Deutschland ist zum ersten Mal Europameister im olympischen 7er-Rugby! Mit dem Turniersieg beim zweiten Turnier der Rugby Europe Grand Prix Series (GPS) im polnischen Lodz sicherte sich das Nationalteam der Männer um Bundestrainer Vuyo Zangqa nicht nur die Krone Europas, sondern erspielte sich damit zudem erneut das Ticket für die Hong Kong Sevens, wo man einen weiteren Anlauf auf einen Platz in der Sevens World Series unternehmen wird. Dazu wird das Wolfpack in der kommenden Saison als Einladungsteam an den beiden Weltserien-Turnieren in Paris und London teilnehmen. (Foto: Jan Perlich)

Im Finale von Lodz besiegte die Auswahl des Deutschen Rugby-Verbandes Spanien in überzeugender Manier mit 28:14 (14:7). Zuvor hatte man bereits Frankreich, das das erste GPS-Turnier in Moskau (RUS) gewonnen hatte, und Titelverteidiger Irland ausgeschaltet. Deutschland hatte das erste GPS-Turnier auf dem vierten Platz abgeschlossen.

„Was für ein verrücktes Turnier“, konstatierte DRV-Co-Trainer Clemens von Grumbkow. „Mit Ausnahme des Finales konnten wir eigentlich in keinem Spiel wirklich unsere beste Leistung zeigen. Aber am Ende ist alles in unsere Richtung gelaufen, alles hat sich gefügt – Wahnsinn! Das ist natürlich ein wunderbarer Saisonabschluss nach der Enttäuschung über die verpasste Olympia-Qualifikation. Wir sind überglücklich über das, was wir jetzt geschafft haben als erste deutsche Rugbynationalmannschaft.“

DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm: „Das ist der lang ersehnte Erfolg, für den die Jungs in den letzten Jahren unglaublich hart gearbeitet haben. Jetzt haben sie sich endlich mit dem ersten Turniersieg auf der GPS und dem erstmaligen Gewinn der Europameisterschaft belohnt. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle aber auch an die Vereine und Landesverbände und die Trainer dort für die großartige Unterstützung in den letzten Jahren. Das ist ein ganz wichtiger Teil dieses Erfolgs. Die Mannschaft und der Staff wissen das sehr zu schätzen.“

Das Finale in Lodz war wohl das beste Spiel des Teams im Turnier. Nachdem Spanien den besseren Auftakt hatte und in der 3. Minute mit 7:0 in Führung gegangen war, übernahm das Wolfpack die Spielkontrolle. Bastian Himmer, der klug abwartete und dann die Lücke fand, legte den ersten Versuch für die DRV-Mannen. Phil Szczesny erhöhte sicher (6.). Und noch vor der Pause stellte ein starker Ben Ellermann, der kaum aufzuhalten war – wieder mit Szczesny-Erhöhung – die Weichen auf Sieg. Halbzeitstand 14:7.

Nach dem Seitenwechsel blieb die DRV VII dominant, verteidigte stark und zog offensiv ihr Spiel konsequent durch. Nach einer Passfinte war Niklas Koch durchgebrochen und schraubte das Ergebnis mit dem erhöhten Versuch auf 21:7 (9.). Spanien verkürzte eine Minute später zwar noch einmal, doch mit dem sehenswert herausgespielten Versuch von Tim Lichtenberg plus Erhöhung zum 28:14 machte das Wolfpack den Sack endgültig zu (12.). In der etwas hektischen Schlussphase passierte nichts mehr.

Im Halbfinale zuvor hatte das Wolfpack Dauerrivale Irland, der zuletzt so häufig der Stolperstein war, mit 17:7 (10:7) ausgeschaltet. Die Iren gingen nach einer langen Angriffsphase zwar mit 7:0 in Führung (4.), aber Tim Lichtenberg drehte die Partie schon vor der Pausen durch zwei sehr ähnliche Versuche – beide Male gut vorbereitet von Phil Szczesny – in ein 10:7. Es blieb auch nach der Pause ein hart umkämpftes Spiel, doch kurz vor dem Abpfiff gelang Szczesny nach Vorarbeit von Carlos Soteras Merz mit seinem erhöhten Versuch nach langem Spring die Entscheidung (14.).

Zum Auftakt des zweiten Turniertages stand das Wolfpack im Viertelfinale Frankreich, dem Sieger des ersten GPS-Turniers in Moskau (RUS), gegenüber. Die DRV-Auswahl fand im ersten Durchgang überhaupt nicht ins Spiel und lag zur Pause schon mit 7:19 zurück. Drei zu leicht ermöglichten französischen Versuchen hatte Deutschland nur einen durch Bastian Himmer und die Erhöhung von Szczesny zum zwischenzeitlichen 7:12 entgegenzusetzen. Doch nach dem Seitenwechsel war es ein anderes Spiel, und es startete die Aufholjagd: Himmer verkürzte mit seinem zweiten Versuch auf 12:19 (9.). Dann tanzte Tim Biniak gleich drei Gegner aus und legte unter den Stangen ab, sodass Fabian Heimpel sicher zum 19:19 erhöhen konnte (12.). Und nur eine Minute später ließ sich Jonathon Dawe von zwei Gegenspielern nicht aufhalten und sorgte mit seinem erhöhten Versuch für den 26:19-Endstand.

Schon die Vorrunde am ersten Turniertag war eine eher hakelige Angelegenheit. Gegen Russland (19:17) und Georgien (15:12) tat man sich überraschend schwer, konnte die Partien aber dennoch knapp für sich entscheiden und das Viertelfinale vorzeitig buchen. Und auch gegen England lag man zur Pause bereits zurück, ehe vor allem die starken Bastian Himmer und Tim Lichtenberg mit drei Versuchen das Team noch zu einem klaren 28:12-Erfolg führten.

Endstand GPS in Lodz (POL):
1.
Deutschland (20 Punkte), 2. Spanien (18), 3. Italien (16), 4. Irland (14), 5. Frankreich (12), 6. Wales (10), 7. Portugal (8), 8. Georgien (6), 9. Russland (4), 10. England (3), 11. Polen (2), 12. Rumänien (1)

Gesamtstand Grand Prix Series 2019:
1. Deutschland (34 Punkte), 2. Frankreich (32), 3. Irland (32), 4. Spanien (28), 5. Wales (22), 6. Italien (22), 7. England (19), 8. Portugal (16), 9. Georgien (9), 10. Russland (8), 11. Polen (4), 12. Rumänien (2)