Der SC Frankfurt 1880 ist in der U18 Deutscher Meister 2019 geworden. Die Frankfurter setzten sich im Endrundenturnier am letzten Maiwochenende souverän durch und krönten damit eine erfolgreiche Saison. Doch auch die anderen drei Teilnehmer  Victoria Linden, Berliner Rugbyclub und SG TSV Handschuhsheim/ SC Neuenheim (Plätze 2, 3 und 4) lieferten sehr engagiertes und ansehnliches Rugby ab.

Acht Mannschaften hatten sich für die Endrunde in Hannover qualifiziert, nur vier traten an. Einerseits fanden das einige Beobachter bedauerlich, andererseits ermöglichte es aber einen klaren Turniermodus mit zwei Halbfinals am Samstag und zwei Finals am Sonntag. Alle Spiele gingen über die volle Distanz von 2×35 Minuten. So kam das Schiri-Team auch mit zwei Schieds- und zwei Linienrichtern sowie dem CMO aus.

Halbfinale: Victoria – SG TSV/SCN 36:15
Das Turnier startete am Samstagnachmittag mit dem ersten Halbfinale Victoria Linden gegen SG TSV/SCN. Erster der Nord/Ost-Staffel gegen Zweiter Süd/West also, praktisch wie bei den Herren. Victoria begann fulminant, die Mannschaft hatte sich spürbar etwas vorgenommen. Die SG geriet schnell unter Druck und wirkte davon ein wenig überrascht. Als dann noch einer ihrer stärksten Stürmer wegen einer Kopfverletzung sicherheitshalber vom Schiri für das Spiel auf die Bank gesetzt wurde, taten sich die Heidelberger noch schwerer, zumal sie im Durchschnitt ohnehin körperliche Nachteile gegenüber dem Gegner hatten. Dennoch berappelte sich die SG und konterte die massiven Angriffe Victorias mit einigen schön herausgespielten Gegenstößen, sodass sie das Spiel trotz eines Halbzeitrückstands von 10:24 bis weit in die zweite Halbzeit hinein offen halten konnte. Doch Victoria blieb das stärkere Team, machte weniger Fehler und gewann die Partie am Ende überzeugend mit 36:15.

Bis zum Schlusspfiff hatten noch zwei weitere kopfverletzte Spieler das Feld verlassen müssen, je einer auf jeder Seite. Die seit dieser Saison gültige, strengere Auslegung dieser Vorsichtsregel führte nach dem Spiel zu Diskussionen. Dabei wurde deutlich, dass über die genaue Verfahrensweise bei solchen Turnieren noch einmal nachgedacht werden muss. Glücklicherweise war in Hannover der DRV-Mannschaftsarzt Colin Grzanna vor Ort, mit dessen Hilfe und Expertise die insgesamt fünf Fälle des ersten Tages nachvollziehbar bewertet werden konnten; drei der fünf Spieler konnten am Sonntag wieder antreten.

Halbfinale: SC Frankfurt 1880 – Berliner RC 50:14
Das zweite Halbfinale – 1. Süd/West gegen 2. Nord/Ost – brachte eine Neuauflage eines  „Klassikers“. SC Frankfurt 1880 gegen Berliner RC, so lauteten einige Jugend-Finalpaarungen der vergangenen Jahre. 2018 hatten die Berliner die Nase vorn, und die Frankfurter waren auf Revanche aus. Mit guten Voraussetzungen: Als einziges Team im ganzen Turnier hatte der SC 1880 eine reine U18-Mannschaft aufgestellt, während die Berliner wie die beiden anderen Clubs auf U16-Verstärkung angewiesen waren. Mit dem Ankick entfaltete sich das gewohnte Bild – die Berliner setzten voll auf ihre Sturmstärke, die Frankfurter waren in den Mitteln variabler. Und offensichtlich hatten sie in den vergangenen Monaten sehr an ihrer Defensive gearbeitet und leisteten mit vielen gut getimeten Tacklings effektiven Widerstand gegen die Berliner Pick&Go-Walze. War der SC 1880 dann einmal in Ballbesitz, wurde es für den BRC brandgefährlich. Zumal auch Frankfurt – neben der gewohnt schnellen und ballsicheren Reihe – das Sturmspiel neu für sich entdeckt hatte und ein ums andere Mal durchbrechen konnte, mal außen, mal innen. So rieben sich einige Zuschauer verwundert die Augen, als sie zur Halbzeit auf die Anzeigetafel schauten: 33:0 für Frankfurt. In der zweiten Halbzeit wurde beim SC 1880 durchgewechselt, dennoch blieb er stärker und zog mit 50:14 ins Finale ein.

Spiel um Platz 3: BRC – SG TSV/SCN 24:10
Wer geglaubt hatte, dass der BRC oder die Heidelberger Spielgemeinschaft im Halbfinale einen Motivations-Knacks bekommen hätten, wurde am Sonntagvormittag positiv überrascht. Von der ersten Minute an gingen beide Mannschaften mit vollem Einsatz in das Spiel um den dritten Platz –  Medaillen wollte man dann schon mit nach Hause nehmen. Die SG TSV/SCN erwischte den besseren Start und setzte die Berliner mit flüssigen Kombinationen immer wieder unter Druck. Doch deren physische Verteidigung hielt stand, die Heidelberger fanden einfach nicht die letzte Lücke. Auf der Gegenseite ein anderes Bild:  Im Berliner Angriffsspiel wurde der Ball wie so oft mehr getragen als gepasst, aber wie so oft war genau das das passende Erfolgsrezept und zwei Durchbrüche der starken Stürmer führten zum Halbzeitstand vom 12:0. In der zweiten Halbzeit, bei nachlassenden Kräften, häuften sich die Handlingfehler, aber auch die Lücken in den Verteidigungslinien. Die Berliner Führung geriet noch einmal kurz in Gefahr, als die SG ihren ersten Versuch erzielte; die Antwort des BRC folgte aber auf dem Fuße, und nach je einem weiteren Versuch auf beiden Seiten pfiff der Schiedsrichter das bis zum Ende sehr intensive Spiel beim Stand von 24:10 ab.

Der BRC hatte mit einem dezimierten, aber von Nationalspielern geprägten Kader von nur noch 16 Spielern Bronze erkämpft. Der SG TSN/SCN blieb trotz ihrer schön anzusehenden Spielweise nur der undankbare vierte Platz, wobei die körperlichen Nachteile in beiden Partien eine wichtige Rolle spielten.

Finale: SC Frankfurt 1880 – Victoria Linden 53:0
Vor dem letzten Spiel kam dann noch einmal richtige Meisterschafts-Atmosphäre auf. Die beiden Finalisten  liefen gemeinsam ein und stellten sich für die Nationalhymne auf, die Zuschauer zollten ihnen ihren Tribut. Wie die ersten drei Partien des Wochenendes bot ihnen dann auch das Endspiel großartigen Einsatz und viele intensive Szenen. An Spannung ließ es aber zu wünschen übrig. Zwar gehörten die ersten drei Minuten dem Gastgeber – Victoria Linden kam bis dicht ans Frankfurter Malfeld heran und hätte den Favoriten fast mit einem schnellen Gegenversuch überrascht. Doch ebenso schnell hatte sich die Defensive des SC 1880 berappelt und machte von da an die meisten Angriffsversuche der Hannoveraner frühzeitig zunichte. Umgekehrt gelang den Frankfurtern sehr viel, sowohl im Sturm als auch in der Hintermannschaft ging von fast jedem 1880er Spieler Gefahr aus. Die Versuche fielen im 5-Minuten-Takt, nur Anfang der zweiten Hälfte bäumte sich Victoria noch einmal erfolgreich auf. Die Moral der Hannoveraner stimmte zwar bis zur letzten Minute, dennoch stand es am Ende 53:0 aus Sicht der Frankfurter.

Fazit
Dank des klaren Turniermodus haben wir vier Spiele gesehen, in denen es um alles ging und in denen die Teams alles abrufen mussten. Der SC Frankfurt 1880 ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden, wobei die breite Qualität des Kaders und das taktisch reife, dynamische und fast fehlerfreie Spiel den Ausschlag gaben. Ich danke den Teilnehmern für ihren Einsatz und ihr ausgesprochen faires Verhalten über das ganze Turnier hinweg, dem Ausrichter Victoria Linden und insbesondere Oliver Gust für die gute Vorbereitung und den reibungslosen Ablauf sowie dem von Ralf Tietge geführten Schiedsrichterteam (Boylan, Läufer, Winkler, Kumm) für seine souveräne  Leistung. Das strengere Handling von Kopfverletzungen sollte vor künftigen Turnieren klarer geregelt werden, aber grundsätzlich ist diese Entwicklung zum langfristigen Wohle der Spieler sehr begrüßenswert.

(Bericht von Turnierleiter Tilo Barz)