Die deutsche 7er-Rugbynationalmannschaft der Frauen hat bei ihrem Comeback im Kreise der besten Teams Europas kräftig Lehrgeld zahlen müssen. Das ersatzgeschwächte und sehr junge Team von Nationaltrainer Melvine Smith blieb beim ersten Turnier der diesjährigen Womens Sevens Grand Prix Series im französischen Marcoussis ohne Sieg und beendete den Wettbewerb auf den zwölften Platz. Beim zweiten Turnier in Kazan (RUS) am 1. und 2. September müssen eine Leistungssteigerung her und zumindest einige erfahrene Stammkräfte zurückkommen, will man nicht zu den beiden Absteigern gehören. Das Turnier in Marcoussis gewann Gastgeber Frankreich vor Russland und Irland.

„Wir wussten, dass wir es hier mit dieser jungen und unerfahrenen Mannschaft sehr schwer haben würden, und das hat sich auch bestätigt“, hatte Melvine Smith beobachtet. „Die Mannschaft hat viele Lernpunkte mitgenommen, wichtige Erfahrungen gesammelt und sich – das ist erfreulich – vom Beginn des Turniers bis zum Schluss merklich entwickelt. Wir brauchen einfach noch mehr Erfahrung auf diesem Niveau und einige unserer Stammkräfte zurück. Dann können wir im zweiten Turnier sicher eine bessere Rolle spielen.“ Gegen Polen, das eine sehr eingespielte Mannschaft aufbot, konnte man sein Spiel zu keiner Phase durchbringen. Hingegen sei im letzten Spiel gegen Portugal, so Smith, wesentlich mehr drin gewesen. „Das war vielleicht unser bestes Spiel im Turnier, auch wenn wir es dann doch nicht gewinnen konnten.“

Spiel um Platz 11: Portugal – Deutschland                 12:10 (0:10)
Es war ein etwas zäher Beginn mit vielen Fehlern auf beiden Seiten. Deutschland hatte aber deutlich mehr Ballbesitz, fand allerdings zunächst kein Durchkommen. Erst in der 5. Minute sah Annika Nowotny eine Lücke, die sie für einen langen Sprint ins Malfeld nutzte. Jetzt war der Knoten offenbar geplatzt, denn in der 7. Minute eine sehr ähnliche Situation, die wiederum mit einem Versuch von Nowotny endete, der aber erneut nicht erhöht werden konnte. Die Partie lief bis dahin klar zu Gunsten der jungen DRV-Auswahl.

Doch mit dem frühen Gegenversuch der Portugiesinnen in der zweiten Spielhälfte wendete sich das Blatt. Deutschland gab die Initiative ab und leistete sich unnötige Fehler wie etwa einen falsch ausgeführten Gasseeinwurf zwei Minuten vor Schluss, der nicht nur einen  Straftritt für Portugal, sondern in der Folge auch den zweiten Versuch für die Südeuropäerinnen brachte. Weil dieser der erste Versuch des Spiels war, der auch erhöht werden konnte, lag Portugal plötzlich in Führung, die es dann auch über die Zeit brachte.

Halbfinale Bowl: Polen – Deutschland               19:0 (12:0)
Im Halbfinale der Bowl-Runde, in das man als Gruppenvierter eingezogen war, fand das DRV-Team gegen körperlich und spielerisch deutlich überlegene Polinnen nie wirklich ins Spiel. Polen legte im ersten Durchgang zu leicht zwei Versuche, von denen einer sicher erhöht wurde. Als die Osteuropäerinnen dann direkt nach der Pause einen dritten Versuch zum 19:0 nachlegten, war die Partie praktisch entschieden. Doch das deutsche Team steckte nicht auf, versuchte weiterhin, zumindest Ergebniskorrektur zu betreiben. Doch die Polinnen ließen nichts mehr zu, und so belohnte die die DRV-Auswahl nicht für ihr Engagement in Durchgang zwei.

Schon in der Gruppenphase hatte das junge Team um Coach Melvine Smith insgesamt einen schweren Stand gehabt. Im Auftaktspiel gab es erwartungsgemäß gegen Europameister Russland nichts zu holen (0:43). Doch im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien – immerhin ein Team der Weltserie und im Vorjahr EM-Vierter – deutete man an, dass man durchaus in der Lage ist, auf diesem Niveau mitzuhalten. Dabei war am Ende sogar mehr drin als die 5:15-Niederlage, weil man zuvor beim Stand von 5:10 aus deutscher Sicht kurz vor Schluss sogar selbst in Reichweite von Punkten war, ehe ein Ballverlust die endgültige Entscheidung zu Gunsten der Spanierinnen brachte.

Gegen die Belgierinnen hatte man sich im Vorfeld die besten Chancen ausgerechnet, da sollte es um den Sieg gehen. Doch in den entscheidenden Situationen, in denen man aussichtsreich für Punkte lag, wurde der Ball erneut leichtfertig hergeschenkt, sodass Belgien einen etwas zu hohen 22:0-Sieg einfahren konnte.

WGPS-Gesamtstand nach dem ersten von zwei Turnieren:
1. Frankreich (20 Punkte), 2. Russland (18), 3. Irland (16), 4. England (14), 5. Wales (12), 6. Belgien (10), 7. Spanien (7.), 8. Schottland (6), 9. Italien (4), 10. Polen (3), 11. Portugal (2), 12. Deutschland (1)