Die Rugbymänner des SC Frankfurt 1880 haben zum siebenten Mal und erstmals seit zehn Jahren die Deutsche Meisterschaft im 15er-Rugby gewonnen. Im Bundesliga-Finale setzten sich die Hessen an der heimischen Feldgerichtstraße insgesamt verdient mit 22:12 (22:0) gegen den TSV Handschuhsheim durch. (Foto: Jürgen Kessler)

Frankfurts Meister-Kapitän Hassan Rayan: „Wir konnten im ersten Durchgang unseren Spielplan gut durchbringen, haben den TSV in deren Hälfte gezwungen und sind eigentlich immer mit Punkten rausgegangen. Auch defensiv haben wir nichts zugelassen. Dann ist der Gegner aufgewacht und hat uns unter Druck gesetzt, aber auch da standen wir defensiv gut. Es war eine hervorragende Saison, mir fehlen die Worte dafür. Als ich bei den Ersten Herren angefangen habe, ging es noch gegen den Abstieg. Heute stehen wir hier – ich kann es noch gar nicht richtig fassen.“

Die Frankfurter Gastgeber legten einen Start nach Maß in dieses Finale hin: Mit dem Ankick gelangte man gleich tief in die Handschuhsheimer Hälfte und nutzte nach wenigen Angriffsphasen gleich die erste Chance durch den jungen Hakler Marcel Becker zur frühen Führung, die Nationalmannschaftskicker Raynor Parkinson an seinem 31. Geburtstag sicher zum 7:0 erhöhte (2.). Der TSVH tat sich in der Anfangsphase schwer und hatte zudem Pech, als Marcel Coetzee einen Straftritt zu den Stangen setzte. Aus 40 Metern gegen den starken Wind jedoch verzog (6.).

In der Folge allerdings bestimmte Frankfurt das Geschehen deutlich mit taktisch diszipliniertem Spiel und wirkungsvollen Stürmern beinahe nach Belieben. Parkinson, der kurz zuvor mit dem Versuch eines Drop Goals gescheitert war, machte es in der 12. Minute besser als Gegenüber Coetzee und verwandelte einen Straftritt aus rund 24 Metern sicher zum 10:0. Handschuhsheim hatte im ersten Durchgang merklich Probleme, überhaupt in die Nähe des gegnerischen Malfelds zu kommen. Und wenn man mal dort war, wie in der 19. Minute nach einem sehenswerten Coetzee-Vorstoß, dann gab man den Ball allzu leicht aus der Hand.

In Unterzahl nach einer Gelben Karte gegen Eden Syme (20.) kassierte Handschuhsheim den nächsten Versuch. Den ersten Ansturm konnten die Löwen aus dem Heidelberger Norden noch abwehren, aber in der 23. Minute erhöhte SC-Urgestein Mark Sztyndera bereits auf 15:0. Diesmal geriet Parkinsons Erhöhungskick einen Tick zu kurz. Während die 1880er deutlich mehr Ballbesitz hatte und damit auch ständig für Druck und Gefahr sorgte, lief für den TSVH noch nicht viel zusammen. Die Gäste hatten bis dahin keine Antwort auf den Frankfurter Gameplan und ließen dazu auch noch die wenigen Chancen aus. Symptomatisch: Coetzee vergab auch den zweiten Straftritt, der Ball klatschte nur an die Stange (27.). Stattdessen legte Frankfurt vor der Pause noch einen weiteren erhöhten Versuch nach. Samy Füchsel mit dem vierten Versuch und Kicker Parkinson stellten auf 22:0 zur Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel kam Handschuhsheim etwas besser ins Spiel, doch auch darauf hatte der SC 1880 eine Antwort parat und blieb weiter das Team, dass das Geschehen auf dem Platz kontrollierte. Doch die Gäste wirkten jetzt insgesamt gefährlicher. In der 52. Minute war es wieder ein guter Lauf von Nationalspieler Marcel Coetzee, der den TSVH in eine gute Position brachte. Und am Ende dieser Angriffsphase war es Jaco Otto, der sich mit dem Ball für den TSV erstmals ins Malfeld warf. Coetzee brachte sein Team per Erhöhungskick auf 7:22 heran.

Das brachte den Gästen frischen Wind. Man agierte jetzt mit etwas mehr Risiko, hatte aber auch Glück, dass Frankfurts Raynor Parkinson in der 56. Minute einen Straftritt verzog. Frankfurt hatte zwar weiter mehr Ballbesitz, konnte jetzt aber nichts Zählbares mehr nachlegen. Hingegen die Handschuhsheimer Löwen schienen sich jetzt das Momentum in diesem Finale zu erarbeiten. Jaco Otto war es, der in der 66. Minute nach einigen Pick-&-Go-Phasen mit dem zweiten TSVH-Versuch wieder für mehr Spannung sorgte.

Die Gäste blieben im Vorwärtsgang, ließen aber erneut Punkte liegen, als Coetzee einen weiteren Straftritt nicht durch die Stangen kicken konnte (73.). Und so brachte Frankfurt, das zwar in der Schlussphase defensiv noch hart arbeiten musste, den verdienten Sieg letztlich routiniert über die Zeit.

Der Titelgewinn ist praktisch der Höhepunkt der Frankfurter Festwochen, denn in dieser Saison hatte der Club zuvor auch alle vier nationalen Jugend-Meistertitel gewonnen.

Punkte:
7:0 (2.) Versuch Marcel Becker & Erhöhung Raynor Parkinson
10:0 (12.) Straftritt Raynor Parkinson
15:0 (23.) Versuch Mark Sztyndera
22:0 (34.) Versuch Samy Füchsel & Erhöhung Raynor Parkinson
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22:7 (53.) Versuch Jacobus Otto & Erhöhung Marcel Coetzee
22:12 (66.) Versuch Jacobus Otto

Gelbe Karte: Eden Syme (TSVH, 20.)
Zuschauer: 2000
Schiedsrichter: Killian O’Brian