Am vergangenen Donnerstag hatte der bisherige Förderer des deutschen Rugbysports, Dr. Hans-Peter Wild, in einem Interview mit der Tageszeitung „FAZ“ bekannt gegeben, dass er die Förderung dieser Sportart in Deutschland ab sofort einstellen wird. Auf Seiten des Deutschen Rugby-Verbandes – ebenso auf Seiten der auf Wunsch der Delegierten des Außerordentlichen Deutschen Rugbytages 2018 sowie mit Unterstützung des Weltverbandes World Rugby eingesetzten DRV-Verhandlungskommission – ist man überrascht und enttäuscht über die im Interview von Herrn Dr. Wild verkündete Entscheidung. In Anerkennung der großartigen Unterstützung durch Herrn Dr. Wild, seiner Stiftung WRA bzw. der GFR in den letzten Jahren sowie der positiven und zielführenden Gespräche in den letzten Monaten zwischen den Verhandlungsführern beider Seiten bedauert der DRV das verkündete Aus. Gerade mit Blick auf die von Herrn Dr. Wild im Interview zitierten Werte des Rugbyspiels – Fairplay, Teamwork, Respekt und harte Arbeit – will der DRV aber dennoch einigen Aussagen und Behauptungen in diesem Interview widersprechen beziehungsweise diese richtigstellen.

 So wirft Herr Dr. Wild unter anderem dem Deutschen Rugby-Verband vor, sich einer Professionalisierung der Strukturen im deutschen Rugby widersetzt zu haben. Dagegen wehrt sich stellvertretend DRV-Geschäftsführer Volker Himmer: „Die WRA/GFR hat eine unter professionellen Bedingungen trainierende Nationalmannschaft mit deutschen Spielern aus den Bundesligavereinen und für Deutschland spielberechtigten Ausländern, die zum größten Teil beim Heidelberger RK als Amateurspieler lizenziert waren, aufgebaut. Neben den im Rahmen einer Vereinbarung übertragenen internationalen Pflichtspielen wurden weitere Maßnahmen der 15er-Nationalmannschaft durch die WRA bzw. GFR selbständig geplant, finanziert und vermarktet. Das allerdings verselbstständigte sich mehr und mehr, sodass der DRV immer weniger eingebunden war.“

Mehrfach habe man darauf hingewiesen, dass der Aufbau einer professionellen Struktur für eine Nationalmannschaft parallel zu den Amateurstrukturen des DRV nicht zielführend sei, dass man einen Verband in dieser Art und Weise nicht entwickeln kann. Um das deutsche Rugby mittel- bis langfristig auf eigene Beine zu stellen, benötigt es auch Investitionen in Verbandsstrukturen, in die Jugendarbeit und in die Vereine. Dass Dr. Wild also eine professionelle Parallelstruktur um die 15er-Nationalmannschaft herum aufgebaut hat, habe eine Entwicklung des Verbandes zumindest erschwert. Dass er nun dem Verband vorwerfe, amateurhaft zu sein, könne Himmer nicht nachvollziehen.

Erfreut ist DRV-Geschäftsführer Himmer darüber, dass Herr Dr. Wild im FAZ-Interview „nicht die Tür endgültig zuschlagen will“ sondern die Fortführung der Kooperation über einen Zeitraum von fünf Jahren mit jährlich zwei Millionen anbietet, wenn weitere Unternehmen es ihm gleich tun. „Dieses Angebot war bisher weder uns noch der DRV-Verhandlungskommission bekannt. Dass weitere vergleichbare Mäzene und Förderer gewonnen werden müssen, ist ein zielführender und richtiger Weg für das deutsche Rugby. Dass allerdings neben der öffentlichen Hand, die jährlich einen vergleichbaren Beitrag vorrangig in das olympische Siebenerrugby investiert, noch weitere Privatunternehmen es Herrn Dr. Wild gleichtun werden sehe, ich derzeit leider noch nicht. Erste wichtige Weichenstellungen hin zu einer Professionalisierung wurden mit der Verabschiedung einer neuen Satzung sowie strukturellen Änderungen hin zu einer hauptamtlichen Verbandsführung bereits umgesetzt.“

Die Aussage, man hätte die Spieler der WRA/GFR auf verschiedene Klubs in Deutschland verteilen wollen, irritiert den DRV-Geschäftsführer. „Darüber haben wir mit Robert Mohr, dem damaligen Geschäftsführer der WRA, immer wieder intensiv diskutiert, dass eine Konzentration der Nationalspieler beim Heidelberger RK, der so in der Bundesliga nahezu unschlagbar und Abonnementsmeister, die Bundesliga für die Vereine wie auch die Öffentlichkeit uninteressant macht“, so Volker Himmer weiter. „Unsere Intention, allen Bundesligavereinen bis zu zwei für Deutschland spielberechtigte und qualifizierte ausländische Spieler durch die WRA/GFR zur Verfügung zu stellen, wäre laut Herrn Mohr allerdings bei Herrn Dr. Wild „nicht durchsetzbar gewesen.“

Auch auf Seiten der Deutschen Rugby-Jugend wundert man sich über einige Passagen des Interviews. „Die WRA/GFR hat uns in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt, wie Professionalisierung funktioniert, wie man eine Mannschaft an die Spitze bringt und Profispieler organisiert. Doch leider wurde die Arbeit an der Basis weitgehend vergessen. Der Fokus muss – wie bei jeder Sportart – auch auf einer funktionierenden Jugendarbeit in den Vereinen liegen. Eine diesbezügliche Unterstützung wurde aber versäumt. So wären sicherlich die Finanzierung eines Jugendkoordinators oder die Schaffung von dezentralen Trainingszentren aus unserer Sicht zwingende Investitionen gewesen, für welche dem DRV allerdings auch keine Mittel zur Verfügung standen“, so die Vizepräsidentin Jugend, Romana Thielicke. „Wir haben in Deutschland derzeit praktisch keine Infrastruktur für das 15er-Rugby, die es ermöglichen würde, das Niveau dieser Nationalmannschaft mittelfristig aus eigener Kraft zu halten. Die aktuelle Jugendförderung gibt es nicht her, genügend Talente aus den Altersbereichen U16 und U18 nach oben zu entwickeln.“

Man habe daher eine Förderung außerhalb der Vereine geschaffen, da es keine Unterstützung des Breitensportes in ausreichendem Maße gebe. Dennoch habe sich der Kinder- und Jugendbereich durch das Engagement vieler ehrenamtlicher Menschen positiv entwickelt. „Alleine das Abschneiden der diesjährigen U18-Nationalmannschaft auf der Europameisterschaft zeigt, dass trotzdem eine gute Basis für die Entwicklung geschaffen werden konnte. Die Zusammenarbeit der Vereine untereinander sowie mit ihren Landesverbänden und uns als Deutsche Rugby-Jugend zeigt einen sehr positiven Trend.“