Die deutsche 15er-Rugbynationalmannschaft hat den nächsten Schritt in Richtung einer möglichen ersten Teilnahme am Rugby World Cup gemacht. In Heidelberg setzte sich das Team der Nationaltrainer Pablo Lemoine und Kobus Potgieter gegen Portugal, den Sieger der Rugby Europe Trophy, knapp mit 16:13 (3:6) durch und wird nun in der nächsten Qualifikationsrunde in Hin- (30. Juni) und Rückspiel (14. Juli) auf Samoa treffen. (Foto: Jürgen Keßler)

„Für uns war das ein echtes Endspiel und wirklich wichtig für die Zukunft im deutschen Rugby. Wir haben jetzt einen großen Schritt nach vorn gemacht“, so Nationaltrainer Pablo Lemoine. „Wir haben klar entschieden, die aktuelle Situation außen vor zu lassen und den Fokus zu 100 Prozent auf Rugby zu legen. Die Jungs haben das gut gemacht.“ Trainerkollege Kobus Potgieter ergänzte: „Es war eine lange Saison für die Jungs, und manche wirkten schon etwas müde. Aber wir sind froh, dass wir uns hier durchsetzen können. Wir schauen jetzt nach vorne auf die nächsten Herausforderungen.“

Angesprochen auf die Chancen in der nächsten Qualifikationsrunde gegen Samoa, zeigte sich das Trainer-Duo sehr zuversichtlich: „Die Chancen auf einen Sieg liegen bei 100 Prozent! Wir müssen vor allem daran glauben, etwas Großes erreichen zu können. Wir wollen nicht mehr nur träumen. Regelmäßige Spiele gegen Tier-2-Teams sind das Ziel für das deutsche Team“, so Pablo Lemoine.“ Dazu sagte Kobus Potgieter: Das ist der nächste Schritt. Wenn wir den schaffen, dann sind Testmatches im Juni völlig normal. Das war ein schöner Vorgeschmack.

Kapitän Julius Nostadt: „Der Druck war natürlich groß bei uns, aber jeder geht damit anders um. Für mich hat er sich eher positiv ausgewirkt. Es ist immer eine große Ehre, für Deutschland zu spielen. Und heute bin ich um so stolzer, das Team als Kapitän aufs Feld geführt zu haben.“

Das deutsche Team legte sofort den Vorwärtsgang ein und setzte sich nahe des portugiesischen Malfelds fest. Doch der Weg über die Linie wollte noch nicht gelingen. Nachdem man die ersten Straftritte noch zur Gasse getreten hatte, wollte man in der 6. Minute zumindest mal Punkte auf die Anzeigetafel bringen. Per Straftritt besorgte also Raynor Parkinson das 3:0. Portugal zeigte in der einen oder anderen Szene auch durchaus gute Ansätze, aber die DRV-Defensive stand sehr gut organisiert, die Spieler zeigten sich wach und schalteten gut um. Deutschland kontrollierte hier das Geschehen über weite Strecken, musste aber immer aufpassen, dass die Gäste nicht mal durchkamen, wie in der 20. Minute, als Portugal mal nahe an der deutschen Mallinie war, dann aber einen Pfiff gegen sich bekam und den Ball so verlor. Danach allerdings gab es eine längere Unterbrechung, weil Ayron Schramm verletzt liegen blieb und nicht mehr weiterspielen konnte. Für ihn kam Marcel Henn ins Spiel (19.). Bis dahin war es auch ein Spiel mit vielen Kicks auf beiden Seiten. Noch fehlte die zündende Idee für einen gelungenen Durchbruch und den ersten Versuch. Und so setzte in der 24. Minute auch Portugal einen Straftritt zu den Stangen. Louis Rodrigues verwandelte sicher zum 3:3-Ausgleich. Und Rodrigues war es auch, der in der 29. Minute – wieder per Straftritt – sein Team erstmals in Führung brachte. Der Ball lief gut in der deutschen Offensive, man eroberte die Bälle in den Rucks gut, doch in dieser Phase fehlte ein wenig der Druck nach vorn im DRV-Spiel. In der nächsten Szene erneut Unterbrechung, weil Sean Armstrong unglücklich mit einem Gegenspieler zusammenstieß (31.) Beide blieben liegen, beide konnten aber auch weiterspielen. In den letzten Minuten vor der Halbzeit setzte sich das DRV-Team lange am portugiesischen Malfeld fest, befand sich mitunter Zentimeter vor dem ersten Versuch, bekam aber immer wieder einen Straftritt zugesprochen. Am Ende warf sich Eric Marks zwar ins Malfeld, doch Sebastian Ferreira hatte den Ball im Tackling zuvor nach vorn verloren. Der Ballverlust beendete zugleich die erste Spielhälfte.

Gleich zu Beginn des zweiten Spielabschnitts schnupperte Deutschland wieder am ersten Versuch. Portugal verlor den Ball in der eigenen 22-Meter-Zone. Deutschland kickte ihn ins Malfeld, doch bevor Nikolai Klewinghaus zupacken konnte, kickte ein Portugiese denn Ball gerade noch weg (42.). Es lief weiter wie in der ersten Hälfte, nur dass Portugal plötzlich eine Lücke sah, die Jacques Roux zu nutzen wusste. Er umkurvte noch einen Gegenspieler und legte dann ab (49.) Kicker Rodrigues erhöhte sicher zum 13:3. Doch Deutschland hatte umgehend die Antwort: Sean Armstrong führte einen Straftritt schnell aus, machte erst mal selbst Meter und bediente noch Jarrid Els, der ganz links außen ins Malfeld tauchte. Auch Raynor Parkinson traf den schwierige Erhöhung von außen sicher, und Deutschland war wiedre dran auf 10:13 (52.). Die Portugiesen hatten allerdings umgehend die Chance, wieder zu erhöhen, doch diesmal versagten Louis Rodrigues bei einem eigentlich vergleichsweise leichten Straftritt die Nerven – deutlich rechts vorbei (56.). Es blieb eine eher zerfahrene, aber weitestgehend ausgeglichene Partie, in der allerdings Deutschland in der 64. Minute den Spielstand ausgleichen konnte. Aus fast 40 Metern verwandelte Raynor Parkinson zum 13:13. Ansonsten spielte sich viel im Mittelfeld ab, und es wurde weiter viel gekickt. Und das war in der 72. Minute auch gut so, denn da setzte Parkinson erneut erfolgreich einen Straftritt zu den Stangen und brachte die DRV XV in Führung. Keine zehn Minuten mehr auf der Uhr: Die deutschen Männer kamen jetzt noch mal mit Druck nach vorn, konnten aber nicht nachlegen. In den Schlussminuten wieder eine lange Phase vor dem portugiesischen Malfeld. Dann ein eklatanter Fehler der Portugiesen, die den Ball zwar eroberten, aber sich dann einen Vorball leisteten, der die Partie beendete und Deutschland jubeln ließ.

Punkte:
3:0 (6.) Straftritt Raynor Parkinson
3:3 (24.) Straftritt Louis Rodrigues
3:6 (29.) Straftritt Louis Rodrigues
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3:13 (49.) Versuch Jacques Roux & Erhöhung Louis Rodrigues
10:13 (52.) Versuch Jarrid Els & Erhöhung Raynor Parkinson
13:13 (64.) Straftritt Raynor Parkinson
16:13 (72.) Straftritt Raynor Parkinson

Aufstellung DRV
1 Julius Nostadt (68. Jörn Schröder) – 2 Mikael Tyumenev (50. Mark Fairhurst) – 3 Samy Füchsel (54. Antony Dickinson) – 4 Eric Marks – 5 Sebastian Ferreira – 6 Ayron Schramm (20. Marcel Henn) – 7 Jaco Otto – 8 Jarrid Els (70. Timo Vollenkemper) – 9 Sean Armstrong – 10 Hagen Schulte (51. Christopher Hilsenbeck ) – 11 Maxime Oltmann – 12 Raynor Parkinson (75. Tim Menzel) – 13 Matieu Ducau – 14 Marcel Coetzee – 15 Pierre Mathurin (41. Nikolai Klewinghaus)

Schiedsrichter: Tom Foley, Ian Tempest, Christophe Ridley (ENG)
Zuschauer: 2.400