Das deutsche 7er-Rugbynationalteam der Männer hat erneut den erhofften Sprung auf die World Rugby Sevens Series verpasst. In einem hochklassigen Halbfinale sahen die Zuschauer bei den Hong Kong Sevens eine Partie auf Augenhöhe zwischen Vize-Europameister Deutschland und Europameister Irland, in der am Ende das Team von der grünen Insel knapp mit 19:10 (5:0) die Nase vorn hatte und damit in das Finale um den Startplatz in der Weltserie für die nächste Saison einzog und sich dort dann auch ungefährdet mit einem 28:7 gegen Gastgeber Hong Kong durchsetzen konnte. (Foto: Jan Perlich)

„Wir sind natürlich sehr enttäuscht aber zugleich auch stolz“, unterstreicht Bundestrainer Vuyo Zangqa. „Irland ist ein Weltklassegegner, der seine Qualität auf der Weltserie, bei der WM und der EM mehrfach unter Beweis gestellt hat. Wenn der Kick zum 13:5 durch die Stangen geht, hätten wir die Partie womöglich gewonnen. Leider hat dieses Quäntchen Glück diesmal gefehlt. Aber für uns ist diese Saison ja noch lange nicht vorbei. Wir gehen jetzt zurück nach Deutschland, machen vier Wochen Pause und starten dann die Vorbereitung auf die Olympia-Qualifikation. Und dann werden wir alles daran setzen, 2020 wieder nach Hong Kong zurückzukehren und erneut Anlauf auf die World Series zu nehmen.“

HALBFINALE: DEUTSCHLAND – IRLAND  10:19 (0:5)
Die deutsche Mannschaft startete sehr gut in die Partie. Die Verteidigung packte gegen die schnellen Iren gut zu, und man erarbeitete sich bei viel Ballbesitz die eine oder andere Chance. In der 3. Minute etwa versuchte es Claude Brechenmacher mit einem Überkick, verlor dann aber das Laufduell gegen Irlands Sprinter Jordan Conroy. Es blieb ein Spiel auf absoluter Augenhöhe, bis Brechenmacher für ein unglückliches Ballrausschlagen die Gelbe Karte sah (7.). In Überzahl spielte Irland Conroy frei, der in der Nachspielzeit auf der linken Seite die 5:0-Halbzeitführung markierte.

Das Wolfpack musste auch zu Beginn des zweiten Durchgangs mit einem Mann weniger auskommen, glich die Partie in dieser Phase allerdings aus. Bastian Himmer machte die Partie zunächst langsam, doch dann folgte ein Spielzug, der auf der linken Seite Tim Biniak die Chance eröffnete. Der Heusenstammer fand die Lücke und tankte sich zum Ausgleich durch (8.). Und als Deutschland wieder vollzählig war, legte es gleich nach: Anjo Buckman und Bastian Himmer eroberten den Ball im Counter-Ruck. Tim Lichtenberg bekam ihn, überlief Conroy auf der rechten Außenbahn und lief zum Versuch ein. Der Erhöhungskick gelang nicht, es blieb bei der 10:5-Führung.

Beim nächsten Straftritt sah die DRV VII die Möglichkeit, auf acht Punkte davonzuziehen und entschied sich, den Kick zu den Stangen zu setzen. Aber der eingewechselte Fabian Heimpel zielte knapp daneben (12.). Das sollte sich umgehend rächen, denn die Iren erspielten in der nächsten Szene eine Überzahl auf der rechten Seite für William Dardis, der seinen Versuch auch gleich selbst zum 12:10 erhöhte (13.). Zu allem Überfluss eroberte Irland auch den Ankick, obwohl es in dieser Szene nach einem Vorball aussah. Und anstelle der Chance, die Partie erneut noch zu drehen, bedienten die Iren ihren Finisher Jordan Conroy, der den entscheidenden Versuch legte. Kicker Dardis ließ bei seinem Erhöhungskick die Zeit runterlaufen und trat den Ball dann noch zum 19:10-Endstand durch die Stangen.

Punkte:
0:5 (7.+) Versuch Jordan Conroy
————
5:5 (8.) Versuch Tim Biniak
10:5 (10.) Versuch Tim Lichtenberg
10:12 (13.) Versuch & Erhöhung William Dardis
10:19 (14.) Versuch Jordan Conroy & Erhöhung William Dardis

Nach einem holprigen ersten Turniertag, an dem das Wolfpack seinen Rhythmus noch nicht richtig gefunden hatte, stand das DRV-Team dennoch nach zwei Arbeitssiegen gegen Uganda (19:12) und die Cook Islands (10:7) vorzeitig im Viertelfinale des Qualifiers in Hong Kong. Mit einer stark verbesserten Performance zu Beginn von Tag 2 besiegte man im entscheidenden Spiel um den Gruppensieg den mitfavorisierten Südamerika-Champion Chile mit 19:7.

Im Viertelfinale bekam man es mit den bis dahin stark auftretenden Uruguayern zu tun – und in diesem Spiel es gab das Wolfpack-typische Drama in Hong Kong: In Unterzahl und erst in der Nachspielzeit sicherte ein Versuch von Tim Lichtenberg das 12:7 und damit den Einzug ins Halbfinale gegen die Iren, wo diesmal Endstation für die DRV-Auswahl war.