Die deutsche 15er-Rugbynationalmannschaft hat auch das Rückspiel im Qualifikationsplayoff um einen Startplatz beim Rugby World Cup 2019 verloren. Im Heidelberger Fritz-Grunebaum-Sportpark unterlag das Team der Nationaltrainer Pablo Lemoine und Kobus Potgieter den hoch favorisierten Samoanern mit 28:42 (15:14). Dabei lieferte man dem Gegner über weite Strecken der Partie ein Spiel auf Augenhöhe und schnupperte lange an der Rugby-Sensation. Während Samoa damit zum achten Mal an dem Rugby-Weltturnier teilnimmt, bekommt Deutschland noch eine Chance, sich den Traum von der erstmaligen WM-Qualifikation zu erfüllen. Vom 11. bis zum 23. November geht es im Stade Delort von Marseille (FRA) im so genannten Repechage-Turnier um den allerletzten WM-Startplatz. Gegner des deutschen Teams werden dort Kanada, Hongkong sowie der Zweitplatzierte des noch laufenden Africa Gold Cups sein. (Foto: Jürgen Keßler)

„Wir haben vor dem Spiel gesagt, dass wir hier unser Potenzial zeigen wollen, und wir haben uns auch in vielen Dingen verbessert“, sagte Nationaltrainer Pablo Lemoine, der sichtlich zufriedener war als noch nach dem Hinspiel. „Wir haben gegen ein Team wie Samoa 80 Minuten lang eine hohe Intensität gezeigt, und wir haben unsere individuelle Verteidigung verbessert. Das war sicher er Schlüssel in diesem Spiel heute. Jetzt machen wir erstmal ein wenig Pause und werden uns dann intensiv auf den November vorbereiten. Wir haben gesehen, wo wir uns auf diesem Niveau verbessern müssen, um uns für die WM zu qualifizieren.“

Co-Kapitän Julius Nostadt: „Wir haben uns auf die Bereiche wie das Paket und die Gasse fokussiert, wo wir schon in Apia gesehen haben, dass das funktionieren kann. Der Nachteil gegenüber Samoa ist eher physischer denn technischer Natur. Tempo und Physis sind bei Samoa eine andere. Ich denke, die Chance ist groß, uns für die WM zu qualifizieren. So weit wie jetzt waren wir noch nie.“

Auch Samoas Trainer Fuimaono Titimaea Tafua zollte dem deutschen Team Respekt: „Ich war nicht unzufrieden mit der Leistung meines Teams, aber Deutschland hat heute ein sehr gutes Spiel gemacht, hat großen Druck ausgeübt. Gratulation dazu. Ich ziehe meinen Hut vor der deutschen Mannschaft und hoffe, dass wir uns vielleicht bei der WM wieder sehen werden.“

Die Partie begann denkbar ungünstig, denn nach nicht einmal 30 Sekunden war Ed Fidow schon zum ersten Mal im deutschen Malfeld. Samoa hatte den Ankick erobert, versuchte es dann mit einem flachen Kick, den Fidow erlief. Auch die Erhöhung von Ah See Tuala paste. Deutschland ging mit einem 0:7-Rückstand in die Partie. Doch das schien das deutsche Team nicht nachhaltig zu beeindrucken. Man arbeitete sich in die Nähe des samoanischen Malfelds, brauchte auf der linken Seite allerdings ein paar Pick-and-Gos, ehe Jaco Otto den Ball über die Linie legen konnte. Raynor Parkinson erhöhte von außen zum 7:7 (8.). Die deutsche Auswahl hielt in dieser Phase gut dagegen. Die Tackles saßen, man befreite sich mit guten Kicks und kam selbst das eine oder andere Mal in die Offensive. Und so machte Sebastian Ferreira ein paar Meter im Mittelfeld, der Ball kam durch Jaco Otto in der 17. Minute auf Samy Füchsel, der links ins Malfeld tauchte. Diesmal verfehlte Parkinson die Erhöhung. Samoa hingegen schien überrascht, kam nicht richtig ins Rollen, wie man es aus dem Hinspiel kannte. Die DRV-Mannen sahen in der 23. Minute die nächste Chance auf Punkte, als es einen Straftritt gab, den man zu den Stangen setzte. Die Länge des Parkinson-Kicks passte, aber er war einen Tick zu weit links. Es war eine Partie auf Augenhöhe, und Deutschland witterte Morgenluft: Straftritt in der 29. Minute, den die DRV XV nicht zu den Stangen setzte, sondern zur Gasse kickte. In guter Position verlor man jedoch den Ball. Es war mittlerweile auch eine nickelige Partie, die Spieler mussten mitunter ordentlich einstecken. Auf samoanischer Seite musste Melani Matavao behandelt werden, auf deutscher musste Raynor Parkinson früh ausgewechselt werden (28.). Der flinke Matavao allerdings war es dann, der in der 35. Minute die Führung mit einem erhöhten Versuch wieder für Samoa zurückholte. Doch das deutsche Team belohnte sich für eine überragende Leistung im ersten Durchgang: In der 40. Minute gab es noch ein mal Straftritt für den DRV. Diesmal versuchte sich Christopher Hilsenbeck aus machbarer Position – und verwandelte sicher zur mehr als überraschenden 15:14-Pausenführung.

Samoa kam mit enormem Druck aus der Pause, drängte sofort auf das deutsche Malfeld. Das deutsche Team konnte da weder im Gedränge noch im Tackling dagegenhalten. Mit Vorteil spielte Samoa das aus, und Melani Matavao tänzelte durch die Abwehr und legte den Versuch, den Ah See Tuala wieder erhöhte (46.). Aber wieder hatte Deutschland prompt eine Antwort: Schnall nach vorne gekommen, aus dem Ruck kommt der Ball zu Jarrid Els, der die Lücke für den Versuch sah und nutzte. Hilsenbeck erhöhte, und Deutschland lag wiederum vorn – 22:21 (49.). Samoa fand weiter kein richtiges Mittel gegen eine gut eingestellte deutsche Defensive, und Deutschland kam immer wieder in gute Position, ohne jedoch Kapital daraus schlagen zu können. Die Teams wechselten bei drückenden Temperaturen durch, was den Spielfluss merklich bremste. Aber die Uhr lief für das deutsche Team, die nach wie vor auf Augenhöhe agierten. Und weil man in dieser Phase keinen Weg ins Malfeld fand, versuchte man es erneut mit einem Straftritt (64.). Wieder traf Christopher Hilsenbeck und erhöhte damit auf 25:21 für Deutschland. Und nur zwei Minuten später erneut die Chance per Straftritt: Diesmal trat Marcel Coetzee an – und auch er traf. Doch Samoa gab sich natürlich nicht geschlagen. Mit schnellen Pässen spielte man auf der linken Seite Ah See Tuala frei, der unbedrängt zum Versuch kam, den er selbst erhöhte (69.). In der 72. Minute bot sich erneut die Chance zur Führung, aber der sehr lange Straftritt von Coetzee geriet einen Tick zu kurz. Es blieb also unglaublich spannend in Heidelberg. Samoa aber schob ein starkes Paket an, machte dann das Spiel weit und kam in der rechten Ecke zum Versuch durch Ed Fidow – erhöht von Ah See Tuala (75.). Das DRV-Team kam nochmal in gute Position, bekam ein Gedränge in der gegnerischen 22-Meter-Zone nach einem samoanischen Vorball. Doch Samoa dominierte in dieser Situation, kam schnell über das Feld und auf der rechten Seite durch Ah See Tuala zum entscheidenden erhöhten Versuch (80.) – der Schlusspunkt hinter einer Partie, die so sicher kaum jemand erwartet hatte.

Punkte:
0:7 (1.)            Versuch Ed Fidow & Erhöhung Ah See Tuala
7:7 (8.)            Versuch Jaco Otto & Erhöhung Raynor Parkinson
12:7 (17.)        Versuch Samy Füchsel
12:14 (35.)      Versuch Melani Matavao & Erhöhung Ah See Tuala
15:14 (40.)      Straftritt Christopher Hilsenbeck
—————–
15:21 (46.)      Versuch Melani Matavao & Erhöhung Ah See Tuala
22:21 (49.)      Versuch Jarrid Els & Erhöhung Christopher Hilsenbeck
25:21 (64.)      Straftritt Christopher Hilsenbeck
28:21 (66.)      Straftritt Marcel Coetzee
28:28 (69.)      Versuch & Erhöhung Ah See Tuala
28:35 (75.)      Versuch Ed Fidow & Erhöhung Ah See Tuala
28:42 (80.)      Versuch & Erhöhung Ah See Tuala

Aufstellung DRV:
1 Julius Nostadt (47. Jörn Schröder) – 2 Mark Fairhurst (60. Mika Tyumenev) – 3 Samy Füchsel (54. Mathias Schösser) – 4 Eric Marks (70. Luke Dyckhoff) – 5 Timo Vollenkemper – 6 Sebastian Ferreira (60. Marcel Henn) – 7 Jaco Otto – 8 Jarrid Els – 9 Sean Armstrong – 10 Hagen Schulte (67. Tim Menzel) – 11 Marcel Coetzee (76. Florian Wehrspann) – 12 Raynor Parkinson (28. Nikolai Klewinghaus) – 13 Mathieu Ducau – 14 Rafael Pyrasch – 15 Christopher Hilsenbeck

Startaufstellung Samoa:
1 Logovii Mulipola – 2 Motu Matu’u – 3 Paul Alo-Emile – 4 Joe Tekori – 5 Brandon Nansen – 6 Tupa’i Chris Vui – 7 Jack Lam – 8 Ofisa Treviranus – 9 Melani Matavao – 10 Patrick Fa’apale – 11 Sinoti Sinoti – 12 Lemalu Tusi Pisi – 13 Paul Perez – 14 Ed Fidow – 15 Ah See Tuala

16 Seilala Lam – 17 Jordan Lay – 18 Viliamu Afatia – 19 Mat Luamanu – 20 TJ Ioane – 21 Ionatana Tino – 22 Rodney Iona – 23 Alofa Alofa

Schiedsrichter: Matthew Carley, Craig Maxwell-Keys, Ian Tempest (ENG)
Zuschauer: 3.046