Der Heidelberger RK hat zum zehnten Mal seit Bundesliga-Einführung die Deutsche Meisterschaft im 15er-Rugby der Männer gewonnen. Vor gut 1400 Zuschauern auf der Anlage des RK 03 Berlin setzten sich die Heidelberger in einem bis zum Schluss spannenden DM-Endspiel knapp mit 39:35 (15:18) gegen Titelverteidiger TV Pforzheim durch und holten damit den Titel zurück an den heimischen Harbigweg. Nach zuvor sechs Titeln in Serie für Rekordmeister HRK hatte der TV Pforzheim in der vergangenen Saison im vierten Anlauf erstmals den DM-Pokal gewonnen.

Meister-Coach Pieter Jordaan: „Das war ein hartes Spiel für uns alle, das wirklich alles zu bieten hatte. Es war über die gesamte Spielzeit wirklich eng und, wie ich finde, eines der besten Finals der letzten Jahre. Pforzheim hatte einen guten Plan, aber vor allem in der zweiten Halbzeit sind wir dagegen besser zurecht gekommen. Für die Zuschauer und die Organisatoren, die hier einen tollen Job gemacht haben, war es ein tolles Spiel.“

Auch Jens Poff, Teammanager des knapp entthronten Meisters, lobte den Ausrichter wie auch die beiden Teams: „Das war eine in jeder Hinsicht sehr gute Veranstaltung und wirklich Werbung für den Rugbysport. Wir haben uns besser verkauft, als wir es vor der Partie erwartet hätten. Natürlich sind wir nach dieser unglücklichen Niederlage enttäuscht, weil wir es nicht geschafft haben, unsere Chancen gegen Ende noch zu nutzen. Aber wir haben das Beste rausgeholt, und in ein oder zwei Tagen werden wir auch realisieren, dass wir hier ein starkes Spiel, das zu jeder Zeit offen war, gezeigt haben und auch stolz darauf sein können.“

Die Partie begann denkbar unglücklich für den Titelverteidiger aus dem Schwarzwald. Pforzheim konnte den Ankick nicht sichern und verlor den Ball an HRK-Starstürmer Jaco Otto, der nach nicht mal einer Minute den ersten erhöhten Versuch legte und sein Team mit 7:0 in Führung brachte. Doch die Rhinos vom TVP steckten den Rückschlag schnell weg. Verbinder Matthew Bressons versuchte mit einem Straftritt schnell zu verkürzen, scheiterte aber aus gut 40 Metern (4.). Es entwickelte sich ein ausgeglichenes, mitunter hitziges und hart umkämpftes Spiel, in dem Pforzheim in der 9. Minute den ersten Versuch legte. Oliver Paine hatte den Ball sehenswert in Richtung Eckfahne gekickt, wo ihn Faimalo Magele erlief und ablegte. Der Erhöhungskick klatschte an den Pfosten, aber der TVP war damit im Spiel und legte kurz darauf nach: Bressons holte mit einem erhöhten Versuch die erste Führung für den selbst ernannten Außenseiter (18.). Und beinahe hätte Manasah Sita sogar noch nachgelegt, bekam den Ball bei seinem Antritt aber nicht unter Kontrolle.

Stattdessen schlug diesmal der HRK zurück. Ein Straftritt brachte den Hauptrunden-Sieger nahe ans gegnerische Malfeld, wo sich das starke Paket bildete und über die Mallinie schob (21.). Bei böigem Wind ging die Erhöhung daneben, sodass es nun 12:12 stand. Doch die Pforzheimer legten erneut vor. Bressons holte per Straftritt aus 30 Metern die Führung zurück (35.), Heidelberg tat es dem TVP vier Minuten später gleich und glich erneut zum 15:15 aus. Doch nach einem Durchbruch von Luke Wakefield kamen die Rhinos nochmals in Position für einen Straftritt, den Matthew Bressons zur 18:15-Pausenführung verwandelte (40.).

Es blieb auch nach dem Seitenwechsel eine Partie auf Augenhöhe, in der allerdings Pforzheim zunächst seinen Vorsprung ausbaute. Nach einer gewonnenen Gasse schon das TVP-Paket stark an und verbuchte einen erhöhten Stürmer-Versuch zum 25:15 (42.). Doch erneut hatte der HRK eine Antwort parat und verkürzte wieder auf drei Punkte Rückstand (45.). Nach einer Gelben Karte für Heidelbergs Thore Schmidt wegen wiederholter Regelwidrigkeiten trat Matthew Bressons den fälligen Straftritt durch die Stangen (52.), doch der HRK hielt sich in Unterzahl gut und kam seinerseits durch einen Straftritt von Raynor Parkinson wieder heran (57.). Als sich kurz darauf auch die Rhinos durch eine Gelbe Karte dezimierten, begann die stärkste Phase des Ruderklubs. Nach einem starken Sololauf durch die Mitte von Nationalmannschaftskapitän Sean Armstrong und einem gelungenen Erhöhungskick lag der HRK plötzlich mit 32:28 vorn (63.) und sorgte wenig später mit einem erneut erhöhten Versuch durch das Paket, das 15 Meter bis ins Malfeld marschierte, scheinbar für die Vorentscheidung. Beim stand von nun 28:39 aus TVP-Sicht mussten die Vorjahres-Meister nun kommen. Die Rhinos erhöhten den Druck merklich, doch der HRK verteidigte am eigenen Malfeld mit allem, was er aufzubieten hatte – selbst auf Kosten einer weiteren Gelben Karte für Raynor Parkinson (76.).

In der dramatischen Schlussphase legte Pforzheim vermeintlich zum Versuch ab, doch die Schiedsrichter entschieden nach kurzer Beratung anders, und Heidelberg konnte sich mit einem Kick befreien. Doch in der nächsten Szene brachte sich der TVP mit einem spektakulären 70-Meter-Versuch zum 35:39 nochmal in Schlagdistanz. Nach einem Durchbruch war Pforzheims Ali Sürer bereits auf dem Weg zum möglichen Sieg, wurde allerdings gerade noch eingeholt. Als schlussendlich der HRK den letzten Straftritt zugesprochen bekam, spielten die routinierten Heidelberger die verbleibende Zeit runter und sicherten sich damit in der Hauptstadt den Jubiläumstitel.