Niklas Hohls Weg im Wolfpack endet vorerst
Die bisherige Laufbahn von Niklas Hohl ist beispielhaft dafür, wie gut sich Sport und Ausbildung verbinden lassen. (Foto: Jürgen Keßler)

Niklas Hohls Weg im Wolfpack endet vorerst

Der Deutsche Rugby-Verband verliert – zumindest vorerst – eines der größten Rugby-Talente des Landes aus dem 7er-Programm. Der Heidelberger Niklas Hohl zieht für sein Master-Studium in Wirtschaftsingenieurwesen nach München und wird sich nicht mehr im notwendigen Umfang dem 7er-Programm widmen können. Dabei gilt der bisherige Weg des 24-Jährigen als beispielhaft, wie sich schulische und hochschulische Ausbildung und Leistungssport in Deutschland bestmöglich verbinden lassen.
 
„Am Beispiel von Niklas kann man eindrucksvoll ablesen, dass sich Schule beziehungsweise Studium und Leistungssport nicht ausschließen, sondern sich einander in besonderer Weise befruchten können“, hebt DRV-Vorstandsvorsitzender Manuel Wilhelm hervor. „Niklas hat nahezu den idealen Weg genommen, von seinen Anfängen beim Heidelberger RK bis heute, wo er in den deutschen Nationalkadern eine feste Größe ist. Dazu tragen selbstverständlich in nicht geringem Maße die Kooperationen des DRV bei wie die Deutsche Sporthilfe, die Olympiastützpunkte, aber auch die hervorragende Zusammenarbeit mit den leistungssportfördernden Schulen und Hochschulen. Es ist schade, dass sich das nun nicht fortsetzen lässt, weil wir wissen, dass Niklas gern dabeigeblieben wäre. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass er sich nach seinem erfolgreich abgeschlossenen Masterstudium wieder dem 7er-Programm anschließt. Und ganz aus dem Blickfeld ist er ja auch nicht, denn der 15er-Nationalmannschaft steht er weiter zur Verfügung.“
 
Niklas Hohl begann das Rugbyspielen beim Heidelberger RK. Und schon auf dem Weg in Richtung Abitur war es möglich, mit der leistungssportfördernden Willi-Hellpach-Schule den Stundenplan auf das Training abzustimmen. So durchlief Hohl im Rugby-Verband Baden-Württemberg alle Nachwuchsteams und stand auch in den U16- und U18-Nationalteams des DRV im 15er- wie im 7er-Rugby. Schon im Alter von 17 Jahren schloss er sich dem 7er-Programm an, nahm sogar bereits an Vorbereitungsturnieren teil und war 2015 bei der EM im französischen Vichy Kapitän der deutsche U18. „Schon damals war es so, dass einige Lehrer mir sogar privat Nachhilfe gegeben haben, weil zum Beispiel die Englisch-Stunden immer am Morgen mit dem Training zusammenfielen“ erzählt Hohl. „Dafür bin ich natürlich dankbar, weil ich so nahezu keinen Unterrichtsstoff verpasst habe.“
 
Nach bestandenem Abitur bekam Hohl ein Stipendium bei der SRH Hochschule Heidelberg, einem Kooperationspartner des DRV, wo er Wirtschaftsingenieurwesen studierte. Auch hier konnte gemeinsam mit den Laufbahnberater sowie in Absprache mit dem Olympiastützpunkt Rhein-Neckar sein Stunden- und Prüfungsplan auf die Trainings- und Turnierzeiten abgestimmt werden, sodass er 2016 für Deutschland an der Olympia-Qualifikation sowie in der Folge auch an den Hong Kong Sevens teilnehmen konnte.
 
Nach erfolgreich abgeschlossenem Bachelorstudium zieht es Niklas Hohl nun nach München, wo er an der Hochschule noch einen Masterabschluss anstrebt. „Ich wäre natürlich gern in der Region geblieben“, sagt er. „Aber in den technischen Studiengängen hat sich das nicht ergeben.“ Anstatt sich also weiter selbst im 7er-Programm zum Erfolg zu „quälen“, wird er künftig dem Rugby-Verband Bayern als Leiter des Kadertrainings helfen, Siebener-Talente auszubilden. Dazu wird er sich voraussichtlich einem der Münchner Vereine anschließen, um weiter fit für die Aufgaben in der 15er-Nationalmannschaft zu bleiben, und um eine gute Basis zu haben, wenn er womöglich in wenigen Jahren zurückkehrt zum Wolfpack.
 
„Ich möchte an dieser Stelle noch mal unterstreichen, dass ich keinen einzigen meiner Schritte in den letzten Jahren bereue“, so Niklas Hohl. „Ich hatte das Glück, meine Leidenschaft für den Rugbysport bestmöglich mit der Ausbildung verbinden zu können. Für mich ist es nahezu ideal gelaufen. Der Abschied vom 7er-Programm war daher auch sehr schmerzlich. Aber es ist absolut möglich, dass ich versuche, mich nach meinem Studium wieder zurück zu kämpfen und noch mal im Wolfpack anzugreifen.“