Die deutsche 15er-Rugbynationalmannschaft hat den ersten Schritt in Richtung der  erstmaligen WM-Qualifikation erfolgreich gemacht. Im Auftaktspiel des Repechage-Turniers im französischen Marseille setzten sich die „Schwarzen Adler“ von Head Coach Mike Ford vor allem aufgrund einer starken zweiten Hälfte am Ende klar mit 26:9 (6:6) gegen das favorisierte Team aus Hongkong durch. Zunächst fielen die Punkte ausschließlich durch Straftritte. Die späten Versuche für Deutschland legten Kurt Haupt und Matthias Schösser. Die nächste Partie findet am Samstag, den 17. November, um 16 Uhr gegen Kanada statt. Die Nordamerikaner, die bislang bei jedem Rugby World Cup dabei waren, hatten ihr Auftaktspiel gegen Kenia deutlich mit 65:19 gewonnen.

DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm, der selbst beim letzten Sieg gegen Hongkong im Jahr 2010 noch auf dem Platz stand, zeigte sich sehr zufrieden mit der Performance der der DRV XV: „Das war ein sehr wichtiger Sieg auf dem Weg in Richtung World Cup. Hongkong hatte uns offenbar im Vorfeld unterschätzt, obwohl sie gegen uns noch nie gewonnen haben. Wir waren über die gesamte Spielzeit dominant und defensiv sehr stark, auch wenn wir phasenweise Schwierigkeiten hatten, deren Hintermannschaft zu kontrollieren. Aber wir hatten den ausgeglicheneren Kader, konnten von der Bank gute Impulse bringen. Und nicht zuletzt war die Mannschaft mental wie auch athletisch in sehr guter Verfassung. Auch da sieht man die Entwicklung, die die Mannschaft unter der neuen sportlichen Leitung genommen hat. Wenn wir mit dieser Intensität spielen, können wir selbstbewusst und zuversichtlich in das Spiel gegen die Kanadier gehen.“

Die „Schwarzen Adler“ begannen stark vor rund 2000 Zuschauern, davon rund 150 mitgereiste deutsche Fans. Man eroberte gleich den eigenen Ankick und drückte sofort auf das gegnerische Malfeld, bis ein Straftritt für Hongkong den ersten Ansturm beendete. Doch auch in der Folge bestimmte Deutschland das Spiel, hatte viel Ballbesitz und zeigte schnelle Pässe. Erste brenzlige Situation: Ein Kick von Marcel Coetzee vom eigenen Malfeld wurde geblockt, aber Deutschland sicherte den Ball (7.). Bis dahin war Hongkong noch so gut wie gar nicht im Spiel. Doch in der 9. Minute gelang den Asiaten der erste Durchbruch. Das wichtige Tackle gegen Kam Shing Yiu saß. Wenig später allerdings bekam Hongkong den ersten Straftritt, den Matthew Rosslee zu den Stangen setzte und so die ersten drei Punkte markierte (10.).

Nach einem gewonnenen Gedränge bekam auch Deutschlands Kicker Raynor Parkinson den ersten Straftritt, doch der Ball segelte knapp links vorbei (13.). Hongkong war nun drin im Spiel, doch Deutschland hatte den ersten kleinen Dämpfer gut weggesteckt und drückte weiter nach vorn. Allerdings verhinderten immer wieder kleine technische Fehler, dass man daraus auch Zählbares generieren konnte. Im Gedränge hatte Deutschland ein ums andere Mal die Oberhand und bekam so einige Straftritte zugesprochen. Einen davon setzte Parkinson in der 23. Minute erneut zu den Stangen, und diesmal traf er aus knapp 35 Metern.

Doch der direkt nächste der seltenen nennenswerten Vorstöße der Asiaten brachte die nächsten Punkte: Wieder war Kam Shing Yiu durchgebrochen, wurde aber erneut noch zu Boden gebracht. Doch Hongkong spielte mit Straftritt-Vorteil weiter in Richtung des deutschen Malfelds. Die Adler verteidigten gut, sodass Hongkong am Ende den Straftritt, den Rosslee zum 6:3 nutzte (27.). Jetzt war Hongkong etwas besser, und wieder war es der quirlige Kam Shing Yiu, der sich auf den Weg Richtung Versuch machte. Sebastian Ferreira brachte den Gegner noch vor dem Malfeld zu Boden, und Deutschland eroberte sogar den Ball (31.). Deutschland musste in dieser Phase zweimal verletzungsbedingt wechseln. Mathieu Ducau und Raynor Parkinson mussten vom Feld, Carlos Soteras-Merz und Tim Menzel kamen. Immerhin Parkinson kam zur zweiten Hälfte zurück aufs Feld, nachdem seine Verletzung im Gesicht versorgt worden war.

In der 36. Minute formierten die „Schwarzen Adler“ ein Paket, das viele Meter machte und zudem einen Straftritt-Vorteil holte. Als Ferreira im Kontakt den Ball verlor, kam es zu diesem Straftritt, den diesmal Chris Hilsenbeck für den ausgewechselten Parkinson zu den Stangen setzte und aus 23 Metern von rechts außen sicher zum 6:6 ausglich (37.). Hongkong kam – natürlich durch Kam Shing Yiu – noch einmal in gute Position für den ersten Versuch des Spiels, doch es blieb beim Unentschieden zur Halbzeit.

Hongkong hatte auch nach dem Seitenwechsel gerade offensiv mehr gute Aktionen, doch kam gegen eine gut sortierte DRV-Defensive nur selten durch. Einzige Ausnahme war bis dahin der 14er der Asiaten, Kam Shing Yiu, den man in der ersten Halbzeit kaum in den Griff bekam. Deutschland dominierte aber weiter im Gedränge, und der Schiedsrichter ermahnte die Asiaten deshalb auch. In dieser Phase gab es folgerichtig den nächsten Straftritt, den Raynor Parkinson zur ersten Führung für die „Schwarzen Adler“ durch die Stangen kickte (49.). Hongkong aber forderte die deutsche Abwehr auch danach weiter mit ihren schnellen Läufen. Wieder resultierte daraus ein Straftritt, den Rosslee sicher nutzte (54.).

Es blieb eine ganz enge Partie, in der Deutschland in der 60. Minute durch einen Straftritt von Parkinson erneut vorlegte. Kurz darauf hielt erneut das Gedränge der Asiaten nicht stand, was diesmal mit einer Gelben Karte für Kane Boucaut bestraft wurde (61.) und so zehn Minuten Überzahl für die „Schwarzen Adler“ bedeutete. Zunächst tat man sich schwer, daraus einen Vorteil zu ziehen, aber in der 66. Minute brach Kurt Haupt mit Macht durch und legte den Ball links im Malfeld zum ersten Versuch ab. Raynor Parkinson erhöhte sicher und sorgte so für einen etwas beruhigenderen Vorsprung von 19:9. Jamie Murphy hatte per Straftritt sogar die Chance, weiter zu erhöhen, aber sein weiter Kick ging am Tor vorbei (72.).

Jetzt allerdings lag die Entscheidung in der Luft. Deutschland drückte vehement nach vorn, kam über die Dreiviertelreihe nahe an das gegnerische Malfeld heran. Der Sturm machte dann den zweiten Versuch perfekt, als Matthias Schösser sich über die Linie wuchtete. Parkinson erhöhte, und rund drei Minuten vor Schluss lag Deutschland mit 26:9 auf Siegkurs (77.) – und am Ende brachten die Adler den Sieg auch ins Ziel.

Punkte:
3:0 (10.)          Straftritt Matthew Rosslee
3:3 (23.)          Straftritt Raynor Parkinson
6:3 (26.)          Straftritt Matthew Rosslee
6:6 (38.)          Straftritt Christopher Hilsenbeck
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6:9 (49.)          Straftritt Raynor Parkinson
9:9 (54.)          Straftritt Matthew Rosslee
9:12 (60.)        Straftritt Raynor Parkinson
9:19 (66.)        Versuch Kurt Haupt & Erhöhung Raynor Parkinson
9:26 (77.)        Versuch Matthias Schösser & Erhöhung Raynor Parkinson

Aufstellung DRV:
1 Julius Nostadt (63. Jörn Schröder) – 2 Kurt Haupt – 3 Samy Füchsel (51. Matthias Schösser) – 4 Michael Poppmeier (59. Ayron Schramm) – 5 Eric Marks (76. Timo Vollenkemper) – 6 Sebastian Ferreira – 7 Jacobus Otto – 8 Jarrid Els (73. Jonathon Dawe) – 9 Sean Armstrong – 10 Raynor Parkinson (35. Tim Menzel) – 11 Mathieu Ducau (28. Carlos Soteras-Merz) – 12 Jamie Murphy – 13 Wynston Cameron-Dow – 14 Marcel Coetzee – 15 Christopher Hilsenbeck

Aufstellung Hongkong:
1 Daniel Barlow (51. Benjamin Higgins) – 2 Dayne Jans (65. Benjamin Roberts) – 3 Grant Kemp (51. Jack Parfitt) – 4 James Cunningham – 5 Jack Delaforce (56. Finlay Field) – 6 Michael Parfitt (55. Kane Boucaut) – 7 Michael Coverdale – 8 Thomas Lamboley – 9 Liam Slatem (79. Bryn Phillips) – 10 Matthew Rosslee (72. James Hood) – 11 Conor Hartley – 12 Max Woodward – 13 Tyler Spitz (72. Lewis Warner) – 14 Kam Shing Yiu – 15 Casey Stone

Gelbe Karte: Kane Boucaut (61.) / —
Schiedsrichter: Pascal Gauzere (FRA), George Clancy (IRL), Sara Cox (ENG)
Zuschauer: 2000

(Foto: Jürgen Keßler)