Liebe Rugby-Gemeinde,

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ (Hölderlin)

Zunächst auch von meiner Seite ein Dankeschön für alle Spenden und neue Mitgliedschaften im Club der 100/1000. Vor allem die Spenden im Bereich von 20 Euro empfinde ich als besonderen Ansporn. So kommen wir über die Runden, aber das ist keine Dauerlösung, sondern das kurzfristigste Mittel der Geldgenerierung. Und wenn wir die Überbrückung schaffen, dann wegen euch! Ihr seid die bislang 0,3 % der DRV-Mitglieder, die reagiert haben.

HIER KANN WEITER GESPENDET WERDEN!

Wo keine Informationen fließen, entstehen Gerüchte! Also, wie ist die Lage?

Um der hypnotischen Wirkung roter Zahlen, welcher die Finanzexperten erliegen (davon haben wir im Präsidium mehr denn je), etwas Wirkungsvolles entgegensetzen zu können, braucht es den Optimismus und die Vision, welche nur in einem gesunden Zusammenhalt entstehen.

Wir müssen versichern: „Wir werden nicht untergehen“, damit wir nicht untergehen. Wir müssen eine Zeit lang die pedantische Gewissenhaftigkeit des Kaufmanns vergessen, damit Zuversicht entsteht. Nachfolgend einige Informationen, welche in ihrer Deutlichkeit ungewohnt sein mögen, aber den Ansprüchen des Good-Governance-Gedankens entsprechen.

Dem Verband fehlt Geld! Warum?

Weil Trägheit der Aufsichtsverantwortlichen und eine sträfliche Gutgläubigkeit gegenüber dem letzten Führungsteam die Abwärtsspirale zuließ. Und immer wieder hat Jürgen Zeiger in bester Absicht Geld gegeben, bis er von der Lösung zum Problem mutierte. Wer jetzt sagt, selber schuld, der ist kein Mitglied der Rugby-Solidargemeischaft. Wer jetzt sagt, das Geld kann er vergessen, gehört wahrscheinlich zu denen, die Spendenbereitschaft noch nie auf sich bezogen haben.

Was gibt es, außer dem juristisch Machbaren, das in seiner kalten Konsequenz erschreckend ist, für Möglichkeiten?

1.) Man überzeugt Jürgen Zeiger, dass er sein Geld spenden soll, setzt ihm dann ein Denkmal und saniert den DRV.

2.) Eine langfristige Niederlegung der Verbindlichkeiten in Darlehen. (Laufzeit > 5 Jahre) und saniert den DRV unter einem Damokles-Schwert.

3.) Eine Solidargemeinschaft reicher Rugbyfans, welche Geld spendet, um den DRV unter der neuen Führung so in Fahrt zu bringen, dass langfristig Schulden abgetragen werden können und ein Florieren möglich ist.

4.) Eine größenanteilige Umlage der Verbindlichkeiten auf alle Landesverbände zur einmaligen Entschuldung des DRV.

5.) Zusätzlich, um kurzfristig die Abwärtsspirale zu stoppen und mittelfristig entschulden zu können:

a) Veränderung der Geschäftsstelle: Wenn Mitgliedsbeiträge und Lizenzgebühren durch Miet- und Personalkosten der Geschäftsstelle überstiegen werden, muss ein mietfreier Raum gefunden und Mitarbeiterkosten gesenkt werden. (Realistisches Einsparpotenzial 100.000 Euro jährlich).

b) Dauerhafte Anpassung der Mitgliedsbeiträge (Jahresbeitrag pro Mitglied an DRV) durch benchmarking (vergleichbare Sportarten und vergleichbare Nachbarländer).

Durchschnittlich 8,50 Euro reichen nicht aus, um nach den Verwaltungskosten noch irgendeine Mannschaft mit Trainer auf Reisen zu schicken. Wären wir bereit, wie unsere holländischen Rugbyfreunde, die 50 Euro zahlen, auf vergleichbare 40 Euro zu gehen, hätten wir eine Planungsgrundlage von 640.000 Euro. Momentan beträgt diese 136.000 Euro. Damit könnten wir alle im Moment angemessenen Maßnahmen durchführen:

Die im Moment stark vernachlässigte U18 könnte ab nächstem Jahr als U20 antreten, und eine neue U18 könnte in der European Championship teilnehmen. Beides ist übrigens in Kürze Voraussetzung, um in der Rugby Europe Trophy antreten zu dürfen.

Die Herrennationalmannschaft kann spätestens im Februar 2023 in dem dann auf acht Mannschaften erweiterten Rugby Europe Cup mitmischen – vorausgesetzt, man wird in der jetzigen Trophy Runde mindestens Zweiter. Die Frauen können ihre Runde wahrnehmen, und der Verband könnte für Neugründungen großzügig Starterpakete zur Verfügung stellen.

Dass sich das 7er-Programm aus anderen Quellen speist, aber das Konstrukt des DRV benötigt, um zuwendungsfähig zu sein und mit seinen Erfolgen Attraktion, Sponsoren, Ausbildungsplätze und Synergieeffekt kreiert, dürfte in der Zwischenzeit nur denen noch nicht eingeleuchtet haben, welche nicht wissen was Synergie bedeutet.

Das sind Lösungsansätze. Wer bessere weiß, kann sie gerne an hhees@rugby-verband.de weitergeben. Ich werde auf jeden brauchbaren Vorschlag antworten. Durch Transparenz und Demokratie entscheidet ihr mit: Spektakuläre Gemeinschaftsleistung oder weiteres Dahinsiechen!

Es besteht eine moralische Verpflichtung, historische Chancen wahr zu nehmen. Wir sind nicht nur eine Nation, die durch die Unfähigkeit, Flughäfen fertig zu bauen und die sprichwörtliche „German Angst“ bekannt ist. Wir leben noch!

Und wenn ich das nächste Mal zum General Meeting nach Paris reise – immer auf eigene Kosten – möchte ich dort erhobenen Hauptes einlaufen. Eine dort veröffentlichte Statistik, die Mut macht: Von 33 vertretenen Nationen haben die Deutschen mit 72 wahrgenommenen World-Rugby-Kursen Platz zwei belegt. Das weist in die Zukunft!

Und jetzt noch ein paar Gründe, warum ich der Meinung bin, dass mit der neuen Besetzung im Präsidium und mit den potentiellen noch zu berufenden Vorständen ein Neustart möglich ist:

  • Es gibt einen Haushaltsplan für 2020. Unsere Vorgänger hatten keinen für 2019.
  • Der Haushaltsplan geht nur von dem aus, was sicher reinkommt und gibt nur das aus, was bezahlt werden kann. Daraus resultieren all die schmerzlichen Streichungen, es bedeutet aber auch eine gesunde Basis des langsamen Wiederaufbaus.
  • Wir haben drei neue Experten für Finanzen im Team.
  • Die Datenverarbeitung wird aktualisiert und den Erfordernissen angepasst.
  • Wir machen Sponsorenpflege, auch rückwirkend für das Jahr 2019. Das ist seit Februar 2019 vernachlässigt worden.
  • Es gibt seit langem wieder eine Rugby Marketing Promotion.
  • Es werden aktiv Sponsoren gesucht. Das ist seit Jahren nicht mehr geschehen.
  • Die Anzahl der Mitarbeiter, die Zeit haben oder sich Zeit nehmen, hat sich erhöht.
  • Das Bewusstsein wächst, dass der DRV WIR sind, und dass ohne DRV kein Spielbetrieb, kein Regelwerk, keine Ligen, keine duale Sportkarriere (Bundeswehr, Polizei, Zoll), keine vom Bund unterstützten Leistungszentren, keine Zuwendungen von World Rugby, Rugby Europe, Länder, Jugendwerke, Wettkampfteilnahmen, Nationalmannschaften und vieles mehr nicht mehr möglich ist.
  • Und der Hauptgrund: Wenn man ganz unten ist, führen alle Wege nach oben.

Alle Werte des Sports: Solidarität, Integrität, Gemeinschaftsleistung, Zusammenhalt, Anstrengung, unermüdliches Weitermachen bis zum Erfolg, können wir an diesem Punkt mit Leben füllen.

Von einigen unterstützt, deshalb einige Schritte weiter und somit zu Recht optimistisch,

Euer Harry Hees
Präsident Deutscher Rugby-Verband

PS:
Gestern hatten wir sehr vielversprechende Gespräche mit unseren Partner für das Olympische 7er-Rugby, die für den kommenden Olympischen Zyklus 2021-2024 eine noch weitergehende Unterstützung für unsere erfolgreichen 7er-Rugby-Nationalmannschaften in Aussicht gestellt haben. Kommende Woche kommt der Weltverband nach Heidelberg und auch dort werden wir versuchen weitere Unterstützung für unsere Sportart zu erwirken. Allerdings wird das alles nur Wirkung entfalten können, wenn es uns gemeinsam gelingt unseren Verband an die Startlinie zu schieben. Weshalb wir weiterhin auf Eure Spendenbereitschaft angewiesen sind. 

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(Foto: Colin Grzanna)