Am kommenden Wochenende (13./14. Juli) treten die deutschen 7er-Rugbynationalteams der Frauen und Männer jeweils beim Rugby Europe Olympic Qualifier in Kazan (RUS) beziehungsweise in Colomiers (FRA) an. Es geht um die erstmalige Teilnahme an den Olympischen Spielen, die 2020 in Tokio ausgetragen werden. Während die Frauen als Aufsteigerinnen ins europäische Oberhaus, die Grand Prix Series, eher als Außenseiter antreten, darf sich das Team um Männer-Bundestrainer Vuyo Zangqa als Vize-Europameister durchaus Chancen ausrechnen, auch wenn die Konkurrenz stark ist.

In der Vorrunde trifft das Wolfpack zunächst auf Georgien (12.22 Uhr CET), dann auf den Sieger der diesjährigen Rugby Europe Trophy und damit Aufsteiger in die Grand Prix Series aus Litauen (15.07 Uhr) und dann auf England (17.52 Uhr), das im olympischen Wettbewerb als Nationalmannschaft Großbritannien repräsentiert.

„Wir haben die Gegner in den letzten Wochen ausgiebig analysiert und wissen, dass es keine leichte Aufgabe werden wird“, so DRV-Co-Trainer Clemens von Grumbkow. „Georgien und Litauen spielen einen sehr ähnlichen, eher körperbetonten Stil.“ Gegen den Weltserien-Fünften aus England dürfte es im Idealfall um den Gruppensieg gehen. „England ist natürlich deutlich erfahrener als wir und sicher auch leicht favorisiert. Aber wir haben zuletzt in Moskau gesehen, dass wir da nicht weit weg sind. Wir haben uns schon Taktiken überlegt, mit denen wir sie überraschen können und rechnen uns durchaus Chancen aus.“

Im Kader gibt es im Vergleich zum letzten GPS-Turnier in Moskau einige Veränderungen, auch wenn der Kern gleich bleibt. Erstmals für Deutschland spielberechtigt ist der erfahrene Manasah Sita vom SC Neuenheim. „Manasah hat ja bereits seit einem halben Jahr intensiv mit uns trainiert und kann zu einem echten X-Faktor werden. Er macht uns auf jeden Fall unberechenbarer“, findet Clemens von Grumbkow. Sita hat bereits WM- und Weltserien-Erfahrung mit dem Nationalteam Zimbabwes gesammelt, hat heute aber einen deutschen Pass und ist über eine Regelung namens Olympic Loophole für das deutsche Nationalteam spielberechtigt.

Den Sprung in den Kader geschafft hat Stürmer Kilian Benjaballah vom französischen Club US Oyonnax, dazu kehrt Max Calitz zurück. „Kilian war ja schon bei den Howard Hinton 7s in Tours (FRA) dabei, hat zuletzt viel mit uns trainieren können und sich jetzt die Chance verdient, dabei zu sein“, erklärt von Grumbkow die Entscheidung. „Und Max konnte in den letzten Monaten in England wieder mehr Spielpraxis sammeln. An seinen Qualitäten zweifelt nach wie vor niemand, aber an der Spielpraxis mangelte es zuletzt.

Demnach ist das der vorerst noch 13 Spieler umfassende Kader für den Olympic Qualifier in Colomiers (FRA). Ein Spieler wird noch aus dem Aufgebot rutschen müssen.

RG Heidelberg: Fabian Heimpel, Tim Lichtenberg, Bastian Himmer
SC Neuenheim: Manasah Sita
TSV Handschuhsheim: Anjo Buckman
RK Heusenstamm: Leon Hees
SC Germania List: Niklas Koch
TGS Hausen: Robert Haase
US Oyonnax (FRA): Kilian Benjaballah
Hannover 78: Phil Szczesny
TV Pforzheim: Carlos Soteras Merz
FC St. Pauli: Ben Ellermann
Vereinslos: Maximilian Calitz

Auf Abruf: Chris Umeh (Berliner RC), Daniel Koch, Henrik Meyer (SC Germania List), Tim Biniak (RK Heusenstamm)

Frauen setzten sich realistisches Ziel: Viertelfinal-Einzug

„Wenn man ehrlich ist, dann ist die Olympia-Qualifikation für uns natürlich noch zu weit weg. Da spielen Teams, die sicher noch in allen Belangen stärker sind als wir“, so die realistische Einschätzung von Nationaltrainer Max Pietrek. In der Vorrunde am Samstag trifft das DRV-Team bereits auf Hochkaräter wie England (11.28 Uhr CET) und die in Europa aktuell so dominanten Russinnen (14.35 Uhr). Siegchancen rechnet man sich allerdings gegen den letzten Gruppengegner Schweden (16.58 Uhr), der ins Starterfeld nachgerückt ist, aus.

„Gegen die ersten beiden Gegner wird es für uns vor allem darum gehen, ein sehr gutes Spiel zu zeigen und die Punkte gegen uns möglichst gering zu halten, um dann mit einem durchaus realistischen Sieg gegen Schweden vielleicht einer der besten Gruppendritten zu werden und damit ins Viertelfinale einzuziehen“, rechnet Pietrek vor. Dann allerdings würden wohl erneut Gegner warten, denen man aktuell noch nicht gewachsen ist.

Ansonsten sieht Pietrek das Turnier in Kazan als ersten Schritt, sich an das Niveau heranzutasten, das die junge Mannschaft im nächsten Jahr in der Grand Prix Series erwartet. „Vom spielerischen Gesichtspunkt her gehen wir mit den gleichen Vorgaben ins Turnier wie bei den letzten beiden Turnieren auch. Und dann müssen wir sehen, ob die guten Mechanismen – vor allem in der Verteidigung – auch auf diesem Level greifen.“

Personell muss das Trainerteam im Vergleich zur Rugby Europe Trophy lediglich auf einer Position wechseln. Katalina Bechtel ist verhindert und wird durch Zoé Würmli vom Heidelberger RK ersetzt.

Demnach ist das der Kader, mit dem der DRV in das europäische Olympia-Qualifikationsturnier gehen wird:

SC Germania List: Gesine Adler, Katharina Epp
SC Neuenheim: Anja Czaika, Steffi Gruber, Amelie Harris, Laura Schwinn, Lea-Sophie Predikant
TSV Handschuhsheim: Annika Nowotny
Karlsruher SV: Katja Höger
Heidelberger RK: Johanna Hacker, Zoé Würmli
RSV Köln: Lisa Naumann

Auf Abruf: Elena Korn und Yona Rossol (SCG) und Joline Kersten (FC St. Pauli), Vivian Bahlmann (England)

Für beide Olympischen Qualifikationsturniere gilt:

Nur der Turniersieger sichert sich die direkte Qualifikation für Tokio 2020. Das jeweils zweit- und drittplatzierte Team darf dann noch an einem World-Repechage-Turnier teilnehmen, wo man dann auch gegen Teams von allen anderen Kontinenten um das letzte Ticket zu den Olympischen Spielen geht. Diese Turniere werden allerdings voraussichtlich erst im Juni 2020 ausgetragen.

(Foto: Jan Perlich)