend zur Gasse, aus der sich ein viel versprechender Angriff entwickelte. Klewinghaus versuchte es mit einem flachen Kick, doch die Adler konnten den Ball nicht erlaufen. Weil danach auch die Russen nicht mehr nennenswert in die Offensive kamen, blieb Deutschland gegen den WM-Teilnehmer mit 6:12 zur Halbzeit absolut in Schlagdistanz.

Zu Beginn der zweiten Hälfte Deutschland zunächst im Glück. Ein Kick von Hagen Schulte wurde geblockt, doch Russland brachte sich mit einem Vorball um weitere Punkte. Doch die Fehlerkette der Adler war noch nicht beendet. Im Gedränge verlor das DRV-Team den Ball an die Russen, die dann im Pick-and-Go wieder nicht zu stoppen waren und durch Evgenii Matveev den Versuch legten (44.). Kushnarev erhöhte auf 19:6. Deutschland war in dieser Phase von der Rolle: Ein Pass von Hilsenbeck wurde abgefangen, und wieder war eine Angriffsphase der Adler unnötigerweise beendet. Nach einer längeren Unterbrechung, die aus einer Verletzung von Hagen Schulte resultierte, legten die Russen direkt den nächsten Versuch. Aus dem Paket heraus war es diesmal Anton Sychev, der den Ball ablegte. Kushnarev erhöhte auf 26:6 (50.).

Es lief jetzt nicht mehr bei den Schwarzen Adlern, die konsterniert wirkten. Ein Kick des bis dahin sicheren Hilsenbeck ging nicht zur Gasse ins Aus. Deutschland holte sich den Ball im russischen Gedränge, gab ihn aber direkt wieder aus den Händen. Aber die DRVer kämpften sich zurück ins Spiel, sahen sich aber weiter dem Druck der russischen Bären ausgesetzt. Die aber machten auch immer wieder leichte Fehler, und in der 59. Minute nutzte der eingewechselte Marcel Coetzee das endlich auch aus. Nach einem Sprint über rechts über fast das gesamte Feld legte er den ersten deutschen Versuch, den Hilsenbeck allerdings nicht erhöhen konnte.

Deutschland hatte weiter Schwierigkeiten, in Ballbesitz zu kommen beziehungsweise ihn länger in den eigenen Händen zu halten. Aber man kam trotzdem noch mal ganz nah ran. Als in der 69. Minute das DRV-Paket nicht vorwärts kam, ging der Ball links raus zu Felix Lammers. Der kickte den Ball nach vorn, hatte Glück, dass er ihn wieder bekam und dann freie Bahn zum zweiten deutschen Versuch hatte. Hilsenbeck erhöhte zum 18:26 aus DRV-Sicht. Jetzt bekam Deutschland plötzlich noch mal Rückenwind. Doch der ebbte ab, als Deutschland im eigenen Gedränge Straftritt gegen sich bekam (79.). Die Adler kamen zwar noch mal an den Ball und warfen sich mit allem rein. Doch die russische Verteidigung hielt stand, bis ein Kick von Klewinghaus ins Aus die Partie beim Stand von 18:26 aus deutscher Sicht beendete.

Punkte:
0:5 (8.) Versuch German Davydov
3:5 (21.) Straftritt Christopher Hilsenbeck
3:12 (29.) Versuch Tagir Gadzhiev & Erhöhung Yurii Kushnarev
6:12 (34.) Straftritt Christopher Hilsenbeck
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6:19 (44.) Versuch Evgenii Matveev & Erhöhung Yurii Kushnarev
6:26 (50.) Versuch Anton Sychev & Erhöhung Yurii Kushnarev
11:26 (59.) Versuch Marcel Coetzee
18:26 (69.) Versuch Felix Lammers & Erhöhung Christopher Hilsenbeck

Aufstellung DRV:
1 Tobias Williams (51. Julius Nostadt) – 2 Kurt Haupt (61. Dasch Barber) – 3 Samy Füchsel (61. Antony Dickinson) – 4 Jörn Schröder (76. Lee Murray) – 5 Eric Marks – 6 Marcel Henn (67. Emil Rupf) – 7 Jaco Otto – 8 Sebastian Ferreira – 9 Tim Menzel (55. Morne Laubscher) – 10 Christopher Hilsenbeck – 11 Felix Lammers (77. Samuel J. Harris) – 12 Eden Syme – 13 Wynston Cameron-Dow – 14 Nikolai Klewinghaus – 15 Hagen Schulte (49. Marcel Coetzee)

Aufstellung Russland:
1 Andrei Polivalov (67. Evgeny Mishechkin) – 2 Evgenii Matveev (56. Stanislav Selskii) – 3 Innokentiy Zykov (56. Vladimir Podrezov) – 4 Bogdan Fedotko – 5 Andrei Garbuzov (56. Alexander Ilin) – 6 Anton Sychev (61. Vitaly Zhivatov)– 7 Tagir Gadzhiev – 8 Nikita Vavilin – 9 Vasilii Dorofeev (57. Dmitrii Perov) – 10 Yurii Kushnarev (70. Sergei Ianiushkin) – 11 Mikhail Babaev – 12 Dmitrii Gerasimov – 13 Vladimir Ostroushko – 14 German Davydov (35. Kirill Golosnitskii) – 15 Vasily Artemyev

Zuschauer: 1.800 – Schiedsrichter: Ludovic Cayre, Mathieu Noirot, Nicolas Datas (FRA)