Die deutsche 7er-Rugbynationalmannschaft hat bei den hochkarätig besetzten Oktoberfest Sevens im Münchner Olympiastadion das Halbfinale erreicht. Nach Siegen gegen Frankreich und die USA stand das sogar bereits vorzeitig fest. Nur im abschließenden Spiel gegen das Team von Olympiasieger Fidschi musste sich das Wolfpack trotz couragierter Leistung geschlagen geben. Im Halbfinale trifft das DRV-Team nun am Sonntag um 11.44 Uhr auf Südafrika. (Foto: Jan Perlich)

Wir sind natürlich zufrieden, dass wir hier das Halbfinale erreicht haben“, stellte Trainer Clemens von Grumbkow zunächst einmal fest. „Nicht ganz zufrieden waren wir mit der Leistung im ersten Spiel. Da waren wir vielleicht noch nervös und haben uns etwas schwer getan. Im zweiten Spiel aber haben wir eine gute und dominante Leistung gezeigt und alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Und gegen Fidschi war es natürlich etwas Besonderes: bei Flutlicht vor dem eigenen Publikum gegen den Olympiasieger. Aber auch da wäre mehr drin gewesen. Ich denke, es ist etwas zu hoch ausgegangen. Jetzt freuen wir uns auf morgen. Das werden noch mal zwei Härtetests auf höchstem Niveau für unsere nächsten Herausforderungen.“

Im Auftaktspiel gegen Frankreich legte das Wolfpack stark los. In der 3. Minute bediente Phil Szczesny Mitspieler Tim Lichtenberg auf der rechten Seite, und der brachte die DRVer mit 5:0 in Führung. Nur zwei Minuten später brach Ben Ellerman durch und wurde den Ball noch per Offload an Jonathon Dawe los, der inklusive Erhöhung von Fabian Heimpel auf 12:0 stellte. Doch danach riss der Faden ein wenig, und Frankreich konnte mit zwei Versuchen in der 7. Minute noch vor der Pause zum 12:12 ausgleichen.

Wieder schien Deutschland nach Wiederanpfiff einen schnellen Versuch gelegt zu haben. Szczesny versuchte es mit einem Kick auf die rechte Seite zu Tim Lichtenberg. Der legte sich den Ball selbst noch mal per Fuß vor, setzte nach, konnte dann aber nicht regelgerecht ablegen (9.). Doch in Überzahl nach einer Gelben Karte für ein hohes Tackling für Frankreich nutzte Carlos Soteras Merz die Chance, die Führung zurückzuholen. Im Ruck nahm er den Ball auf und warf sich zum 17:12 ins Malfeld (11.). Doch die dezimierten Franzosen konterten umgehend. Nach einem Abstimmungsfehler in der Verteidigung war ein Spieler auf links nicht mehr einzuholen (12.). Weil die Erhöhung passte, lag das Wolfpack plötzlich mit 17:19 hinten. Deutschland kam noch mal zum Zug, verlor den Ball bei abgelaufener Spielzeit jedoch. Aber die Franzosen kickten den Ball nicht – wie erwartet – ins Aus und beendeten so das Spiel. Stattdessen eroberte Deutschland im Ruck den Ball, Niklas Koch passte auf Phil Szczesny, der zum erhöhten Versuch und damit zum 24:19-Sieg ins Malfeld lief (14.).

Im zweiten Gruppenspiel gegen die USA hatte der Gegner den besseren Start. Nach nicht einmal 60 Sekunden kamen die US-Boys schnell über außen zum ersten Versuch. Es entwickelte sich ein intensives und phasenweise auch hartes Spiel, in dem Deutschland aber gut dagegenhielt. IN der 4. Minute bereiteten Bastian Himmer und Tim Lichtenberg sehenswert für Phil Sczcesny vor, der den Versuch legte, den Fabian Heimpel zum 7:7-Ausgleich erhöhte. Die USA liefen weiter mit Tempo an, sich aber immer wieder in der guten DRV-Verteidigung fest. Und so war es das Wolfpack, dass nach einer starken Angriffswelle zur Führung ablegte: Lichtenberg wurde zwar gerade noch zu Boden gebracht, doch er passte im Fallen noch auf Fabian Heimpel, der sogar noch bis fast unter die Stangen lief (6.). Auch wenn der Erhöhungskick an das Gestänge klatschte – das DRV-Team ging mit einer 12:7-Führung in die Pause.

Auch danach hatte das US-Team seine Mühe, die Lücke in der deutschen Verteidigung zu finden. Auch die USA verteidigten gut, mussten aber mit ansehen, wie Tim Biniak nach einem schönen Step einige Meter machte. Carlos Soteras Merz in der Unterstützung trug den Ball dann über die Mallinie (11.). Wieder traf der Erhöhungkick nur die Malstange. Als das US-Team in der 13. Minute Gelb sah, spielte Deutschland die Partie in Überzahl zu Ende – und legte noch einen Versuch nach. Diesmal leistete Anjo Buckman mit Wucht die Vorarbeit. Im Ruck nahm Soteras Merz den Ball auf und warf sich mit langem Arm zum Versuch ins Malfeld. Mit diesem verdienten Endstand von 22:7 war das Halbfinalticket in diesem hochkarätigen Starterfeld gesichert.

Im letzten Spiel der Vorrunde stand das Wolfpack dem Team von Olympiasieger Fidschi gegenüber. Und nach nicht mal einer Minute lag man gegen den haushohen Favoriten, der zuvor die Gegner dominiert hatte, in Führung. Nach einem starken Ballvortrag über mehrere Stationen war es am Ende Jonathon Dawe, der ablegen konnte. In der Folge schaltete Fidschi einen Gang höher. Doch auch wenn Deutschland es dem Gegner mit guter Verteidigung schwer machte: Bis zur Pause belohnten sich die Pazifikinsulaner für den Druck noch vor der Pause mit drei Versuchen zur 19:5-Führung. Doch die DRV VII kam noch mal heran, als Phil Szczesny den Ball bekam, allen Verteidigern mit einem beherzten Sprint entkam und zum 10:19-Pausenstand ablegte.

Fidschi behielt aber die Oberhand im Spiel. Gleich nach Wiederanpfiff war ein Spieler nicht zu greifen für die deutschen Verteidiger und „stepte“ sich durch die DRV-Reihen zum Versuch (8.). Doch Deutschland konnte Fidschi immer wieder überraschen, etwa, als Jonathon Dawe einen Bogen über die rechte Seite lief und nicht gestoppt werden konnte (10.). Und auch wenn Fidschi nach einem Abstimmungsfehler in der deutschen Defensive noch auf 31:15 stellte – am Ende eines Spiels mit einer couragierten Leistung stand für das Wolfpack ein absolut respektables Ergebnis zu Buche.

7er-Frauen des DRV gewinnen Oktoberfest 7s Classics

Unterdessen haben ebenfalls in München die 7er-Frauen des DRV die 41. Auflage des Traditionsturniers Oktoberfest 7s Classics gewonnen. Das junge Team um die Nationaltrainer Max Pietrek und Rafael Pyrasch „rauschte“ förmlich durch die Vorrunde, fertigte StuSta München (60:0) und das Team Tabusoro Angels (22:0) förmlich ab. In der Playoff-Runde war dann auch Gastgeber München RFC mit 0:56 chancenlos, bevor im Halbfinale das Team Speed Ladies mit 36:7 vom DRV-Team geschlagen wurde. Im Endspiel bekam es die deutschen 7er-Frauen mit dem starken Team TUKS Delta Drone Pretoria aus Südafrika zu tun. Aber auch hier zogen die DRV-Mädels ihr Spiel durch und behielten schlussendlich mit 27:10 die Oberhand.

„Wir sind zufrieden und happy mit der Performance an einem harten Tag mit nur wenigen Pausen“, konstatierte Max Pietrek abschließend. „Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und uns als Team auch mit den neuen Spielerinnen sehr gut gefunden. Die Mädels haben als Team selbst Verantwortung übernommen und haben das alles getoppt mit einer super Leistung gegen ein starkes Tuks-Team. Insgesamt macht das Hoffnung für das nächste Jahr mit diesem Team.“