Die deutsche 15er-Rugbynationalmannschaft musste sich in der samoanischen Hauptstadt Apia im Hinspiel des Rugby World Cup Qualification Playoffs gegen Samoa den hoch favorisierten Pazifik-Insulanern mit 15:66 (3:35) letztlich klar geschlagen geben, präsentierte sich allerdings im Apia Park gegen eine mit Profis aus England, Frankreich und Schottland gespickte Manu Samoa durchaus respektabel. Immerhin zwei Versuche von Jaco Otto sowie insgesamt fünf Kicking Points von Raynor Parkinson standen am Ende für die DRV XV zu Buche. Das Rückspiel findet am 14. Juli in Heidelberg statt. (Archivfoto: Jürgen Keßler)

Die Coaches sahen naturgemäß eher die Sachen, die aus ihrer Sicht nicht gut gelaufen sind: „Eigentlich war es keine so gute Leistung von uns“, konstatierte Kobus Potgieter. „Wir haben zu viele Fehler gemacht und unsere Chancen nicht nutzen können. Wir konnten unser Spielsystem nicht durchgehend umsetzen. Wenn uns das gelang, konnten wir Samoa auch unter Druck setzen. Am Ende aber spricht der Spielstand für sich. Jetzt müssen wir das Spiel analysieren und uns darauf fokussieren, im Rückspiel eine bessere Performance abzuliefern.“

Kapitän Julius Nostadt: „Wir wussten, dass es sehr schwer werden würde, und das war es auch. Die Einstellung war sehr gut, aber wir haben sicher noch an vielen Dingen zu arbeiten bis zum Rückspiel in zwei Wochen.“

Manu Samoa ging sofort mit Druck nach vorn, doch Deutschland konnte die ersten wuchtigen Vorstöße abwettern und kam nach einem starken Kick von Christopher Hilsenbeck nach drei Minuten selbst erstmals in die Nähe des samoanischen Malfelds, wo man allerdings die Gasse verlor. Nach einem Fehlpass war Raynor Parkinson beinahe durch, doch der deutsche Kicker konnte das Zuspiel nicht unter Kontrolle bringen (5.). Deutschland verteidigte mit großem Engagement gegen körperlich merklich überlegene Samoaner. Doch in der 9. Minute musste man den ersten Versuch hinnehmen. Melani Matavao hatte vom Gedränge weg den Durchbruch geschafft und den Ball nahe ans deutsche Malfeld getragen, und kurz darauf war es Alapati Leiua, der ihn über die Mallinie brachte. Der nächste deutsche Angriff brachte einen Straftritt, mit dem Raynor Parkinson die ersten Punkte für den DRV aufs Scoreboard brachte. Doch die Freude währte nicht allzu lang, denn direkt in der nächsten Szene lief Samoa einen schnellen Angriff über die linke Seite, passte die Abwehr gut aus, und Melani Matavao vollendete zum zweiten Versuch, der wie der erste von Ah See Tuala erhöht wurde (12.).

Deutschland wiederum schnupperte seinerseits im nächsten Angriff am ersten Versuch, brachte den Ball allerdings nicht an den Boden. Es gab Gedränge, dass die Deutschen zwar gewannen, aber Parkinson verlor danach im Kontakt den Ball und Samoa klärte die Situation (15.). Samoa setzte sich in der Folge in der deutschen 22-Meter-Zone fest, und in der 23. Minute konnte die DRV XV dem Druck nicht mehr standhalten. Matavao fand vor der Mallinie noch Jack Lam, der den dritten erhöhten Versuch für den Favoriten verbuchte. Deutschland erneut im Vorwärtsgang, hatte allerdings Probleme mit den hart zupackenden samoanischen Verteidigern, die den Ball im Counterruck eroberten (26.). In dieser Szene verletzte sich zudem Sean Armstrong, der zunächst von Tim Menzel ersetzt wurde (27.). Armstrong kam später aber zurück aufs Feld. Und eine Minute später wurde der rein physische Unterschied deutlich, als Samoas Angreifer die deutschen Verteidiger förmlich umwarf. Ed Fidow war es schlussendlich, der über rechts durchbrach und bis unter die Stangel lief (28.). Jetzt war Samoa am Drücker, und Deutschland konnte den quirligen Melani Matavao im nächsten Angriff gerade noch stoppen. Doch man konnte sich in dieser Phase nicht richtig befreien. Paul Perez erlief den Ball in der 34. Minute nach einem Ground Kick im deutschen Malfeld, brachte ihn da aber nicht unter Kontrolle. Das Spiel blieb allerdings nahe des deutschen Malfelds, und erneut Ed Fidow war es, der nach einem gewonnenen Gasseeinwurf die Lücke fand und rechts zum Versuch ablegte (36.). Wieder erhöhte Ah See Tuala sicher zur klaren 35:3-Führung. Die DRV-Männer kamen noch mal gut nach vorn, doch Jaco Otto verlor den Ball nach einem Zuspiel von Christopher Hilsenbeck im Kontakt (40.). Doch man blieb nach einem Gedränge in Ballbesitz und Marcel Coetzee schien auf der rechten Seite auf dem Weg ins Malfeld, doch er wollte den Ball noch einmal an den Mann bringen, fand aber nur einen Samoaner, der ihn zur Halbzeit ins Aus kickte.

Samoa war auch zu Beginn des zweiten Durchgangs kaum vom Ball zu trennen. Immerhin machte das deutsche Paket in der 42. Minute mal ein paar Meter, doch es gab einen Regelverstoß und Gedränge für Samoa. Daraus entstand wieder ein schneller und gefährlicher Angriff. Fidow wollte sich den Ball rechts per Kick selbst vorlegen, kickte ihn aber knapp ins Aus. Samoa war weiter kam zu greifen. Sean Armstrong stoppte in der 47. Minute gerade noch den beinahe entwischten Matavao. Nach einem starken Gedränge und einem gewonnenen Gasseeinwurf lag der nächste samoanische Versuch in der Luft. Deutschland hielt engagiert dagegen, bekam aber eine Strafe gegen sich. Im 5-Meter-Gedränge konnte die DRV-Auswahl erneut nicht standhalten und bekam einen Strafversuch gegen sich (51.). Deutschland danach mal wieder gut im Vorwärtsgang, doch ein Pass von Hilsenbeck auf Steffen Liebig ging knapp nach vorn und der Ball so wieder verloren (53.).

Samoa bestimmte das Geschehen auf dem Platz weiter klar, auch wenn das DRV-Team einige Nadelstiche setzen konnte, die aber nichts Zählbares einbrachten. Doch in der 58. Minute belohnte man sich für die Mühen. Jaco Otto fand die Lücke, schüttelte noch zwei Verteidiger ab und tauchte zum ersten deutschen Versuch an der rechten Fahne ins Malfeld (58.). Der schwierige Erhöhungskick von der Außenlinie misslang allerdings. Doch Manu Samoa hatte umgehend die passende Antwort. Die Gastgeber kamen wieder ins Laufen, Patrick Fa’apale fand mit dem letzten Pass Melani Matavao, der seine zweiten Versuch des Tages legte (61.). Fa’apale erhöhte sicher.

Nach einigen Wechseln auf beiden Seiten und einer kurzen Behandlungspause wegen einer Verletzung von Jaco Otto war es eben der, der nach sieben Phasen am samoanischen Malfeld zum zweiten Versuch für den DRV über die Linie geschoben wurde (66.). Diesmal erhöhte Parkinson aus besserer Position sicher. Doch wieder antwortete Samoa scheinbar mit einem Versuch. Seilala Lam warf sich ins Malfeld, doch der Videoschiedsrichter erkannte den Versuch nicht an, weil Lam den Ball nicht mehr unter Kontrolle hatte (70.). Doch Samoa blieb am Drücker und am deutschen Malfeld, und nur eine Minute später lief Joe Tekori ein. Patrick Fa’apale erhöhte auf 56:15. Nach einem Ballgewinn tief in der eigenen Hälfte brach Alofa Alofa durch und bediente Paul Perez, der ungehindert einlief (73.). Der Schiedsrichter ließ die Szene rund um den Ballgewinn noch einmal per Video überprüfen, gab den Versuch aber. Und auch die nächste Szene musste überprüft werden, doch Ed Fidow war regelkonform an der rechten Eckfahne zu seinem dritten Versuch ins Malfeld getaucht (80.) – die letzte Aktion des Spiels.

Punkte:
7:0 (9.) Versuch Alapati Leiua & Erhöhung Ah See Tuala
7:3 (11.) Straftritt Raynor Parkinson
14:3 (12.) Versuch Melani Matavao & Erhöhung Ah See Tuala
21:3 (23.) Versuch Jack Lam & Erhöhung Ah See Tuala
28:3 (28.) Versuch Ed Fidow & Erhöhung Ah See Tuala
35:3 (36.) Versuch Ed Fidow & Erhöhung Ah See Tuala
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42:3 (51.) Strafversuch Samoa
42:8 (58.) Versuch Jaco Otto
49:8 (61.) Versuch Melani Matavao & Erhöhung Patrick Fa’apale
49:15 (66.) Versuch Jaco Otto & Erhöhung Raynor Parkinson
56:15 (71.) Versuch Joe Tekori & Erhöhung Patrick Fa’apale
61:15 (73.) Versuch Paul Perez
66:15 (80.) Versuch Ed Fidow

Aufstellung DRV:
1 Julius Nostadt (63. Mark Fairhurst) – 2 Mika Tyumenev (63. Jörn Schröder) – 3 Samy Füchsel (63. Antony Dickinson) – 4 Timo Vollenkemper – 5 Eric Marks – 6 Marcel Henn (53. Jarrid Els) – 7 Jaco Otto – 8 Sebastian Ferreira (76. Falk Duwe) – 9 Sean Armstrong (27./76. Tim Menzel) – 10 Christopher Hilsenbeck – 11 Nikolai Klewinghaus (68. Pierre Mathurin) – 12 Raynor Parkinson – 13 Steffen Liebig (70. Pascal Fischer) – 14 Marcel Coetzee – 15 Maxime Oltmann

Startaufstellung Samoa:
1 Logovii Mulipola – 2 Motu Matu’u – 3 Paul Alo-Emile – 4 Josh Tyrell – 5 Chris Vui (C) – 6 Piula Fa’asalele – 7 Jack Lam – 8 Ofisa Treviranus – 9 Melani Matavao – 10 Tusi Pisi – 11 Sinoti Sinoti – 12 Alapati Leiua – 13 Paul Perez – 14 Ed Fidow – 15 Ah See Tuala

16 Seilala Lam – 17 Jordan Lay – 18 Viliamu Afatia – 19 Joe Tekori – 20 TJ Ioane – 21 Dwayne Polataivao – 22 Patrick Fa’apale – 23 Alofa Alofa

Schiedsrichter: Mike Fraser (NZL)