Das deutsche Siebener-Rugbyteam steht wie im Vorjahr im Halbfinale des Qualifikationsturniers zur Sevens World Series im Rahmen der Hong Kong Sevens. Nachdem am Morgen auch das dritte Gruppenspiel gegen Tonga knapp mit 24:21 (19:7) gewonnen werden konnte, wartete im Viertelfinale mit Gastgeber Hong Kong das Team, welches die DRV VII im letzten Jahr aus dem Turnier geworfen hatte. In einem echten Rugby-Krimi gewann die Auswahl der Coaches Chad Shepherd und Chris Lane die Partie mit der letzten Aktion 14:7 (7:0) und steht damit in der Vorschlussrunde, wo es am Sonntag um 6.30 Uhr deutscher Zeit gegen Chile um den Finaleinzug geht. Das zweite Halbfinale bestreiten Papua Neu-Guinea und Spanien.

„Wir hatten heute einen schwierigen Start gegen Tonga, und nun so ein hartes Spiel gegen Hong Kong – aber es war ein guter Tag“, fand Chris Lane. „Was ich in den letzten drei Monaten gesehen habe ist, dass die deutschen Spieler in der Lage sind, aus jeder Situation heraus Spiele zu gewinnen. Das haben wir heute wieder gesehen, wo wir die Partie nach der Sirene gewinnen. Wichtig ist, dass auch von der Bank jedes Mal starke Unterstützung kommt. Über das Turnier gesehen sind alle zwölf Spieler enorm wichtig für das Team. Vier gewonnen, und noch zwei zu gehen!“

Deutschland – Tonga                24:21 (19:7)

Das bereits für das Viertelfinale qualifizierte deutsche Team wechselte in der Startformation auf ein paar Positionen durch, ging aber im ersten Durchgang ebenso konzentriert und konsequent zu Werke wie in den beiden Partien am Vortag. Nachdem die ersten Kontaktsituationen gut überstanden waren, baute die DRV VII gut auf und kam durch Tim Lichtenberg zum ersten Versuch (2.). Die Erhöhung von Fabian Heimpel traf nur die Stangen, doch das deutsche Team war jetzt wieder im Rhythmus. Heimpel passte auf Raynor Parkinson, der eine schöne Körpertäuschung zeigte, damit die tongaische Defensive aussteigen ließ und zum zweiten Versuch ablegen konnte. Diesmal war Heimpels Erhöhungskick gut und Deutschland führte mit 12:0.

Tonga hatte bis dahin offensive kaum eine Idee beziehungsweise die deutsche Abwehrarbeit war sehr gut. Ein Guter Kick nach vorn von Carlos Soteras Merz eröffnete Phil Szczesny die nächste gute Möglichkeit. Unter Druck kickte der den Ball nochmal ein Stück weiter und erlief ihn im gegnerischen Malfeld selbst zum dritten Versuch (6.). Heimpel erhöhte sicher. Etwas überraschend kam auch Tonga noch vor der Pause zum ersten Versuch. Sefo Ma’ake nutzte eine kleine Unordnung in der DRV-Defensive aus und besorgte Versuch und Erhöhung selbst (7.).

Die zweite Spielhälfte begann mit in paar Ungenauigkeiten im deutschen Spiel, und so geriet man auch unter Druck. Nach längerem Anlaufen verkürzte erneut Sefo Ma’ake mit seinem zweiten erhöhten Versuch auf 14:19 (9.). Doch die DRV-Auswahl besann sich wieder auf ihr Spiel und brachte weitere Zähler auf die Anzeigetafel. Bastian Himmers Versuch ganz rechts außen wurde zwar einmal per Video überprüft, zählte aber (12.). Die Erhöhung misslang, aber Deutschland lag wieder mit zehn Punkten vorn. Das war wichtig, denn kurz vor Schluss gelabg Taniela Samita für Tonga der dritte erhöhte Versuch zum 21:24. Mit einem Kick ins Aus beendete Fabian Heimpel dann aber diese schwierige Partie.

Punkte:

5:0       Versuch Tim Lichtenberg (2.)

12:0     Versuch Raynor Parkinson & Erhöhung Fabian Heimpel (4.)

19:0     Versuch Phil Szczesny & Erhöhung Fabian Heimpel

19:7     Versuch & Erhöhung Sefo Ma’ake (7.)

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19:14   Versuch & Erhöhung Sefo Ma’ake (9.)

24:14   Versuch Bastian Himmer (12.)

24:21   Versuch Taniela Samita & Erhöhung Sefo Ma’ake (14.)

 

VIERTELFINALE: Deutschland – Hong Kong    14:7 (7:0)

Es war von Beginn an eine ausgesprochen spannende Partie zweier Gegner auf Augenhöhe. Die erste gefährliche Aktion ging auf das Konto der Gastgeber, denen früh ein Durchbruch in der Mitte gelang, der aber gerade noch aufgehalten werden konnte. Besser machten es die Deutschen, die ihre erste Chance konsequent nutzten. Hong Kong hatte den Ball im Tackling verloren, Sebastian Fromm setzte sich anschließend auf der rechten Außenbahn durch und spurtete zum ersten Versuch (3.). Der ebenso wichtige wie schwierige Erhöhungskick von Fabian Heimpel war gut, und die Herren des DRV lagen 7:0 vorn. Auch danach war das deutsche Team weiter gut im Spiel und vor allem stark an den Kontaktpunkten. Doch einige gute Möglichkeiten wurden nicht ausgenutzt. Sebastian Fromm gelang ein weiteres Mal der Durchbruch, aber er wurde noch eingeholt. Und mit der letzten Aktion der ersten Hälfte warf sich Phil Szczesny mit dem Ball ins Malfeld, konnte aber nicht ablegen (7.).

Die aufregende Partie wogte zu Beginn der zweiten Hälfte hin und her, weil auf beiden Seiten ein paar kleinere Fehler passierten. Es ging durchaus hart zur Sache. Hong Kong blieb dran und belohnte sich in der 11. Minute mit dem Ausgleich. Jamie Hood legte den Ball unter den Stangen ab und erhöhte gleich selbst. Jetzt brannte die Luft im Hong Kong Stadium förmlich. Die Gastgeber kickten den Ball auf die rechte Seite nach vorn, doch Szczesny und Himmer waren schneller als der nachstürmende Gegner und holten den Ball. Aus dieser Situation entstand der letzte Angriff der Partie, an dessen Ende plötzlich Bastian Himmer nach einem schnell ausgeführten Straftritt auf links freie Bahn hatte und einen spektakulären Sprint zum zweiten – wieder von Heimpel erhöhten – deutschen Versuch und damit zum Sieg hinlegte.

Punkte:

7:0       Versuch Sebastian Fromm & Erhöhung Fabian Heimpel (3.)

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7:7       Versuch & Erhöhung Jamie Hood (11.)

14:7     Versuch Bastian Himmer & Erhöhung Fabian Heimpel (14.)

DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm: „Das war wirklich ein schwieriges Spiel, weil Hong Kong natürlich das Publikum hinter sich hatte. Aber die Jungs haben das durchgezogen, haben Nervenstärke bewiesen. Das hatten wir uns erhofft nach dieser langen Vorbereitung auf dieses Turnier. Jetzt sind wir wieder im Halbfinale und wünschen uns, dass wir bestenfalls noch zwei Schritte weiter gehen können. Das ist das Ziel, noch haben wir nichts erreicht. Wir haben heute ein paar angeschlagene Spieler, da muss die medizinische Abteilung über Nacht gute Arbeit leisten. Und dann schauen wir mal, wie erholt wir morgen ins Halbfinale gehen. Es ist toll, wie viel Unterstützung von zu hause kommt. Die Jungs bekommen das mit. Danke dafür!“

(Foto: Jan Perlich)