Die deutsche 15er-Rugbynationalmannschaft hat in Offenbach einen weiteren Schritt in Richtung der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2019 in Japan gemacht. Im Rahmen der Rugby Europe Championship besiegte das Team von Trainer Kobus Potgieter die Auswahl von Aufsteiger Belgien mit 34:29 (20:6) und feierte nach dem Überraschungserfolg gegen Rumänien zum Auftakt nun den zweiten Sieg im laufenden Wettbewerb. Nach einer dominanten ersten Hälfte gab man allerdings nach dem Seitenwechsel die Chance, womöglich einen Bonuspunkt zu verbuchen, aus der Hand und gestattete hingegen Belgien, sich für das knappe Ergebnis einen zu sichern.

„Wir hatten zwar erwartet, dass es gegen Belgien schwierig werden würde, aber letztlich haben wir uns nach guten ersten 60 Minuten selbst in Schwierigkeiten gebracht“, fand DRV-Nationaltrainer Kobus Potgieter. „Wir sind dann nicht mehr gut ins Spiel gekommen, haben viele Bälle verloren und damit Belgien wieder zurück ins Spiel gebracht. In der ersten Hälfte waren wir gut im Spiel, haben aber aus unseren Chancen zu wenig gemacht. So wurde es dann hinten raus noch mal eng.“

Belgien begann mit dem Ankick druckvoll und bekam nach einem Gedränge in der 22-Meter-Zone früh einen Straftritt, den Alan Williams sicher verwandelte (4.). Doch das deutsche Team wirkte daraufhin wie aufgeweckt und drückte nun seinerseits die Belgier tief in die eigene Hälfte. Nach einem Gedränge vor dem belgischen Malfeld gelang zwar Kapitän Sean Armstrong im ersten Anlauf noch nicht der Versuch, wohl aber Jacobus Otto, der sich im nächsten nahe des rechten Torpfostens über die Linie warf. Raynor Parkinson erhöhte sicher zum 7:3 (7.). Deutschland blieb dran und drängte auf die nächsten Zähler, die Parkinson mit einem Straftritt aus gut 45 Metern in der 10. Minute auch verbuchte. Belgien hatte zwar im Gedränge leichte Vorteile, aber im offenen Spiel dominierte das deutsche Team im ersten Durchgang beinahe nach Belieben. Und so nutzte Parkinson den nächsten Straftritt, um nach einer guten Viertelstunde bereits auf 13:3 zu erhöhen.

Belgien blieb jedoch in einigen Szenen gefährlich, etwa in der 18. Minute, als erstmals ein Durchbruch gelang, den Pierre Mathurin allerdings gut stoppen konnte. Die deutsche XV eroberte in dieser Phase viele Bälle und stürmte dann mit Tempo nach vorn, allerdings kam dabei zu wenig heraus. Stattdessen verkürzte Belgiens Alan Williams per Straftritt auf 6:13 (19.). Es gab anschließend eine kurze Verletzungsunterbrechung, in der beide Teams wichtige Akteure auswechseln mussten. Bei Deutschland ging Clemens von Grumbkow vom Platz. Belgien verlor Kapitän Julien Berger (21.). Die Belgier versuchten in der Folge, über Härte und einige Nickeligkeiten an den Kontaktpunkten, zurück ins Spiel zu kommen. Und tatsächlich schlichen sich nun einige Unkonzentriertheiten ins deutsche Spiel ein. Zudem gab es für die Ballträger zu oft zu wenig Unterstützung. Doch das alles war Makulatur, als Jarrid Els nach einer schönen Kombination in der 3. Sturmreihe den Ball von Sebastian Ferreira bekam, durchbrechen und ungehindert ins Malfeld laufen konnte. Die Erhöhung von links außen passte ebenfalls – 20:6. Deutschland zeigte weiter gute Ballvorträge im offenen Spiel, nutzte seine Chancen jedoch nicht. Kurz vor der Pause gab es noch mal Gedränge für Deutschland nahe des belgischen Malfelds, doch brachte außer einem Ballverlust nichts ein (40.).

Es lief weiter gut für die DRV-Mannen nach dem Seitenwechsel. Mit einem tollen Vorstoß und einigen guten Offloads – ausgehend vom starken Raynor Parkinson über Jamie Murphy und Dasch Barber – kam der Ball zu Sean Armstrong, der den Ball unter den Stangen ablegte. Der Erhöhungskick war kein Problem für Parkinson (46.). Zu diesem Zeitpunkt hatte das deutsche Team den offensiven Bonuspunkt (mindestens drei Versuche mehr als der Gegner) vor Augen, gab nun allerdings mehr und mehr die Initiative an den Gegner ab. Nach einem schnellen Kick kam der Ball zu Alan Williams, der den Versuch für Belgien legte und gleich selbst erhöhte (52.).

Die aggressive Spielweise der Belgier schien sich nun auszuzahlen. Jedenfalls war von der Dominanz, die das deutsche Team noch vor der Pause gezeigt hatte, nun nichts mehr zu sehen. Und so verkürzte Belgien weiter, als das Paket in der 60. Minute den Ball ins Malfeld schob. Als fünf Minuten später Williams einen weiteren Straftritt verwandelte, waren die Belgier mit 21:27 wieder dicht dran. Doch Deutschland hatte die richtige Antwort parat: Nach einem sehenswerten Kick streckte sich erst Steffen Liebig nach dem Ball, doch erst Jamie Murphy fing ihn artistisch und war damit durch für den Versuch. Wieder traf Parkinson den schwierigen Erhöhungskick aus spitzem Winkel (67.). Das brachte wieder etwas mehr Sicherheit, aber Belgien wollte nun selbst den Bonuspunkt, den Deutschland mittlerweile wieder verloren hatte. Nach einer Zeitstrafe für Raynor Parkinson brachte wieder das belgische Paket den Ball ins deutsche Malfeld (77.). Williams vergab zwar den Erhöhungskick, bekam allerdings in der letzten Minute noch einen Straftritt, den er verwandelte (80.) und damit seinem Team noch den Bonuspunkt für das knappe Ergebnis sicherte.

 

Punkte:

0:3       Straftritt Alan Williams (4.)

7:3       Versuch Jacobus Otto & Erhöhung Raynor Parkinson (7.)

10:3     Straftritt Raynor Parkinson (10.)

13:3     Straftritt Raynor Parkinson (16.)

13:6     Straftritt Alan Williams (19.)

20:6     Versuch Jarrid Els & Erhöhung Raynor Parkinson (34.)

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27:6     Versuch Sean Armstrong & Erhöhung Raynor Parkinson (46.)

27:13   Versuch & Erhöhung Alan Williams (52.)

27:18   Versuch James Pearce (60.)

27:21   Straftritt Alan Williams (65.)

34:21   Versuch Jamie Murphy & Erhöhung Raynor Parkinson (67.)

34:26   Versuch Paul Van Laer (77.)

34:29   Straftritt Alan Williams (80.)

 

Gelbe Karte:

Raynor Parkinson (76.) / —

 

Aufstellung DRV:

1 Julius Nostadt (17 Jörn Schöder. 78.) – 2 Dasch Barber (16 Michail Tyumenev, 53.) – 3 Samy Füchsel (18 Christopher Howells, 78.) – 4 Eric Marks – 5 Robert May (20 Kehoma Brenner, 53.) – 6 Jacobus Otto – 7 Sebastian Ferreira – 8 Jarrid Els – 9 Sean Armstrong (21 Tim Menzel, 70.) – 10 Raynor Parkinson – 11 Pierre Mathurin – 12 Clemens von Grumbkow (23 Jamie Murphy, 21.) – 13 Marcel Coetzee – 14 Steffen Liebig – 15 Harris Aounallah

 

Zuschauer: 4.100

Schiedsrichter:

I. Attorasagasti, J. Molpeceres, M. Riera (ESP)