Bei den internationalen Rugby-Verbänden Rugby Europe und World Rugby sind in den vergangenen Tagen einige Fragezeichen aufgepoppt. Offenbar gab es bei den 15er-Nationalteams aus Rumänien, Belgien und Spanien einige Unregelmäßigkeiten mit Spielberechtigungen im Rahmen der Spiele in der Rugby Europe International Championship. Alle drei Nationen hatten in der gerade beendeten Saison 2018 Spieler eingesetzt, die anscheinend nicht spielberechtigt waren. Nun prüfen die Verbände den Sachverhalt. Unter Umständen drohen sportrechtliche Konsequenzen, die auch Auswirkungen auf das deutsche Rugby haben könnten.

Die Belgier hatten einen französisch-stämmigen Spieler eingesetzt, der eine belgische Urgroßmutter vorweisen kann. In der „Regulation 8“ des Weltverbandes ist allerdings festgelegt, dass Eltern oder Großeltern die Staatsangehörigkeit haben oder zumindest auf dem Hoheitsgebiet – in diesem Fall Belgiens – geboren sein müssen. Die Rumänen setzten einen Spieler ein, der in der Vergangenheit bereits das tongaische Nationaltrikot übergestreift hatte, und auch bei den Spaniern stellt sich wohl die Frage, ob sich mehrere Spieler mit Einsätzen für den französischen Verband in früheren Jahren nicht bereits für eine andere Nationalmannschaft disqualifiziert hätten.

Fest steht, dass die internationalen Verbände sich dieser öffentlichen Fragestellung nun annehmen und den Vorwürfen nachgehen. Im schlimmsten Fall für die betroffenen Nationen werden die Ergebnisse dieser Saison geändert werden müssen, was erhebliche Auswirkungen auf das Klassement und damit die WM-Qualifikation haben könnte.

Auch beim Deutschen Rugby-Verband beobachtet man die Vorgänge mit gesteigertem Interesse, denn sollte es zu Ausschlüssen, Punktabzügen oder ähnlichem kommen, könnte ein Relegationsspiel um den Klassenerhalt in der Rugby Europe International Championship für die deutschen 15er-Männer nicht mehr notwendig sein. Daraus allerdings ergibt sich auch ein Problem: Denn diese „Hängepartie“ bremst die Organisatoren auf der Suche nach einem Spielort und dem Start des Kartenvorverkaufs aus. Unter Umständen müsste für das Relegationsspiel gegen Portugal kurzfristig über einen Spielort entschieden werden.

Sportliche Vorbereitung beim deutschen Team geht weiter

Ungeachtet der sportrechtlichen Vorgänge bei Rugby Europe und World Rugby und der womöglich ausstehenden Konsequenzen, bereitet sich der Kader der deutschen 15er-Rugbynationalmannschaft der Männer auf ein Relegationsspiel gegen Portugal, den Sieger der Rugby Europe Trophy, vor.

Dafür hat der Trainerstab um Pablo Lemoine und Paul Healy einen Lehrgang für die in Deutschland lebenden Spieler angesetzt, der vom 15. bis zum 18. April in Heidelberg stattfinden wird. Der Mannschaftskader für das Relegationsspiel und die direkte Vorbereitung ab Montag, den 23. April, wird nach diesem Lehrgang benannt.

Für den Vorbereitungslehrgang sind folgende Spieler nominiert:

RK Heusenstamm: Zinzan Hees
Heidelberger RK: Kehoma Brenner
RG Heidelberg: Florian Wehrspann, Manuel Müller, Paul Pfisterer, Carsten Lang
RC Rottweil: Robert Lehmann
SC Frankfurt 1880: Senzo Ngubane, Jens Listmann, Lukas Deichmann, Elias Haase, Marcel Becker
SC Neuenheim: Paul Weiß, Tomas van Gelderen
TSV Handschuhsheim: Marcus Bender, Christopher Korn, Felix Martel
TV Pforzheim: Oliver Paine, Alexander Liddell, Arthur Zeiler, Samuel Harris
Hannover 78: Pascal Fischer, Jan Piosik
SC Germania List: Daniel Koch, Stefan Mau
RK 03 Berlin: Falk Duwe

(Foto: Jürgen Keßler)