Mit kleiner Hoffnung auf die ersten Punkte in der laufenden EM-Saison der Rugby Europe Championship 2016 reiste die deutsche Nationalmannschaft nach Sotschi. Konnte DRV-Nationaltrainer Kobus Potgieter doch die nominell stärkste Mannschaft beim Auswärtsspiel beim Tabellendritten in Russland aufbieten. Doch bei Abpfiff im Sotchi Central Stadium steht die DRV XV nach der 20:46-Niederlage (Halbzeitstand: 6:22) noch immer mit leeren Händen und bekleidet mit einem Punkt den sechsten und damit letzten Platz in der Division 1A des European Nations Cups.

Die deutsche Mannschaft geriet in der ersten Halbzeit nach einem soliden Beginn nach 20 Minuten ins Hintertreffen. Besonders in den offenen Gedrängen und in den Gassen dominierten die Russen. So nutzten die Hausherren ihr Gassenspiel, um innerhalb von drei Minuten für drei Versuche in das deutsche Malfeld einzulaufen. Die DRV XV brachte dagegen lediglich sechs Punkte durch zwei von Verbinder Chris Hilsenbeck (US Colomiers) verwandelte Straftritte auf die Anzeigentafel. Für mehr Punkte reichte es im ersten Durchgang nicht, denn die deutsche Auswahl besaß zu wenig Spielanteile und hatte dabei noch Glück, dass die Russen ihre Angriffe teilweise nicht zwingend genug vortrugen.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit dann ein völlig anderes Bild. Die DRV XV zeigte sich stark verbessert und konnte im Anschluss an zwei Gedränge durch Flanker Jaco Otto und #8 Jarrid Els (beide Heidelberger RK) zu zwei Versuchen im russischen Malfeld ablegen. Nach den beiden von Hilsenbeck erfolgreich verwandelten Erhöhungen schien das Momentum bei Stand von 20:27 auf der deutschen Seite zu liegen. Zumal auf russischer Seite zwei Spieler nach gelben Karten für jeweils zehn Minuten an der Seitenlinie Platz nehmen mussten. Doch die DRV XV schlug zu wenig Kapital aus den insgesamt drei gelben Karten gegen die russische Mannschaft. Im Gegenteil: Die in Unterzahl spielenden russischen Bären erstickten die aufkeimenden deutschen Hoffnungen im Keim und zeigten, dass sie nicht nur als Kollektiv agieren, sondern auch über eine hohe individuelle spielerische Klasse verfügen. Dabei zeigten sich besonders in der deutschen Defensive immer stärkere Auflösungserscheinungen, sodass die Hausherren immer wieder zu gefährlichen Durchbrüchen ansetzten. In der Folge hatte die deutsche Verteidigung immer größere Mühe, diesen Angriffswirbel zu unterbinden. Folge: Im weiteren Spielverlauf punkteten ausschließlich die Russen und schraubten das Ergebnis bis zum Abpfiff auf 46:20 nach oben und fuhren einen insgesamt ungefährdeten Sieg ein.

Da auch der Tabellenfünfte Portugal (fünf Punkte) sein zweites Spiel bei Titelverteidiger Georgien mit 3:29 verloren hat, kommt es am 27. Februar in Hannover zum Abstiegsendspiel in der Division 1A. Denn nur bei einem Sieg kann sich die DRV XV noch berechtigte Hoffnungen machen, auch 2017 um die Rugby Europe Championship mitzuspielen.

Kader DRV XV gegen Russland:

1. Arthur Zeiler (41. Minute, Samy Füchsel)
2. Alexander Widiker (72. Minute, Dale Garner)
3. Damien Tussac
4. Michael Poppmeier
5. Benjamin Danso (41. Minute, Rob May)
6. Kehoma Brenner
7. Jaco Otto
8. Jarrid Els
9. Sean Armstrong (C) (50. Minute, Tim Menzel)
10. Chris Hilsenbeck
11. Hendrik van der Merwe
12. Carlos Soteras Merz (45. Minute, Jeremy Te Huia)
13. Clemens von Grumbkow
14. Pascal Fischer
15. Oliver Paine

18. Jörn Schröder
20. Eric Marks
23. Tomas van Gelderen

Punkte DRV XV gegen Russland:
Chris Hilsenbeck (zehn), Jaco Otto, Jarrid Els (jeweils fünf)

(maha)