Die AG Öffentlichkeitsarbeit der DRJ hat ein weiteres Interview geführt. Constantin Jung traf sich mit René Siegel, Leiter der DRJ-Kinder- und Jugendlizenzen, und sprach für das Trainer-Ausbildungssystem im Kinder- und Jugendbereich.

Lieber René, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Möchtest du dich erst vorstellen?
Mein Name ist René Siegel, ich komme aus Mainz, habe dort mit dem Spielen begonnen und bin jetzt insgesamt seit acht Jahren als Rugby Coach aktiv.

Was ist das Besondere an dem, was du ausbildest?
Seit 2018 gibt es die DRJ Kinder-, Jugend- und Junioren-Trainerlizenzen. Zum einen sind die Inhalte als Modul C4 in der DOSB C-Lizenz integriert, können aber auch unabhängig von der C-Lizenz als Zertifikate erworben werden. Im Fokus stehen die besonderen Aspekte des Kinder-, Jugend- und Juniorentrainings. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, heißt es schon in den Ausbildungsrichtlinien. Und unter diesem Motto bilden wir unsere Trainer im Jugendbereich aus.

Konntest du bereits besondere Erfolge verzeichnen? Wie ist die Lizenz bis jetzt angekommen?
Der Stamm an Interessenten ist überragend. Wir haben in Deutschland momentan sogar schon das Problem schauen zu müssen, wie wir alle Anfragen bedienen können. Jedes Mal, wenn der Kurs angeboten wird, ist er voll. Innerhalb weniger Wochen bin ich in Bamberg und Götzenhain gewesen und werde im Dezember einen Kurs in Worms anbieten. Außerdem veranstalten wir im Rahmen der DRJ-Sitzung im Februar in Hannover auch einen Kurs für alle Interessenten. Alleine ich habe bereits sieben Ausbildungskurse gegeben. Andere Ausbilder integrieren das Modul im Rahnem der C-Lizenz Ausbildung, wo ein großer Mehrwert für die Trainingspraxis zu beobachten ist. Die vermittelten Inhalte können sofort im Kinder- und Jugendtraining angewendet werden. Auch ohne großes Rugby-Vorwissen werden die Trainer dazu befähigt ein attraktives Training zu gestalten.

Worin unterscheiden sich die Lizenzen im Allgemeinen zur C-Lizenz?
Die Inhalte sind verschieden. Die DRJ-Lizenzen sind auf bestimmte Altersklassen zugeschnitten (Kinder-, Jugend- und Juniorentraining), während die C-Lizenz einen eher allgemeineren Überblick gibt. Das Kindertraining ist sehr spielerisch gestaltet. Im Jugendtraining geht es um die Herausbildung von Grundfertigkeiten. Der Juniorenbereich beschäftigt sich mit speziellen Förderungsmöglichkeiten, um Spieler in Auswahlmannschaften zu bringen.

Was ist dein Ziel als Ausbilder innerhalb der Trainerausbildung?
Ich möchte die Basis derer verbreitern, die gutes Training anbieten. Ich bin der Überzeugung, dass es wichtig ist mit gut ausgebildeten und motivierten Trainern Kinder und Jugendliche in Vereine zu bringen und am Spielen zu halten. Je besser die Ausbildung, desto besser das Training und desto mehr Spaß haben die Kinder und Jugendlichen am Spielen. Außerdem ist es ein wichtiger Punkt gegenüber Eltern sagen zu können, dass wir gut ausgebildete und kompetente Jugendtrainer haben.

Wo liegt für dich eine quantitative Zielmarke? Wie viele Trainer möchtest du bis wann ausbilden?
Eine reine Zahl sagt erstmal nichts aus. Mein Ziel ist es möglichst viele Trainer zu erreichen, die wirklich motiviert sind. Ein zahlenmäßiges Ziel halte ich nicht für sinnvoll, da es darum geht die richtigen Leute zu erreichen. Meiner Ansicht nach liegt die Schwierigkeit auch weniger darin Trainer in die Kurse zu bringen. Schwieriger ist es eher Trainer in das Vereinsleben zu integrieren, da Rugby für die meisten neben Beruf bzw. Ausbildung steht. Deswegen möchte ich vor allem mit all denen arbeiten, die sich in den jeweiligen Vereinen einbringen und irgendwann ihr Wissen an andere Trainer weitergeben wollen. Für meinen Bereich ist es mein Ziel in Rheinlad-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg mindestens einen Kurs pro Jahr mit bis zu 12 bis 14 Teilnehmern anzubieten In diesem Jahr konnten wir das Ziel mit 2 Kursen in Baden-Württemberg, zwei in Hessen und einem ein Rheinland-Pfalz schon überbieten.

Was konkret wird in den drei DRJ-Lizenzen vermittelt?
Die Kindertrainingslehre wird beleuchtet, es wird erörtert, wieso Kinder anders als Erwachsene trainiert werden müssen, was mit verschiedenen Entwicklungsstufen zu tun hat. Es wird vermittelt wie das Entwicklungsstufenmodell auf das Rugbytraining unter dem „Long Term Player Development Pathway“ übertragen werden kann, der von World Rugby entwickelt worden ist. Wir sprechen darüber wie Rugby mit Kindern überhaupt im Verein gespielt werden kann und welche verschiedenen Formen es gibt (Tag-, Touch-, Tackle-Rugby, Rugby in der Halle). Angelehnt an World Rugby wird außerdem der Aufbau des jeweiligen (altersbedingten) Trainings erklärt. Dabei geht es vor allen Dingen darum, welche Inhalte besonders wichtig sind, von der Beweglichkeitsförderung über Koordinationsfähigkeiten (die besonders später für Spielerinnen und Spieler von elementarer Bedeutung ist) bis hin zur Herausbildung von rugbyspezifischen Fähigkeiten. Und es geht natürlich um das Durchführen von Trainingseinheiten: Nur Trainer die gut mit Kindern können und vor einer Gruppe sprechen wollen, sind in der Lage auf dem Rugbyplatz zu überzeugen.

Hast du langfristig Pläne, wie sich die DRJ-Lizenzen entwickeln sollen, z.B. durch ein Konzept für die nächsten fünf bis zehn Jahre?
Die Zukunft liegt vor allem in den Händen Peter Smutnas, der der Ausbildungsleiter in Deutschland ist. Der Trend geht momentan im DOSB Lizenz-Bereich in Richtung „Blended learning“ Formate. In wie fern sich das auf die DRJ-Lizenzen auswirken wird bleibt abzuwarten. Abhängig ist es von der Frage, ob die „Blended learning“ Formate erfolgreich laufen, sinnvoll angewendet werden können und eine Verbesserung bringen. Ansonsten wird alles so weiterlaufen wie bisher, einfach weil es sehr gut ankommt.

Möchtest du kurz erklären, was „Blended learning“ ist?
Bei dem Konzept geht es darum, dass die Ausbilder weniger Präsenzzeit haben und kleinere Hausaufgaben aufgeben. Z.B. Video- und Trainingsanalysen und selbstständige Trainingsplanung. Die Präsenzzeit an Wochenende wird dadurch verkürzt und die Ausbildung für mehr Leute attraktiver gemacht.

Was wäre dein Wunsch für die zukünftige Arbeit mit den jeweiligen DRJ-Lizenzen?
Das alles so bleibt wie es ist. Die Lizenzen kommen super an, alle mit denen ich zusammengearbeitet habe sind total begeistert und haben mich sehr unterstützt und gefördert. Ich wünsche mir, dass das genauso weiter geht und dass es noch viele tolle Kurse mit überzeugenden Ergebnissen geben wird.