Der Deutsche Rugby-Verband stellt sich weiter neu und vor allem breiter auf. Ab sofort ergänzt der ehemalige Auswahl- und langjährige Bundesligaspieler Torge-Christian Wittke den Staff des DRV als ehrenamtlicher Leiter für Sozial- und Gesundheitsprojekte. In dieser Funktion wird der Hannoveraner soziale und gesundheitsbezogene Projekte bei und mit dem Verband einführen und leiten.

Der 43-jährige Familienvater, der 20 Jahre aktiv als Erste-Reihe-Stürmer gespielt hat, studierte Sportwissenschaften und Sozialpsychologie an der Leibniz Universität Hannover und begann dann, für den Niedersächsischen Rugbyverband als Schulkoordinator im Projekt „Rugby geht zur Schule“ zu arbeiten. Dabei entstand auch die Studie „Hat Rugby eine gewaltpräventive Wirkung?“ in Kooperation mit dem Landessportbund Niedersachsen und der Leibniz Universität Hannover. Anschließend wechselte er für zwei Jahre zur Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) nach Bonn.

Von 2012 bis 2017 arbeitete Wittke an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als wissenschaftlicher Mitarbeiter und durfte dabei mit Kindern und Jugendlichen während beziehungsweise nach Krebserkrankungen, vor und nach Transplantationen sowie auf der Intensivstation des Kinderkrankenhauses Sport treiben. 2018 gründete er mit vielen tollen Menschen meinen Verein „Herzschläger e.V.“, welcher Sportprogramme unter anderem für Menschen in sozialer Not, Menschen ohne Obdach, Menschen mit und nach schweren Erkrankungen und Behinderungen initiiert und durchführt. 2019 begann er schließlich im Krukenberg Krebszentrum des Universitätsklinikums Halle (Saale) zu arbeiten. Hier leitet er den Sport für Kinder, Jugendliche und Erwachsene während und nach Krebserkrankungen.

„Rugby ist aus meiner Sicht viel mehr als ein attraktiver Leistungssport“, so Torge Wittke. „Das Zusammenspiel im Team war bereits bei unseren Projekten an Schulen in sozialen Brennpunkten sehr erfolgreich. Leider sind solche Projekte oft nur regional erfolgreich, ohne dass ein Mehrwert für die deutsche Rugbygemeinde entsteht. Ich möchte gerne helfen, Projekte zu unterstützen, zu begleiten, zu koordinieren und gegebenenfalls wissenschaftlich auszuwerten. Die Erfahrungen aus erfolgreichen Projekten können sicher auch Anderen beim Aufbau eigener Aktivitäten helfen.“

Mit dem DRV möchte er Projekte für Menschen nach schwerer Erkrankung, Menschen mit Behinderungen und Menschen in sozialer Not aufbauen. Ein erstes Projekt, welches aktuell wegen COVID-19 verschoben werden musste, ist in Kooperation mit der Oxford Brookes University in England und der RFU geplant. „Touchrugby for Cancer Survivors” (TR4CS) orientiert sich an einem erfolgreichen französischen Projekt und hat als Ziel ein einheitliches Trainingsmodul für Europa zu entwickeln. Angedacht ist zudem, langfristig das aus Australien bekannte Projekt „Sense Rugby“ in Deutschland zu initiieren.