Nationalspieler Samy Füchsel hat sich im Sommer mit seinem Wechsel zum französischen Zweitligisten SC Albi einen Kindheitstraum erfüllt. Als einer der wenigen deutschen Rugbyspieler verdient der laufstarke 1. Reihe Stürmer als Rugby-Profi seinen Lebensunterhalt und möchte bei den anstehenden November Tests im DRV-Trikot seine tolle Entwicklung der letzten Jahre fortsetzen. Im Vorfeld des ersten Weltranglistenspiels gegen Uruguay in Frankfurt stand er uns (In Kooperation: DRV/WRA) Rede und Antwort!

Hallo Samy, die wichtigste Frage möchten wir dir gleich zu Beginn stellen. Wirst du bei allen Länderspielen der November Testserie für Deutschland zur Verfügung stehen?

Füchsel: Für das Spiel gegen Uruguay stehe ich auf jeden Fall zur Verfügung und so wie es im Moment aussieht werde ich auch für die beiden Spiele gegen Brasilien von meinem Verein die Freigabe erhalten. Es sieht also sehr gut aus!

Von einem Spitzenteam in der Bundesliga bist du nun zum SC Albi in die PRO D2 nach Frankreich gewechselt. Wie ist für dich persönlich der Niveauunterschied?

Die Trainingsarbeit ist vom Niveau her schon durchaus vergleichbar mit dem unserer Nationalmannschaft. Da muss ich echt sagen, dass wir in Deutschland in der Spitze schon auf einem sehr guten Niveau sind. Was den Spielbetrieb angeht ist das aber schon eine ganz andere Welt. Vor allem das Gedränge ist in Frankreich unglaublich wichtig. Hier heißt es immer „No scrum no win“. Da ist mir das erste Mal klar geworden wie wichtig das Gedränge eigentlich ist – das ist ganz anders als in Deutschland.

Was bedeutet das für deine Herangehensweise an ein Spiel für dich?

Die Arbeit im Gedränge ist meine Hauptaufgabe und dementsprechend viel Zeit und Arbeit muss ich in diesen Teil des Spiel investieren, um meine Arbeit gut zu verrichten. Erst danach kommen andere Aspekte des Spiels in meinen Kopf, wie z.B. Laufwege oder die Arbeit an den Rucks. Da jeder Straftritt in der gegnerischen Hälfte fast automatisch 3 Punkte bedeutet, probieren die Spieler in Frankreich noch stärker und bewusster Straftritte zu provozieren. Darauf musste ich mich auch erstmal einstellen.

In den französischen Ligen wird, obwohl manche Teams fast nur aus englischsprachigen Spielern bestehen, dennoch fast ausschließlich französisch geredet. Was machen deine Sprachkünste?

Da wir in Albi auch einige Spieler aus Fiji, Samoa, Tonga und Südafrika haben, muss ich mich Gott sei Dank nicht ausschließlich auf Französisch unterhalten. Ich bekomme jede Woche zwei Stunden Sprachunterricht, sodass ich mich auch in diesem Bereich so langsam aber sicher verbessere. Auf dem Platz ist die Sprache zumindest kein Problem mehr, da habe ich mittlerweile ein gutes Standardvokabular und das sitzt ganz gut. Mein französisch neben dem Platz ist aber, sagen wir, ausbaufähig.

Wie sieht so eine typische Trainingswoche als Rugby-Profi bei dir aus?

In einer normalen Trainingswoche mit Spiel am Freitag starten wir am Montag und Dienstag mit drei Trainingsblöcken in die Woche. Morgens geht es mit einer Gym-Einheit los, anschließend steht ein getrenntes Training der Mannschaftsteile auf dem Programm. Da in Frankreich, wie ja bereits erwähnt, das Gedränge eine große Bedeutung hat, kann es auch schon mal sein, dass wir hier eine Stunde lang nur am Gedränge feilen. Anschließend haben wir dann gemeinsam Mittagessen und am Nachmittag noch ein gemeinsames Mannschaftstraining. Mittwoch haben wir dann einen Tag frei und treffen uns am Tag vorm Spiel für eine kurze explosive Gym-Einheit und den abschließenden Teamrun. Am Tag nach dem Spiel steht die Video-Analyse auf dem Programm. Spieler, die weniger als 20 Minuten gespielt haben, müssen eine Fitness-Einheit absolvieren.

Im Gegensatz zum Training in Deutschland dauert ein Training nie mehr als 60 Minuten und wir können uns den Luxus erlauben vor fast jedem Training eine kleine Videoeinheit einzuschieben. Außerdem werden wir auch sehr individuell gemanagt. Dafür müssen wir jedes Training und unser allgemeines Wohlbefinden bewerten. Bei auffälligen Werten kann es dann auch sein, dass ein Training auch nur 30 Minuten geht – die Saison ist noch lang heißt es dann von unserem Trainerstab.

Erstmals in deiner Karriere kommst du jetzt als Profi zu den Länderspielen ins Team zurück, mit dem du die letzten Jahre jede Woche trainiert hast. Das fühlt sich doch bestimmt ein bisschen komisch an, oder?

Ich bin echt gespannt wie es ist zu den Jungs zurückzukommen und in gewisser Art dann auch einen ersten Vergleich für mich selbst zu haben. Ich denke schon, dass ich mich in den letzten Monaten durch die regelmäßige Spielpraxis auf hohem Niveau verbessert habe. Ich habe viele Sachen verändert, die ich in Deutschland so sicher nicht gemacht hätte und natürlich hoffe ich, dass sich diese Veränderungen in guten Leistungen im Nationaltrikot zeigen werden.

Durch deine regelmäßigen Einsätze in der PRO D2 wird die Erwartungshaltung an dich von außen sicherlich nicht gerade kleiner werden. Wie siehst du deinen Leistungsstand aktuell selbst und hast du auch selbst höhere Ansprüche an dein eigenes Auftreten im Nationaltrikot?

Natürlich möchte ich dazu beitragen, dass die Mannschaft gut spielt und dabei möchte mit einem positiven Beispiel vorangehen. Als Leader sehe ich mich aber deshalb noch lange nicht nicht. An sich muss ich aber sagen, dass sich meine eigene Erwartungshaltung an meine persönliche Leistung nicht viel geändert hat. Ich werde mich aber durch meine neuen Erfahrungen im Nationaltrikot jetzt sicher noch mehr auf meine Gedränge konzentrieren und möchte speziell dort eine gute Leistung abrufen. 

Du spielst jede Woche vor tausenden Zuschauern. In Deutschland sind wir von diesen Zahlen, zumindest in der Bundesliga, noch sehr weit entfernt. Der Nationalmannschaft hingegen gelingt es so langsam auch größere Stadien zu füllen. Wie findest du das Konzept verstärkt in größere Stadien, wie jetzt z.B. ins Frankfurter Volksbank Stadion, zu gehen?

Ich habe mir Bilder vom Stadion angeschaut und ich finde das einfach Hammer. Ich freue mich riesig in so einem Stadion spielen zu können und mein Land zu vertreten. Jeder Spieler hat das schon immer gehofft und jetzt werden unsere Hoffnungen langsam Realität. Bei den Länderspielen in Hannover gegen Portugal und in Köln gegen Spanien hatte ich ehrlich gesagt nicht mit so vielen Zuschauern gerechnet. Man hat richtig gemerkt, dass so ein lautes Publikum einen pusht und nach vorne bringt. Das habe ich vorher in Deutschland noch nie so wahrgenommen und ich hoffe natürlich, dass das in Frankfurt auch so wird. Insgesamt finde ich die Entwicklung des deutschen Rugbys ziemlich aufregend und ich bin sehr gespannt, wo die Reise mit der Nationalmannschaft noch hingehen wird.