Rugbydeutschland erfreut sich aktuell an einem historischen Comeback
Nach 92 Jahren ist 7er-Rugby wieder olympisch. Ein Comeback feiert in diesem Jahr ebenso die deutsche 15er Frauennationalmannschaft – wenn auch nach vergleichsweise kurzen sechs Jahren, ein nicht weniger erfreulicher Anlass für das deutsche Frauenrugby.

Im Februar beschloss der Deutsche Rugby Verband auf Antrag der Deutschen Rugby Frauen die Wiedereinführung der 15er-Nationalmannschaft, die 2010 abgemeldet wurde. Bereits 2015 fanden auf private Initiative der Einladungsmannschaft G15 erste Bestrebungen statt, Rugbydeutschland und den Verband davon zu überzeugen, dass die 15er-Frauen international mitmischen können. In einem Freundschaftsspiel gegen die Schweiz wollten die Trainer der G15 Alfred Jansen und Marcus Trick zeigen, das eine 15er-Frauenmannschaft absolut konkurrenzfähig ist. Der Schweiz diente das Spiel als Vorbereitung auf die Europameisterschaft, welche die Eidgenossinnen auf Platz 2 hinter Belgien beendeten. Damals gewann die G15 das Spiel deutlich mit 47:13 (Halbzeitstand: 13:10).

Am 21. August findet das erste Länderspiel statt
Auch in diesem Jahr wird es ein Spiel gegen die Schweiz geben und diesmal treten die deutschen Frauen als offizielle Nationalmannschaft an. Die beiden neu berufenen Nationaltrainer Alfred Jansen (Head Coach) und Marcus Trick (Co-Trainer) schöpfen aus den Erfahrungen von 2015. Trick erwartet „ein ähnliches Spiel wie im letzten Jahr mit einem Gegner, den man ernst niederkämpfen muss. Aber am Ende müssen und werden wir gewinnen – und zwar deutlich.“

Auch Alfred Jansen sieht in der Nationalmannschaft großes Potenzial: „In meinen insgesamt acht Jahren als Trainer der Frauenmannschaft beim HRK und dem damit gewonnenen Einblick bin ich voll und ganz überzeugt, dass eine 15er-Nationalmannschaft der Frauen auf internationalem Parkett bestehen kann. Als realistisches mittelfristiges Ziel erachte ich eine erfolgreiche Teilnahme an der European Trophy als machbar.“

Der schweizer Nationaltrainer Scott Simmons stimmt Jansen zu und freut sich auf ein hartes Spiel. „Deutschland hat eine starke nationale Frauenrugbyliga und ich weiß, dass sich das Team durch hartes Training auf das erste internationale Spiel vorbereitet hat.“ Die Eidgenossen freuen sich vor allem über die neue internationale Konkurrenz. Carole Casparis, die im vergangenen Jahr gegen die G15 gepunktet hat, freut sich über die Wiedereinführung: „Starke Konkurrenz hat sich schon immer positiv auf das allgemeine Niveau ausgewirkt; es wird immer professioneller und das ist gut.“ Auch ihre Teamkollegin Bina Walti sieht in dem Länderspiel einen „wichtigen Gradmesser für unsere Arbeit in den kommenden zwei Monaten.“

Nur acht von 30 Frauen haben Länderspiel-Erfahrung
Die Revanche in diesem Jahr wird mit Spannung erwartet. In diesem ersten offiziellen Länderspiel setzen die deutschen Trainer auf eine Mischung aus erfahrenen Spielerinnen und jungen Perspektivspielerinnen. Nicht alle potentiellen Leistungsträgerinnen stehen zur Verfügung. Spielerinnen wie Svetlana Hess, Sylvia Kling, Jana Eisenbeiß und Julia Rettig fallen für die Premiere gegen die Schweiz leider aus. Bewusst haben die Trainer einen Kader von 30 Frauen für den Lehrgang sowie neun Perspektivspielerinnen auf Abruf eingeladen, um hier aus dem Vollen schöpfen zu können. Fest steht schon jetzt: nur acht von den 30 Spielerinnen haben überhaupt schon einmal ein 15er-Länderspiel für Deutschland gespielt, trotzdem hat der DRV einen starken Kader zur Verfügung.

Zum Konzept der neuformierten Nationalmannschaft gehört außerdem ein regionales Stützpunkttraining. Dirk Frase (Nordrhein-Westfalen), Mike Dollar (Hamburg) und René Siegel (Hessen) ergänzen hier das Nationaltrainerteam und werden auch am ersten Lehrgang teilnehmen. Das Stützpunkttraining soll einerseits eine regelmäßige Maßnahme für die Spielerinnen sein außerhalb des Vereinstrainings Rugbyerfahrung zu sammeln und diese dann wieder zurück in den Klub zu tragen. Andererseits ist das Stützpunkttraining auch eine Möglichkeit zur Sichtung. Das Training steht nach Absprache allen interessierten Spielerinnen offen.