Bastian Himmer zählt seit mittlerweile fast zehn Jahren zum Kader der deutschen Rugby-Nationalmannschaft. Der gebürtige Hannoveraner von der RG Heidelberg zieht als Spielmacher die Strippen im Angriffsspiel der deutschen Mannschaft. Im Interview mit dem Oktoberfest-7s-Team berichtet Himmer vom Gewinn der Europameisterschaft und dem anstehenden größten Rugby-Event Deutschlands.

Bastian, du hast ja mittlerweile schon fast zehn Jahre im Trikot der Siebener-Nationalmannschaft hinter dir und zählst zu den erfahrensten Spielern im Team. Kannst du dich noch an dein allererstes offizielles Turnier für Deutschland erinnern?
Ja, das kann ich. Das war in Kroatien, im Jahr 2010 glaube ich. Aber mir fällt gerade die Stadt nicht ein – wobei, es war Split! Das war im gleichen Jahr wie das EM-Qualifikationsturnier in Paphos auf Zypern, wo wir schon in der Gruppe rausgeflogen sind, deshalb die Qualifikation für die EM-Endrunde verpasst hatten und im Jahr danach nur zweitklassig waren. Das waren verrückte Zeiten. Und, ehrlich gesagt, hat das anfangs nicht unbedingt Lust auf mehr gemacht.

Aber seitdem hat die Mannschaft eine atemberaubende Entwicklung genommen. Was hat sich geändert?
Damals waren wir fast eher wie eine Hobby-Truppe. Da haben sich zwölf gute Rugbyspieler aus Deutschland getroffen, sind zusammen irgendwo hingeflogen und haben Siebener gespielt. Das kann man mit heute ja gar nicht vergleichen. Wir trainieren ja beispielsweise jetzt jeden Tag gemeinsam und sind insgesamt um ein Vielfaches professioneller geworden.

Ab wann war für dich abzusehen, dass mit diesem Team deutlich mehr drin ist?
Schon im folgenden Jahr haben wir den Aufstieg zurück in die höchste EM-Spielklasse geschafft, hatten einige von den Erfahrenen wie Clemens von Grumbkow und Mustafa Güngör dabei. Olympia rückte näher, und das hat uns auch noch Mal einen Ruck gegeben. Dazu wurden die Strukturen um das Team sukzessive verbessert. Hätte das damals nicht so funktioniert, sähe es heute sicher auch ganz anders aus.

Was bedeutet der EM-Titel für euch, für dich persönlich? War das die vorläufige Krönung eurer langen Reise?
Vorläufige Krönung trifft es ganz gut. Es war wirklich ein großartiges Erlebnis. Während des Turniers in Lodz habe ich es gar nicht so realisiert. Aber wenn man mal so überlegt – während meiner Zeit beim DRV, was sich da alles getan hat. Es macht uns schon unglaublich stolz, dass wir uns jetzt Europameister nennen dürfen.

Aber für euch geht es nach einer kurzen Sommerpause bald schon wieder los, demnächst steht ja mit den Oktoberfest 7s schon ein absolutes Highlight an. Wie sind die Erinnerungen an 2017 und wie groß ist die Vorfreude?
Das letzte Turnier war unglaublich geil. Für uns ist ja schon was Besonderes, daheim vor dem eigenen Anhang, der Familie und Freunden zu spielen. Vor der Premiere 2017 dachten wir ja, es wird ein Turnier daheim, das wird auch sicher etwas größer sein, ein paar mehr Zuschauer mit ein paar guten Mannschaften – das wird eine gute Sache. Aber im Endeffekt hat es damals schon all unsere Erwartungen übertroffen. Über 20.000 Zuschauer in München. Wir haben ja auch schon an einigen Ecken und Enden der Welt gespielt. Die Oktoberfest 7s haben sich schon angefühlt wie einige der absoluten Top-Turniere der World Series. Die Atmosphäre und das ganze Drumherum: Es war eine wirklich großartige Sache. Ich hoffe, dass das Ganze jetzt noch Mal getoppt wird. Dementsprechend groß ist die Vorfreude auf das Turnier und der Eifer im Training.

Dieses Mal trefft ihr ja bereits in der Turnier-Gruppenphase auf Olympiasieger Fidschi. Das letzte deutsche Duell mit einer Fidschi-Mannschaft liegt schon eine Weile zurück, 2005 in Duisburg bei den World Games. Für euch ist das also auch nichts Alltägliches. Wie geht man denn so ein Spiel gegen den Olympiasieger an?
Wenn du gegen Fidschi spielst im Siebener, dann genießt du das einfach. Es ist kein Spiel wie jedes andere. Die Jungs spielen nicht das klassische Rugby, die spielen einfach unglaublich spektakulär und unvorhersehbar. Da gibt es bei uns eine riesige Vorfreude. Wir werden sehen, was wir gegen sie rausholen können. Ich gehe in jedes Spiel und will es gewinnen, egal wer da gegenüber steht. Wenn man vorher schon denkt, ‘das gewinnen wir eh nicht’, braucht man gar nicht erst antreten.

Was habt ihr euch als Team für die Oktoberfest 7s vorgenommen? Könnt ihr gegen Frankreich und die USA das Halbfinale klar machen?
Wir haben uns noch kein Ziel gesetzt, es sind ja schon noch drei Wochen. Aber ich persönlich versuche immer, an das nächste Spiel zu denken und das dann gewinnen. Wir sind aber so ambitioniert, dass wir die Großen ärgern wollen. Es ist ja schon so, dass jede Mannschaft beim Turnier auf dem Papier besser ist als wir. Trotzdem werden wir alles geben und schauen, wozu das mit dem Publikum im Rücken reicht.

(Foto: Jürgen Keßler)

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