Ein wenig hat sich in der Heimat Ernüchterung breit gemacht, ob des frühen Ausscheidens der beiden deutschen Siebener-Mannschaft im „International Invitation“ der Dubai Rugby Sevens. Doch DRV-Leistungssportreferent Manuel Wilhlem zeigt sich mit den gezeigten Leistungen der Teams durchaus zufrieden. Und für viele anwesende Experten galt die deutsche Herrenauswahl nach dem ersten Tag als sicherer Finalteilnehmer und einer der Favoriten auf den Turniersieg.

„Gegen The Royals und den Templar 7 RFC mit den Hochkarätern in ihren Reihen mussten wir ganz schön dicke Bretter bohren. Was die Mannschaft in diesen Spielen gegen teilweise englische Nationalspieler gezeigt hat, war Rugby zum Zunge schnalzen. Hätten wir vorher gesagt, dass wir diese beiden Mannschaften, mit ihren Weltklasse-Spielern schlagen und in den Cup einziehen würden, hätte man uns wahrscheinlich für größenwahnsinnig erklärt“, betont Manuel Wilhlem. Nach einem weiteren Sieg gegen die Vereinigten Arabischen Emirate belegte die DRV VII ungeschlagen den ersten Platz in der Vorrundengruppe C. Was dann folgte, zieht sich seit längerer Zeit wie ein roter Faden durch die Auftritte der deutschen Siebener-Rugby-Nationalmannschaft: Einem guten bis sehr guten ersten Tag folgt ein miserabler zweiter Tag. Denn gegen Belgien setzt es zum Auftakt des Cup-Wettbewerbes gleich eine Niederlage – und für die hoch gehandelte DRV-Auswahl war bereits im Viertelfinale Endstation im Turnier.

„Die Leistung gegen Belgien war einfach indiskutabel und die schlechteste des ganzen Turniers. Nach dem überzeugenden ersten Tag und der frühen 7:0-Führung hat die Mannschaft einfach das Rugby spielen eingestellt“, kritisiert Wilhelm. Die Ursachen macht er dieses Mal aber nicht im sportlichen Bereich aus: „Viele der jungen Spieler haben sich von dem Rahmenprogramm der Dubai Rugby Sevens ablenken lassen. Auf dem riesigen Komplex tummelten sich bis zu 100.000 Zuschauer. Das war für die meisten Spieler eine ungewohnte Atmosphäre.“ Das Fazit des DRV-Leistungssportreferenten fällt dennoch positiv aus. „Die Mannschaft ist quasi direkt aus dem Kraftraum in Dubai aufgelaufen. Wir hatten im Vorwege keine rugbyspezifischen Einheiten absolviert. Deshalb war die Leistung am ersten Turniertag außerordentlich erfreulich und das Team überzeugte als Kollektiv. Daher sind wir sportlich auf dem richtigen Weg“, betont Manuel Wilhelm.

Die Adler Sevens konnten ebenfalls teilweise überzeugen. Gegen die Schweiz und die Vereinigten Arabischen Emirate konnte die deutsche Frauen-Auswahl überzeugende Siege einfahren ohne dabei an ihre Leistungsgrenzen gehen zu müssen. Diese wurden ihnen dann von dem kasachischen Team Almaty 7s und den Kenya Lionesses – beide Teams nahezu identisch mit den Nationalmannschaften ihrer Länder – besonders im physischen Bereich aufgezeigt. „Beide Gegner dominierten die Kontaktsituationen und kontrollierten so den Ballbesitz“, analysiert Wilhelm. Positiv fiel dabei aber auf, dass die deutschen Frauen in jedem Spiel konzentriert zu Werke gegangen sind und an ihren Schwächen gearbeitet haben.

Aber dennoch war für die Adler Sevens am zweiten Tag bereits nach dem ersten Spiel ebenfalls das Turnier beendet. Im Plate-Wettbewerb verloren sie gegen die bis dahin noch sieglosen Tuks Ladies 7s. „Die Frauen haben in diesem Spiel einfach nicht ihre beste Leistung abgerufen. Beiden deutschen Teams wurde aufgezeigt, dass man auf diesem internationalen Topniveau in jeder Partie bis an die Grenzen gehen muss, da die Gegner sonst jede Schwäche gnadenlos ausnutzen. Was beide DRV-Mannschaften dennoch zu leisten im Stande sind, haben sie in Dubai teilweise eindrucksvoll bewiesen “, sagt Manuel Wilhelm. Daher seien solche Turniere wichtig, damit die deutschen Akteure die unverzichtbare Spielpraxis sammeln und sich die entsprechende Wettkampfhärte aneignen können.

Ergebnisse:

The Royals – DRV VII 12:21
UAE – DRV VII 0:57
DRV VII – Templars 7 RFC 26:14
DRV VII – Belgien Rugby Sevens 7:21 (Cup)

Almaty RFC Womens – Adler Sevens 10:7
Adler Sevens – Swiss Barbarians 41:0
Kenya Lionesses – Adler Sevens 24:19
UAE – Adler Sevens 10:36
Adler Sevens Tuks Ladies 7s 0:7