Das neu formierte deutsche 15er-Rugbynationalteam der Männer ist mit einem klaren 35:15 (25:8)-Sieg gegen die ambitionierten Polen in die Saison in der Rugby Europe Trophy gestartet. Das junge Team um Interimscoach Mark Kuhlmann tat sich auswärts in Lodz zwar phasenweise gegen die wuchtigen polnischen Stürmer schwer, bestimmte aber insgesamt die Partie und gewann am Ende auch in der Höhe verdient. Am 23. November um 14.30 Uhr kommt es beim ersten Heimspiel der Saison in Heidelberg zum Aufeinandertreffen mit den Niederlanden. (Foto. Jürgen Kessler)

„Das war ein guter und auch klarer Auftakt“, zeigte sich Trainer Mark Kuhlmann nach dem Spiel zufrieden. „Wir waren am Anfang ein bisschen besorgt, als uns gleich unser Kapitän Jörn Schröder ausgefallen war. Aber dann haben wir uns schnell berappelt, haben versucht, schnell und breit zu spielen. Das ist uns oft auch gelungen, und wir haben dann auch die Fehler der Polen und unsere Chancen eiskalt ausgenutzt. Vor allem auch die jungen Spieler haben heute richtig gut gespielt. Hut ab vor der Mannschaft, die sehr positiv war in den letzten Tagen, die einen tollen Spirit hat. Die Jungs haben heute füreinander gekämpft.“ Den nächsten Gegner schätzt Kuhlmann allerdings noch stärker ein. „Da werden wir uns sicher noch steigern müssen. Aber wir spielen zu Hause, und vor zwei Wochen haben wir auch noch nicht gewusst, wie es hier in Polen laufen würde. Wir hoffen in Heidelberg auch auf die Unterstützung möglichst vieler Zuschauer und werden versuchen, auf diese gute Leistung heute aufzubauen.“

Polen holte den ersten Ankick, verursachte aber gleich mit seiner ersten Aktion einen Straftritt, den Nikolai Klewinghaus zu den Stangen setzte und sicher zum 3:0 verwandelte (2.). Allerdings hatte sich in dieser Situation Kapitän Jörn Schröder verletzt und musste schon ganz früh ersetzt werden. Polens Daniel Gdula tat es dem deutschen Kicker nur wenige Minuten später aus ähnlicher Position gleich und glich schnell wieder aus (7.). Es schloss sich eine Phase an, in der sich beide Mannschaften Ballverluste leisteten, aber der Gegner konnte daraus jeweils noch keinen Profit schlagen.

Die Polen hatten im Sturm und damit vor allem im Gedränge physische Vorteile und gewannen so in der 16. Minute einen Straftritt, nach dem sich die Gastgeber sukzessive in Richtung des DRV-Malfelds vorarbeiteten. Doch wieder endete dieser Vorstoß in einem Straftritt – für Deutschland, das etwas cleverer in den Rucks wirkte. Der Ballbesitz wechselte weiterhin oft wegen technischen beziehungsweise Handlingfehlern auf beiden Seiten. Nach einer Gasse bildete Polen ein Paket nicht regelgerecht, sodass es erneut Straftritt für die DRV XV gab, den Kicker Klewinghaus erneut sicher in Punkte ummünzte (22.).

In der nächsten Aktion verlagerte Polen gut nach rechts, wo sich Ross Cooke auf den Weg in Richtung Malfeld machte. Doch er wurde gerade noch gestoppt und konnte seinen Offload nicht mehr gut loswerden (26.). Es blieb ein recht fehlerbehaftetes Spiel, und in der 29. Minute nutzte Deutschland das erstmals richtig aus. Nach einem Kick von Pierre Mathurin konnte Polen den Ball zweimal nicht aufnehmen. Nicolas Rinklin machte es besser, bedankte sich und lief ungehindert zum ersten Versuch ein, den Klewinghaus ohne Mühe zum 13:3 erhöhte. Und in der 35. Minute legten die Schwarzen Adler direkt nach: Felix Lammers (Foto) bekam den Ball auf der linken Außenbahn, schüttelte dort drei Verteidiger ab und legte zum zweiten Versuch ab. Klewinghaus blieb vom Kick-Hütchen sicher und addierte weitere zwei Zähler zum 20:3.

Spätestens jetzt bestimmte Deutschland das Geschehen und nutzte das zu weiteren Punkten. Nikolai Klewinghaus versuchte es mit einem Kick auf die linke Seite. Wieder konnte Polen den hohen Ball nicht kontrollieren, der dann bei Felix Lammers landete, der das zu seinem zweiten Versuch zu nutzen wusste (40.). Der Erhöhungskick von weit außen ging diesmal knapp rechts an den Stangen vorbei. Polen mühte sich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte mit seinen noch mal in Richtung des deutschen Malfelds, setzte auch einen Straftritt nicht zu den Stangen, sondern kickte zur Gasse. Und am Ende war es das Paket und Adrian Chrosciel, die Polen mit dem ersten Versuch zum 8:25-Pausenstand im Spiel hielten.

Die Polen kamen gleich nach Wiederanpfiff mit Druck nach vorn, gaben aber wieder einen Straftritt weg, mit dem sich Deutschland davon befreite. In der 44. Minute profitierte beinahe erneut Felix Lammers von einem Fehler der Polen, doch diesmal konnte er den Ball nicht erobern und verwerten. Und nur zwei Minuten später war es wieder Lammers, der auf links angespielt wurde, den Ball aber im Kontakt nach vorn verlor.

Polen blieb vor allem mit seinen Stürmern gefährlich. Und so schoben sie sich mit Pick-and-Go langsam in Richtung des deutschen Malfelds, und am Ende war es Jan Cal, der den Ball ablegen konnte (56.). Daniel Gdula erhöhte ohne Mühe und verkürzte auf 15:25. Doch nur Minuten später verwandelte Nikolai Klewinghaus den nächsten Straftritt für drei weitere deutsche Punkte (61.).

In Überzahl nach einer Gelben Karte für Justin Renc für einen Fehler im Ruck schob Polen erneut das Paket an (66.), doch diesmal hielten die Schwarzen Adler stand, holten einen Straftritt und bereinigten die brenzlige Situation. Und es sollte noch brenzliger werden, als auf der linken Seite plötzlich Craig Bachurzewski durchgebrochen war und vermeintlich zum Versuch abgelegt hatte (70.). Doch Nikolai Klewinghaus hatte den Stürmer kurz zuvor gerade noch über die Auslinie getackelt. Stattdessen besorgte Deutschland in der 72. Minute die Entscheidung: Im Konter in Unterzahl machte erneut der starke Lammers auf links Meter und bediente den mitgelaufenen Oliver Paine. Der hatte dann freie Bahn und legte zum Versuch ab, den Klewinghaus zum 35:15 erhöhte.

Polen bemühte sich noch bis tief in die Nachspielzeit hinein um Ergebniskosmetik – ergebnislos. Beinahe hätte sogar das deutsche Team im Konter noch ein höheres Ergebnis erzielt. Aber nach 88 gespielten Minuten war doch Schluss, und Deutschland hatte einen verdienten ersten Sieg in dieser Rugby Europe Trophy, den man in dieser Deutlichkeit nicht unbedingt erwarten durfte, in der Tasche.

Punkte:
0:3 (2.) Straftritt Nikolai Klewinghaus
3:3 (7.) Straftritt Daniel Gdula
3:6 (22.) Straftritt Nikolai Klewinghaus
3:13 (29.) Versuch Nicolas Rinklin & Erhöhung Nikolai Klewinghaus
3:20 (35.) Versuch Felix Lammers & Erhöhung Nikolai Klewinghaus
3:25 (40.) Versuch Felix Lammers
8:25 (40.+) Versuch Adrian Chrosciel
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15:25 (56.) Versuch Jan Cal & Erhöhung Daniel Gdula
15:28 (61.) Straftritt Nikolai Klewinghaus
15:35 (72.) Versuch Oliver Paine & Erhöhung Nikolai Klewinghaus

Startaufstellung Polen:
1 Craig Bachurzewski – 2 Grzegorz Buczek – 3 Thomas Fidler – 4 Edward Krawiecki – 5 Kacper Lawski – 6 Nicolas Pacewicz – 7 Jan Cal – 8 Piotr Zeszutek – 9 Dawid Plichta – 10 Daniel Gdula – 11 Ross Cooke – 12 Patryk Reksulak – 13 Grzegorz Szczpanski – 14 Sam Stelmaszek – 15 Krystian Pogrzelski

16 Kamil Wiecaszek – 17 Adrian Chrosciel – 18 Adam Piotrowski – 19 Michal Musur – 20 Artur Bryl – 21 Bartlomiej Janeczko – 22 Przemyslaw Rajewski – 23 Radoslaw Bysewski

Startaufstellung Deutschland:
1 Jörn Schröder – 2 Mark Fairhurst – 3 Antony Dickinson – 4 Hassan Rayan – 5 Robert Lehmann – 6 Justin Renc – 7 Nicolas Rinklin – 8 Johannes Schreieck – 9 Pierre Mathurin – 10 Nikolai Klewinghaus – 11 Felix Lammers – 12 Luke Wakefield – 13 Pascal Fischer – 14 Zinzan Hees – 15 Niklas Hohl

16 Samy Füchsel – 17 Paul Schüle – 18 Anton Gleitze – 19 Maximilian Kopp – 20 Mick Burisch – 21 Emil Schäfer – 22 Oliver Paine – 23 Felix Martel

Gelbe Karte:
— / Justin Renc (65.)
Schiedsrichter: Shota Tezvadze, Shota Tsagareishvili, Saba Abulashvili (GEO)
Zuschauer: 1000

Tickets für das Heimspiel der Schwarzen Adler
am 23. November
in Heidelberg gibt es bei ADticket.de