Die deutsche 7er-Rugbynationalmannschaft hat die topbesetzten Oktoberfest Sevens im Münchner Olympiastadion auf einem starken vierten Platz abgeschlossen. Nachdem man bereits am ersten Turniertag einige Ausrufezeichen hatte setzen können, hatte man im Halbfinale das Star-Ensemble aus Südafrika sogar am Rande einer Niederlage. Und im Bronze-Match hielt man im ersten Aufeinandertreffen überhaupt mit den All Blacks Sevens aus Neuseeland ebenfalls lange Zeit eindruckvoll mit. Der Turniersieg ging letztlich an Südafrika, das sich im Endspiel knapp gegen Olympiasieger Fidschi durchsetzen konnte. (Foto: Jan Perlich)

„Ich denke, wir haben uns hier sehr gut präsentiert und zeigen können, dass wir näher dran sind an der Weltspitze als man denkt“, unterstrich Nationaltrainer Clemens von Grumbkow. „Man konnte sehen, dass sogar noch mehr drin war. Wenn wir in der letzten Situation gegen Südafrika etwas abgeklärter spielen, können wir das sogar gewinnen. Aber es ist halt die Erfahrung, es sind Kleinigkeiten, die da den Unterschied machen. Ich denke, wir können sehr viel Positives aus diesem Turnier mitnehmen. Darauf können wir aufbauen und uns konzentriert auf die nächsten Hongkong Sevens vorbereiten.“

Von Grumbkow lobte zudem das Turnier als Ganzes: „Für uns ist es natürlich etwas ganz Besonderes, uns unseren eigenen Fans präsentieren zu können. Wir saugen diese Atmosphäre voll auf und haben dadurch sicher das eine oder andere Prozent mehr aus uns rausholen können. Das war in jeder Hinsicht ein tolles Turnier, das es sicher verdient hätte, über kurz oder lang Teil der World Series zu werden.“

Diese Meinung vertrat auch DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm: „Das war eine großartige Veranstaltung mit einer Bombenstimmung. Ich bin sicher, dass alle Zuschauer, die an diesen beiden Tagen hier waren, das nächste Mal wiederkommen und noch Einen mitbringen. Wir haben eine toll spielende deutsche Mannschaft gesehen, dass im Halbfinale gegen Südafrika sogar hätte gewinnen können. Insgesamt kann man sicher sehr zufrieden sein mit diesem Turnier.“

Halbfinale: Deutschland – Südafrika                    12:17 (7:12)
Tag zwei begann mit einem echten Rugby-Leckerbissen für alle deutschen Rugbyfans, stand man doch den mit nahezu allen Topstars angereisten Südafrikanern gegenüber. Die Bitzbokke legten auch los wie die sprichwörtliche Feuerwehr und legten zwei Versuche zur 12:0-Führung, ehe Deutschland überhaupt das erste Mal in die Offensive kommen konnte. Doch danach hatte das Wolfpack längere Ballbesitzphasen, konnte die allerdings gegen die enorm druckvoll verteidigenden Südafrikaner nicht in Punkte ummünzen. Doch gegen Ende der ersten Halbzeit hatte man sich besser auf die Verteidigung eingestellt. Jonathon Dawe holte sich den Ball im Ruck, Tim Lichtenberg bediente den durchgestarteten Ben Ellermann, der durch die Mitte davon stürmte und mit dem ersten von Fabian Heimpel erhöhten Versuch auf 7:12 zur Pause verkürzte.

Auch nach der Pause konnte Deutschland dem haushohen Favoriten und späteren Turniersieger lange Paroli bieten und ihn vom eigenen Malfeld fernhalten. Doch auf der linken Seite hatte Südafrika Sprinter Stedman Gans freigespielt, der in der 10. Minute auf 17:7 stellte. Doch für die DRVer schien heute mehr drin zu sein: Immer wieder holte man sich die Bälle im Ruck, und in der 13. Minute war es Tim Lichtenberg, der den Ball über Bastian Himmer und Phil Szczesny bekam und auf der linken Seite ablegen konnte – 12:17. Und eine Chance sollte Deutschland noch bekommen. Deutschland eroberte direkt wieder den Ball, den Sczcesny bis nahe ans südafrikanische Malfeld trug. Dort handelten sich die Blitzbokke dann sogar eine Gelbe Karte ein. Aber im Kontakt verlor Himmer den Ball, den die Südafrikaner dann zum Spielende ins Aus kickten.

Spiel um Platz 3: Deutschland – Neuseeland     12:22 (12:12)
Im Spiel um Platz drei kam es dann zum erstmaligen Duell eines deutschen 7er-Nationalteams mit den All Blacks Sevens aus Neuseeland um World-Series-Topscorer Andrew Knewstubb. Und wieder wusste das Wolfpack zu überzeugen. Zwar geriet man früh mit einem erhöhten Versuch in Rückstand, aber nach einem Durchbruch legte Robert Haase kurz vor dem Malfeld noch auf Niklas Koch ab, der mit seinem erhöhten Versuch den Ausgleich markierte. Kurz darauf legten die All Blacks erneut vor, aber kurz vor der Pause war auf einmal Bastian Himmer durch die Mitte auf und davon, sodass es bei Halbzeit 12:12-Unentschieden stand. Die Partie war absolut offen.

Deutschland spielte im zweiten Durchgang druckvoll nach vorn, Neuseeland musste in der Verteidigung hart arbeiten, um nicht in Rückstand zu geraten. Doch in der 11. Minute wurden die Deutschen im Counterruck überrumpelt, und ein langer Sprint ins Malfeld brachte den nächsten neuseeländischen Versuch. In der Folge ging es hin und her, beide Tams eroberten die Bälle und gaben sie wieder ab. Doch in der Schlussminute war dann doch Neuseelands Rewita Biddle mit seinem Spurt zu schnell für die DRV-Verteidiger und stellte den 22:12-Endstand her.

Schon am ersten Turniertag hatte das Wolfpack Ausrufezeichen gesetzt und sich nicht zuletzt damit bereits vorzeitig den durchaus überraschenden Einzug ins Halbfinale dieses topbesetzten Turniers gesichert. Im erfolgreichen Auftaktspiel gegen Vize-Europameister Frankreich (24:19) war es noch ein wenig wackelig ob der sicher vorherrschenden Nervosität des auf diesem hohen Niveau noch unerfahrenen deutschen Teams. Gegen die USA hingegen zeigte die DRV VII eine starke und dominante Leistung und gewann das Spiel gegen das Weltserien erfahrene Team mit 22:7. Mit dem Halbfinalticket in der Tasche ging es im abschließenden Gruppenspiel gegen Olympiasieger Fidschi. Und auch hier wusste die DRV-Auswahl phasenweise zu überzeugen, ging sogar in Führung und konnte den Favoriten immer wieder mit beherzten Aktionen in Bedrängnis bringen. Am Ende stand allerdings ein etwas zu hoch ausgefallenes – wie Trainer Clemens von Grumkow betonte – 15:31 aus DRV-Sicht.