Den wachsamen Augen der deutschen Rugbyfans wird in den ersten Spielen der Rugby Europe Championship nicht entgangen sein, dass die Nationaltrainer Kobus Potgieter und sein Co-Trainer Pieter Jordaan seit einigen Monaten von einem weiteren Rugbyfachmann aus der Südhemisphere an der Seitenlininie unterstützt werden. Der Neuseeländer Neil Foote (Foto, m.), Trainer des Bundesligisten TV Pforzheim, ist seit vergangenen Oktober fester Bestandteil des Trainerstabes der 15er-Nationalmannschaft und soll mit seinem Fachwissen vor allem das Skill-Level der Nationalspieler verbessern. Vor dem Länderspiel der deutschen Rugby-Nationalmannschaft gegen Rumänien in Heidelberg (Sa., 14. März, 14.30 Uhr) stand der sympathische Kiwi dem Deutschen Rugby-Verband in einem Interview Rede und Antwort.

Deutscher Rugby-Verband: Neil, seit dieser Saison bist du Trainer des TV Pforzheim, doch über deine Zeit davor wissen die deutschen Rugbyfans noch recht wenig. Für wen warst du in deiner langen Karriere als Spieler und Trainer bereits aktiv?

Neil Foote: Wie viele junge Neuseeländer habe ich bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Rugby spielen begonnen. Meine erste Station im Clubrugby war der Masterton Marist Club, bevor es mich dann mit 18 Jahren nach England zog. Dort spielte ich als Gedrängehalb und Verbinder für den Twickenham RC und den Harlequins Footall Club. Danach ging es für mich wieder zurück in meine Heimat, wo ich in der zweiten Division der National Championship für Wairarapa Bush mehr als 70 Spiele absolvierte, darunter auch Spiele gegen England, Frankreich und Samoa. Außerdem durfte ich, neben einem Spiel für die Wellington XV gegen eine französische Tourmannschaft 1997, auch die Auswahl der New Zealand Police und der New Zealand Marist repräsentieren. Schlusspunkt meiner Spielerkarriere, die ich 1999 beendete, war dann die Classic Rugby Weltmeisterschaft in Bermuda, bei der ich für die Classic All Blacks auflaufen durfte.

2008 startete ich dann meine Trainerkarriere. In der Heartland Championship coachte ich meinen alten Verein Wairarapa Bush für zwei Jahre. Außerdem war ich Trainer bei verschiedenen Erstligisten in den USA, Portugal und Sri Lanka, wo ich die letzten knapp drei Jahre verbrachte. Im Rahmen dieses Engagements durfte ich auch ein Franchise Team in der Carlton 7s Series in Sri Lanka trainieren, bei dem sich einige Topspieler der damaligen IRB Sevens World Series in meinem Team tummelten. Das Coaching einer Barbarians Auswahl 2009, die damals gegen Portugal antrat, zählt sicherlich zu einem weiteren Höhepunkt in meiner Laufbahn. Mittlerweile bin ich hier bei euch in Deutschland angekommen und trainiere nun den TV Pforzheim in der 1. Bundesliga.

DRV: Natürlich interessiert uns alle sehr, wie man denn als rugbyverrückter Kiwi in ein Land kommt, in dem Rugby nur eine Randsportart darstellt. Wie kam es zu deinem Wechsel nach Deutschland?

Foote: Das ist eine gute Frage, die ich ganz einfach beantworten kann. Ich war und bin einfach sehr interessiert daran, in einem komplett anderen Teil der Erde und in einer ganz anderen Kultur, neue Erfahrungen zu sammeln. Was viele nicht wissen: Ich hatte einen Freund, der für den SC 1880 Frankfurt gearbeitet hat und wollte eigentlich bereits 2010 nach Deutschland kommen. Damals hat es mich dann jedoch letztendlich nach Sri Lanka verschlagen. Ich liebe es einfach in den sogenannten Rugbyentwicklungsländern zu arbeiten und dort den Rugbyspirit zu verbreiten – ich spüre, dass ich hier mit meinem Coaching Style und meinem Skill-Set eine ganze Menge bewegen kann, um das Potenzial der deutschen Spieler noch mehr auszuschöpfen und dieser Herausforderung stelle ich mich gerne.

DRV: Wie war dein erster Eindruck vom deutschen Rugby allgemein und von der DRV XV?

Foote: Als erster Eindruck vom deutschen Vereinsrugby blieb mir die schiere Größe von vielen Spielern in Erinnerung. Es war jedoch schwer die Stärke der Bundesliga gut einschätzen zu können, da viele Spiele, die ich mir angeschaut habe, doch sehr einseitig waren und die stärkeren Mannschaften kaum unter Druck gesetzt wurden. Ich persönlich denke, dass eine kleiner Liga mit acht bis zehn Teams einen sportlich höherwertigeren Wettbewerb bringen würden, der unsere Nationalspieler auf die Intensität und den Druck der internationalen Wettbewerbe besser vorbereiten könnte.

Die Nationalmannschaft hat mich mit ihrer Teamkultur sehr beeindruckt. Alle Spieler sind mit großer Leidenschaft dabei und man kann wirklich spüren, dass diese Gruppe von Spielern das deutsche Rugby nach vorne bringen möchte. Der unbändige Stolz und diese große Opferbereitschaft, die einige Spieler aus allen Teilen der Welt zu den Länderspielen führt, tragen einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Mannschaft dabei. Vom sportlichen Aspekt haben wir, unter dem Aspekt der physischen Stärke, den Rückstand zu den anderen Nationen reduziert. Im Bereich Skills und Decision Making haben wir aber noch einiges an Arbeit vor uns liegen.

DRV: Im Vereinsrugby sind du und Nationaltrainer Kobus Potgieter Konkurrenten, in der Nationalmannschaft arbeitet ihr hingegen Seite an Seite. Wie kam dein Engagement in der DRV XV zustande?

Foote: Nach dem Spiel gegen die NZ Ambassadors gegen Deutschland hatte ich ein tolles Gespräch mit Kobus, bei dem er mich zu den Trainings der Nationalmannschaft nach Heidelberg einlud. Ich möchte dem ganzen Team helfen, wo immer sie meine Hilfe benötigen – deshalb habe ich auch keine Sekunde gezögert, diese Chance wahrzunehmen. Der Fokus meiner Arbeit liegt hierbei ganz klar auf der Entwicklung der Skills, den technischen Aspekten rund um die Kontaktpunkte sowie auf der Weiterentwicklung des Angriffs- und Verteidigungssystems. Aber auch ich selbst lerne eine ganze Menge von der Mannschaft. Ich bin sehr dankbar, dass ich Teil der deutschen Nationalmannschaft sein darf und hoffe, speziell im Bereich der Handling-Skills, dem Team neue Impulse geben zu können.

DRV: Was sind deine persönlichen Ziele für die kommenden beiden Spiele gegen Rumänien und Spanien? Klappt es endlich mit dem ersten Sieg?

Foote: Ich persönliche hoffe, dass die Mannschaft in den nächsten beiden Spielen an die gute Leistung gegen Portugal anknüpfen kann. Das war eine deutliche Leistungssteigerung in der Verteidigung und ohne die kleinen Fehler im Angriff, hätten wir das Spiel auch gewonnen. In den ersten Spielen konnten wir schon phasenweise zeigen, was für ein großes Potenzial in der Mannschaft schlummert. Um jedoch auf diesem Top-Level konkurrenzfähig zu sein, müssen wir einfach konstanter in unseren Leistungen werden. Dann bin ich mir auch sicher, dass der erste Sieg nur noch ein kleines Stückchen für uns entfernt ist. Ich trage seit dem ersten Spiel, natürlich streng bewacht, eine kleine kubanische Zigarre in meiner Tasche, die ich bei dem ersten Sieg unserer Mannschaft gerne anzünden würde. Ich kann sie schon förmlich riechen … (grinst)