Auch bei der deutschen Polizei wird Rugby gespielt. Und das sogar sehr erfolgreich. Denn die DPAR hat vergangenes Jahr in England den „Police Nations Cup“ gewonnen und brennt nun auf die Titelverteidigung. Diese soll auf heimischen Boden gelingen, denn die Deutsche Polizei-Auswahl Rugbyrichtet am Samstag ( 7. Juni, 13 Uhr) im Rugbypark des ASV Köln das diesjährige Turnier mit Mannschaften aus England, Frankreich und den Niederlanden aus.

Polizeimeisterschaften im Sport finden in Deutschland regelmäßig statt. Das verwundert wenig, stellt man sich den idealen Polizisten doch ohnehin durchtrainiert und sportlich vor. Zudem wird Sport bei der Polizei vor allem im Leistungsbereich besonders gefördert. In Deutschland eher ungewöhnlich sind jedoch Polizeiwettkämpfe im Rugby. Dabei scheint die ursprünglich aus England stammende Ballsportart doch geradewegs wie geschaffen für den mitunter körperlich harten Polizeialltag. Dass Rugby in Deutschland und besonders bei der Polizei zu den Exoten gehört, hat jedoch andere Gründe: „In Deutschland dreht sich sportlich fast alles um Fußball. Selbst mitgliederstarke Sportarten wie Handball, Basketball und Hockey fristen medial gesehen immer noch ein Schattendasein“, so Turnier-Organisator Stefan Ihle (Rugby-Tourists Münster).

Dabei zählt Rugby weltweit zu den beliebtesten Sportarten. Die Weltmeisterschaft der Spielvariante Rugby-Union locken global knapp 3,5 Milliarden Zuschauer vor die Fernsehgeräte. Nur die Fußball Weltmeisterschaft und die Olympischen Sommerspiele erhalten mehr Resonanz. „Rugby in Deutschland steht im internationalen Vergleich hinten an, auch wenn zuletzt eine positive Entwicklung zu erkennen ist“, so Ihle weiter. So verzeichnet der Deutsche Rugby-Verband (DRV) eine stetig wachsende Mitgliederzahl. Der Deutschen Nationalmannschaft (Rugby Union) gelang jüngst der Aufstieg in die, nach den so genannten Six Nations, höchste europäische Spielklasse (European Nations Cup, Division 1 A).

Seit 2012 wird Rugby nun auch bei der Polizei gespielt. Für die Erstauflage des „Police Nations Cup Rugby“ in Amsterdam, suchten die damaligen Ausrichter Gegner in ganz Europa. „Die Anfrage der Niederländer landete eher über Umwege bei mir, da es keine offiziellen Ansprechpartner bei den Polizeibehörden gab“, erinnert sich DPAR-Gründer Gordon Roeder. Der beim Hamburger RC als Stürmer aktive niedersächsische Kriminaloberkommissar fasste sich ein Herz und warb in Internetportalen um Spieler für die Deutsche Polizei-Auswahl Rugby.  Mit Erfolg: Nach  zwei Jahren umfasst der Kader der DPAR knapp 50 Spieler aus ganz Deutschland und verfügt über eine engagierte Organisation und sportliche Führung. So gelang nach einem dritten Platz 2012 in Amsterdam der Turniersieg im vergangenen Jahr im englischen Kent. Im Finale schlug die DPAR damals der Schlussminute die favorisierten Engländer mit 35:32.

Bei der Auflage 2014 des „Police Nations Cup“ in Köln gibt es aber keinen klaren Turnierfavoriten. „Die Erfahrung zeigt, dass jeder jeden schlagen kann. Wir müssen schon in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen“, meint DPAR-Trainer Michael Kesseler vom ASV Köln. Kesseler will sein Team mit  einem Trainingslager in Köln unmittelbar vor dem Turnier (4. bis 6. Juni) auf die Spiele vorbereiten. „Die Mannschaft hat sich seit der Gründung schon enorm entwickelt. Und das, obwohl wir momentan nur maximal ein Mal im Jahr zum gemeinsamen Training zusammenkommen. Uns zeichnet aber ein ganz besonderer Zusammenhalt und Teamgeist aus“ schwärmt der DPAR-Headcoach. „Wir haben Spieler aus allen Regionen und Leistungsebenen, die aber sehr gut miteinander harmonieren. Hier ist wirklich etwas zusammengewachsen“. Der Großteil der Spieler der DPAR kommt dabei aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Als Austragungsort für den „Police Nations Cup“ wählten die DPAR-Verantwortlichen Köln, da die Rhein-Metropole für alle Akteure am schnellsten zu erreichen ist. „Unsere Spieler nehmen zum Teil weite Anreisen in Kauf. Außerdem haben wir bereits 2012 unser Trainingslager in Köln abgehalten und konnten uns von der Gastfreundschaft des ASV überzeugen“, so Organisator Stefan Ihle.

Neben rund 30 DPAR-Herrenspielern erwarten die Organisatoren diese Jahr erstmals auch etwa zwölf Kolleginnen aus einer Rugby-AG der Polizeiakademie Oldenburg. Diese hat bereits bei den Deutschen Hochschulmeisterschaft teilgenommen und wird im Rahmen des Police Nations Cup Rugby ein Freundschaftsspiel gegen die Damenmannschaft des ASV Köln bestreiten. „Unser Ziel ist, auch bei der DPAR eine Damenmannschaft zu etablieren, so dass wir in den nächsten Jahren das Teilnehmerfeld des Police Nations Cup Rugby in diese Richtung erweitern können“, erklärt Stefan Ihle. Zunächst gilt aber die volle Konzentration der bevorstehenden Titelverteidigung.