Michael Hooke (Foto, r.) und Melvine Smith (l.) verantworten seit November vergangenen Jahres als Trainer die DRV VII sowie die weibliche U18 im olympischen 7er-Rugby. Der Deutsche Rugby-Verband sprach mit Hooke über anstehende Ziele, seine Arbeit mit der Mannschaft, die Anforderungen auf internationalem Parkett an die deutschen Spielerinnen sowie über das jüngste Trainingslager im spanischen Madrid.

Deutscher Rugby-Verband (DRV): Wie lauten deine Ziele mit der Mannschaft für die EM-Saison 2015 in der Gran Prix Series?

Michael Hooke: Ich bin nicht die Sorte von Trainern, die Aussagen über die Grand Prix Series 2015 machen, wenn der Saisonstart noch so weit weg ist. Wir haben uns intern Ziele gesetzt, an denen wir unseren Fortschritte messen. Zudem wollen wir von Spiel zu Spiel unsere selbst gewählten Meilensteine erreichen. Die Ergebnisse stellen sich dann von ganz alleine ein.

DRV: Was war dein erster Eindruck von der DRV VII?

Hooke: Die Einstellung und die Grundlagen der Spielerinnen sind sehr gut. Hinzu kommt die Fähigkeit der Spielerinnen, neue Informationen und Anweisungen schnell in Spielsituationen umzusetzen. Der Einsatz, den die Spielerinnen zeigen, um immer einen Schritt weiter zu gehen, sorgt für eine poitive und motivierende Arbeitsatmosphäre.

DRV: Was läuft bei der DRV VII gut, wo muss noch an den Stellschrauben gedreht werden?

Hooke: Die Spielerinnen machen tolle Fortschritte in den Bereichen Spielverständnis und in den grundlegenden technischen Fähigkeiten sowie in der Umsetzung des Spielsystems. Mit großem Eifer gehen die Spielerinnen in die täglichen Trainingseinheiten und erhöhen dabei die Intensität, um sich zu Top-Spielerinnen zu entwickeln. Leider haben wir zu wenig Spielzeit, was sich dann in den Auftritten bei den Turnieren widerspielgelt. Zudem fehlt der Mannschaft noch die nötige Matchhärte. Wir müssen darüber hinaus daran arbeiten, die Tiefe des Kader qualitativ zu entwickeln, um einen höheren Wettbewerb innerhalb der Mannschaft zu etablieren.

DRV: Nicht nur du bist als neuer Trainer für die DRV VII aktiv, auch Melvine Smith wurde neu verpflichtet. Wie sieht eure tägliche Arbeitsteilung aus?

Hooke: Ich bin der Headcoach und Melvine ist der Assistenztrainer der DRV VII. Wir tauschen uns daher regelmäßig über alle Bereiche des Spiels und die Ausrichtung des Mannschaft aus. Dabei bin ich für die sportliche Entwicklung der DRV VII verantwortlich. So erstelle ich wöchentliche Trainingspläne, gebe der Mannschaft Vorgaben für die Kraft- und Konditionseinheiten, analysiere die Entwicklung der einzelnen Spielerinnen und lebe Teamgeist und Führungsqualitäten vor. Ich erlaube dabei den Spielerinnen, sich individuell zu kompletten 7er-Athletinnen zu entwickeln, die über multiple spielerische Fähigkeiten verfügen und persönliche Verantwortung im Spiel, aber auch abseits des Feldes übernehmen.  Die Spielerinnen sollen sich zu einem Team entwickeln, das zusammenhält, Verantwortung trägt und wettbewerbsfähig ist.

Melvine ist für das Grundlagentraining verantwortlich. Zudem analysiert er das Spielverständnis der einzelnen Spielerinnen sowie die Umsetzung des implementierten Spielsystems. Melvine verantwortet darüber hinaus das Passspiel, die dazugehörigen Laufwege sowie das Angriffsspiel.

DRV: Wie verbindet ihr Melvines‘ Arbeit bei der U18 mit seinen Aufgaben bei der DRV VII?

Hooke: Durch die Implementierung des Spielphilosophie sowie des Spielsystems und der Spielkultur sowie durch intensives Grundlagentraining, wollen wir den jungen Talenten der U18 ermöglichen, dass ihnen der Sprung in die DRV VII gelingt.

DRV: Wie sieht der nächste Schritt mit der Mannschaft aus?

Hooke: Die Herausforderung, der sich alle 7er-Spielerinnen weltweit stellen müssen, ist, ihre Fähigkeiten im Spiel unter Druck abrufen zu können: Die richtige Entscheidung in jeder einzelnen Spielsituation treffen, unter Druck passen und fangen und effektiv in Kontaktsituationen arbeiten. Und natürlich müssen Fitness, Schnelligkeit und Kraft stimmen. Treffen dann zwei gleichstarke Teams aufeinander, führen die unter Druck getroffenen Entscheidungen zu Sieg oder Niederlage. Unser Augenmerk liegt daher darauf, unseren Spielerinnen zu erlauben, unter Druck eigene Entscheidungen zu treffen und dabei zu verstehen, wie und warum sie so gehandelt haben.

DRV: Ihr habt eine Trainingslager in Spanien mit zwei Miniturnieren absolviert. Wie sieht deine Bilanz für Madrid aus?

Hooke: Unser Trainingslager war in vielerlei Hinsicht ein Erfolg. Die drei Spiele gegen den World-Series-Teilnehmer Spanien am Freitag haben wir zwar verloren, haben dabei erkennen können, wie weit die Spielerinnen im Einzelnen und als Mannschaft sind. Im Turnier am Samstag ging es dann gegen eine Madrider Auswahl, wiederum gegen Spanien und gegen Tunesien. Unser Sieg gegen Madrid war dann die Belohnung für die harte Arbeit in den vergangenen Monaten. Und beim tollen 14:12-Sieg im anschließenden Spiel gegen Spanien zeigten die deutschen Spielerinnen, was sie aus den Partien am Vortag gelernt haben. Die Spielerinnen der DRV VII demonstrierten dabei gegen eine europäische Topmannschaft ihre guten technischen und physischen Fähigkeiten. Die Niederlage gegen Tunesien zeigte dann aber zum Abschluss, das Beständigkeit der Schlüssel zum Erfolg ist und wir nur mit dieser Beständigkeit in der anstehenden EM-Saison unsere selbst gesteckten Ziele erreichen können.

Foto: Nico Casalter