Die deutschen 15er-Rugbynationalmannschaft der Frauen hat den Einzug ins Finale der Europameisterschaft letztlich deutlich verpasst. Das Team der Nationaltrainer Paul McGuigan und Dirk Frase unterlag in Amsterdam den gastgebenden Niederländerinnen am Ende deutlich mit 17:46 (12:10). Dabei hatte man zur Pause durchaus verdient noch vorn gelegen, konnte dann allerdings nach dem Seitenwechsel nicht an die Leistung aus dem ersten Durchgang anknüpfen, kassierte binnen 20 Minuten fünf Versuche und am Ende eine deutliche Niederlage. So geht es voraussichtlich am 30. März gegen Russland, das sein „Halbfinale“ gegen Titelverteidiger Spanien zuvor mit 0:41 verloren hatte, um den Verbleib in der höchstmöglichen europäischen Spielklasse.

„Wir sind sehr stolz auf unser Team und haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte Nationaltrainer Dirk Frase nach der Partie. „Wir konnten dem physischen Druck der Niederländerinnen zunächst gut standhalten und haben nach 40 Minuten für viele überraschend sogar geführt. In der zweiten Halbzeit mussten wir diesem körperlichen und intensiven Spiel allerdings Tribut zollen. Die Niederländerinnen haben das dann mit Cleverness und vor allem Routine eiskalt ausgenutzt. Wir haben aber bis zum Schluss unseren Kampfgeist und die Moral nicht verloren.“

Es entwickelte sich von Beginn an ein munteres Spiel, das zunächst allerdings viele Ballverluste auf beiden Seiten zeigte. Die Niederlande hatten insgesamt mehr vom Spiel, zeigten vor allem über die Dreiviertelreihe einige gute Durchbrüche, die das deutsche Team allerdings alle zu stoppen wusste. Die DRF XV eroberte den Ball zum Teil gut im Ruck oder gewann eine Gasse und konnte sich mit langen Kicks immer wieder befreien. Auch den Deutschen gelang der eine oder andere gute Durchbruch, was sie in der 14. Minute einen Straftritt einbrachte, den Laura Schwinn aus gut 20 Metern zu den Stangen setzte, aber bei starkem Wind nicht verwandeln konnte.

Das Oranje-Team hatte weiter etwas mehr vom Spiel, kam immer wieder schnell nach vorn, hielt so den Druck nahe des deutschen Malfelds hoch und belohnte sich in der 18. Minute auch dafür. Jordan Heil führte einen Straftritt schnell auf, behielt den Ball gleich und überraschte die deutsche Verteidigung so, dass sie fast ungehindert zum ersten Versuch ablegte. Und nur vier Minuten später erhöhten die Gastgeberinnen. Wieder gelangen mit einem Durchbruch viele Meter Raumgewinn. Dann versuchte Lorraine Laros einen kurzen flachen Kick nach links ins deutsche Malfeld, wo Willemijn ter Avest die Hand als Erste auf den Ball bekam – der zweite Versuch.

Deutschland kam in der Folge ebenfalls einige Male in gute Position für die ersten Punkte, vergab diese Chancen aber durch unnötige Ballverluste oder Strafen gegen sich. In der 34. Minute ergab sich dann aber nach einigen guten Angriffsphasen erneut die Chance. Der Sturm hatte den Ball nahe an das niederländische Malfeld gebracht, wo Nora Baltruweit ihn aus dem Ruck nahm und sich zum Versuch nach vorn warf. Der Erhöhungskick war deutlich zu kurz.

Jetzt aber war Deutschland drin im Spiel. Weiterhin konnte man die Durchbrüche der Niederländerinnen noch rechtzeitig stoppen und sich befreien, aber jetzt war man auch im Offensivspiel weniger fehlerhaft und effektiver. In der langen Nachspielzeit der ersten Halbzeit hatten beide Teams noch ihre Chancen, aber nur Deutschland wusste seine zu nutzen. Gesine Adler hatte den Ball mit einem guten Lauf nahe ans Malfeld gebracht. Dort gab es Straftritt, den Josephine Pora kurz ausführte, den Ball nach links gab, wo er bei Friederike Loehr landete, die ihn neben den Stangen zum zweiten Versuch ablegte. Diesmal war der Erhöhungskick für Laura Schwinn kein Problem, und Deutschland hatte die Partie zum 12:10-Pausenstand gedreht – letztlich auch nicht unverdient.

Die Pause hatte den Niederländerinnen deutlich besser getan, die sofort den Vorwärtsgang einlegten. Die erste Angriffserie brachte dann auch gleich den nächsten Versuch. Deutschland hielt den Ball lange vom Malfeld fern, konnte dann ganz links den Versuch von Linde van der Velden aber nicht mehr verhindern (44.). Deutschland hatte in dieser Phase Schwierigkeiten, den Ball aus der eigenen 22-Meter-Zone zu bekommen, lief auch riskant mit dem Ball, anstatt sich mit einem Kick Luft zu verschaffen. Die Niederlande drückten jetzt vehement auf die Vorentscheidung und kamen durch einen weiteren Versuch Annemieke van Vliet und diesmal auch die Erhöhung von Lorraine Laros zur 22:12-Führung (51.).

Die DRF XV war jetzt völlig aus dem Tritt. Und Oranje sah die Chance, den Sack in dieser Phase schon zumachen zu können, spielte in der nun einseitigen Partie beinahe, wie es wollte. Deutschland bekam kaum noch Zugriff auf das Spiel, und die Niederländerinnen fanden jetzt viel zu leicht die Lücken in der deutschen Defensive. Bodil van Wijnbergen (55. und 60.) und Lorraine Laros (64.) schraubten den Vorsprung bis auf 41:12 hoch.

Mit einer starken Einzelaktion setzte Lisa Bohrmann noch mal ein Ausrufezeichen. Die Kapitänin schnappte sich den Ball, schüttelte vier Gegenspielerinnen ab und verbuchte einen Versuch, der Szenenapplaus einbrachte (68.). Jetzt – leider zu spät – war das deutsche Team wieder aufgewacht und zeigte ein paar gute Offensivaktionen, die Holland teils nur mit Mühe verteidigen konnte. Doch mit einem Konter, den die schnelle Willemijn ter Avest zum Versuch vollendete, setzte der Favorit den Schlusspunkt (79.).

Punkte:
5:0 (18.) Versuch Jordan Heil
10:0 (22.) Versuch Willemijn ter Avest
10:5 (34.) Versuch Nora Baltruweit
10:12 (40.+) Versuch Friederike Loehr & Erhöhung Laura Schwinn
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15:12 (44.) Versuch Linde van der Velden
22:12 (51.) Versuch Annemieke van Vliet & Erhöhung Lorraine Laros
29:12 (55.) Versuch Bodil van Wijnbergen & Erhöhung Lorraine Laros
34:12 (60.) Versuch Bodil van Wijnbergen
41:12 (64.) Versuch & Erhöhung Lorraine Laros
41:17 (68.) Versuch Lisa Bohrmann
46:17 (79.) Versuch Willemijn ter Avest

Startaufstellung Niederlande:
1 Saskia Herrmann – 2 Anoushka Beukers – 3 Samantha Martinez-Gion – 4 Tessa Wijmans – 5 Annemieke van Vliet – 6 Linde van der Velden – 7 Bodil van Wijnbergen – 8 Inger Jongerius – 9 Jordan Heil – 10 Lorraine Laros – 11 Hiske Blom – 12 Elke van Meer – 13 Marit Bakker – 14 Kika Mulling – 15 Willemijn ter Avest

16 Nicky Dix – 17 Lynn Koelman – 18 Robin Wubben – 19 Judith Frinking – 20 Jessica Wiangyangkung – 21 Miriam van der Veen – 22 Erin Arends – 23 Demi Kist

Startaufstellung DRV:
1 Friederike Loehr – 2 Marlene Lorenz – 3 Marlis Gerigk – 4 Monica Yee – 5 Nora Baltruweit – 6 Amelie Harris – 7 Mona Bieringer – 8 Elisa Trick – 9 Josephine Pora – 11 Gesine Adler – 12 Lisa Bohrmann – 13 Johanna Hacker – 14 Susanne Pfisterer – 15 Laura Schwinn

16 Denise Schwaiger – 17 Mareike Bier – 18 Jessica Neues – 19 Corinna Voelkers – 20 Luise Lauter – 21 Anja Czaika – 22 Katharina Epp – 23 Kristina Reinbold

Schiedsrichterin: Clara Munarini (ITA), Zuschauer: 1200