Liebe Rugbyfreunde/innen

Die Transparenz, welche in den letzten Monaten geübt wurde, trägt erste Früchte. Die gewonnenen Einsichten und die damit einhergehende Mitverantwortung hat einige dazu bewogen, auf die Durchführung eines Präsenz-ADRT zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu drängen und auch für die Organisation ihre Hilfe anzubieten.

Schon auf der RBA-Sitzung im Januar wurde von allen Beteiligten erkannt, dass zumindest der Grundbedarf aus eigenen Mitteln gesichert sein sollte. Erste Bedarfsrechnungen wurden angestellt, erste Zahlen genannt. Der ADRT wurde für den 21. März angesetzt, um schnellstmöglich verlässliche Pläne für die nähere Zukunft machen zu können.

Corona nahm allen Sportverbänden den Wind aus den Segeln. Uns hat es nicht so hart getroffen, denn wir hatten keine Segel gesetzt. Ich darf daran erinnern, dass wir aus Insolvenz-Vermeidungsgründen alles abgesagt hatten, was nicht unter das olympische Programm fiel. Die 15-Nationalmannschaft spielte nur, weil absagen teurer war, als zu spielen. Daran hat sich nichts geändert, die große Krise hat nur unsere kleine überlagert.

Die spannende Frage ist: Können wir mitsegeln, wenn alle wieder loslegen? Deshalb der ADRT, und deshalb noch im Juli.

Die Frage ob wir im Oktober gegen Litauen und in Odessa gegen die Ukraine spielen wollen, hätte bis zum 26.6. beantwortet werden müssen. Auch hier half Corona mit seinen Unwägbarkeiten, die Antwort zu verzögern. Ohne Corona stellte sich die Frage: Haben wir das Geld für eine angemessene Vorbereitung, um unseren Jungs ersparen zu können, wie gegen die Schweiz vom Platz schleichen zu müssen? Und haben wir die knapp 40 000 Euro für die Reise?

In Kürze wird der Verband von Rugby Europe gefragt werden, ob eine U18, U20 für 2021 gemeldet wird. Wir können nicht zusagen und hoffen, dass wieder ein Virus um die Ecke kommt, sondern wir müssen überlegen, ob wir die 35-40 000 Euro pro Mannschaft aufbringen können.

Die Frauen und die Schiedsrichter haben durch Eigeninitiativen Gelder generiert. Aber Spenden-Aufrufe, so erfolgreich sie als kurzfristige Geldgenerierung fungieren, sind Notlösungen.

Wir haben die Krisenzeit genützt und sind mit drei Sponsoren in Kontakt, zwei davon bezahlen erst, wenn wir wieder spielen. Auch das ist keine verlässliche Planungsgrundlage. Was zu Planungszwecken komplett ungeeignet ist, sind in Aussicht gestellte Beträge.

Wir können noch mehr sparen, und das haben wir nach dem Motto „Spare in der Not, dann hast du Zeit dazu“, während der Krise auch getan. Wer es in den Monatsberichten der Vorstände gelesen hat und eine ungefähre Ahnung hat, was es alleine bedeutet, eine verlassene Geschäftsstelle an den Haken zu nehmen und in günstigeren Gewässern wieder flott zu machen, wird wohl nicht umhin gekommen sein, den am Umzug Beteiligten Sportskameraden Anerkennung auszusprechen. Einige leisteten mehrere 80-Stundenwochen. Keiner der an dieser Aktion Beteiligten wird aus Mitteln des Verbandes entlohnt, sondern aus Mitteln des Bundes für das olympische 7er Rugby. Das heißt: Ohne die Erfolge unserer 7er-Mannschaft wäre der Verband bereits nicht mehr existent.

Aber allein vom Nichtausgeben kommt höchstens eine schwäbische Hausfrau über die Runden. Mit dem bisher Erwähnten bewegen wir uns immer noch im Bereich der Basics. Gebt uns euer Vertrauen und zwei Euro im Monat mehr, und ihr werdet euch wundern, was alles in kürzester Zeit möglich ist.

Im Oktober bin ich ein Jahr als Verbandsdiener im Amt. Im November findet der DRT statt. Anfang Dezember soll ich wieder zum General Meeting nach Paris. Ich werde dort nicht mehr hingehen als der Vertreter eines Landes, dem man mitleidsvoll sein Beileid ausdrückt, sondern als Repräsentant eines gesunden Rugby-Verbandes.

Nebenbei gesagt: Wenn jemand meint, er könne es ohne Mitgliedsbeitragserhöhung hinbekommen, der darf es gerne versuchen. Wie schon mehrfach erklärt, werde ich eine ordentliche Amtsübergabe machen. Findet sich keiner, dann werde ich mit Feuereifer weitermachen: In großen Schritten, damit Platz ist für die Wadenbeißer, den Blick nach vorn auf der Suche nach Kameradschaft, welche das Schönste war, in der Zeit, als wir einfach nur gespielt haben.