Liebe Vertreter*innen der Landesverbände und Vereine,
Liebe Rugbyfreund*innen,

hinter dem Deutschen Rugby-Verband und seinen Mitgliedern liegt ein äußerst turbulentes Jahr 2019 und das, obwohl es gelungen war, im Sommer 2018 nach Jahren des sorgfältigen Wirtschaftens das Sanierungskonzept erfolgreich abzuschließen.

Das Führungsteam unter Robin Stalker war zu dem Zeitpunkt mit dem Ziel angetreten, den Gesamtverband zu professionalisieren und mit dem Versprechen, die bestehenden guten Kontakte in die Wirtschaft zu nutzen, um für dieses Unterfangen die erforderlichen Sponsorengelder zu akquirieren.

Die Professionalisierungsstrategie sollte im Wesentlichen durch die erstmalige WM-Qualifikation der 15er-Nationalmannschaft getragen werden.

Mit dem Einsatz sämtlicher zur Verfügung stehender Fördermittel des Weltverbandes und Sponsoringmittel (beispielsweise aus dem Vertrag mit DHL), wurde eine aufwändige Vorbereitung organisiert. Trotz dieses finanziellen Kraftaktes und ansprechender Leistungen der Mannschaft, wurde die Qualifikation für den Rugby World Cup 2019 verpasst.

Im März 2019 wurde der Engländer Kieran Lees mit knapper Mehrheit vom Präsidium zum Vorstandsvorsitzenden berufen und mit einem monatlichen Salär von €12.500,- (zzgl. Reisekosten und sonstiger Vergütungen) für seine Arbeit, welche er überwiegend aus England ausführte, sehr großzügig entlohnt.

Im Juli 2019 war dann abzusehen, dass die Strategie der Verbandsführung nicht aufgehen würde. Außerdem hatte die sehr großzügige Ausgabenpolitik des neuen Vorstandes zu einer weiteren dramatischen Verschärfung der Finanzlage sowie zu Verstimmungen bei langjährigen Partnern wie dem Rugby-Weltverband und DHL geführt, weshalb die Führungsriege gemeinschaftlich zum Deutschen Rugby-Tag im Juli 2019 ihren Rücktritt erklärte. Allerdings konnten trotz der Rücktritte die World Rugby Gelder für den Bereich Leistungssport sowie die Unterstützung aus dem DHL-Vertrag nicht gerettet werden.

Nach der Wahl von Harald Hees als Präsident und Mathias Entenmann als Vize-Präsident für Finanzen, wurden der bisherige Vize-Präsident für den Spielbetrieb Jens Poff (Vorstand Finanzen) sowie der bisherige Sportdirektor Manuel Wilhelm (Vorstand Leistungssport & -Vorsitzender), als Nachfolger des Interims-Vorstand Zeiger/Himmer, in den Vorstand berufen.

Das neue Führungsteam konnte bereits €400.000,- aus Spenden und Darlehen aktivieren, um eine Zahlungsunfähigkeit des Verbandes abzuwenden. Für den Großteil der Darlehen wurde ein Rangrücktritt sowie eine Laufzeit von fünf Jahren bis zum Dezember 2024 vereinbart. Allerdings müssen Darlehen, mit einem Gesamtvolumen von €30.000,-, bereits in diesem Jahr zurückgeführt werden.

Für das Jahr 2020 wurde ein neuer restriktiver Wirtschaftsplan (siehe Anhang 1) erstellt und vom Präsidium verabschiedet, der im Vergleich zum Vorjahr eine Reduzierung auf der Ausgabenseite um fast eine halbe Million Euro vorsieht. So wurden u.a. sämtliche Maßnahmen der 15er-Frauennationalmannschaft und der 15er-Nachwuchsmannschaften bis auf Weiteres eingestellt. Die Aktivitäten der 15er-Herrennationalmannschaft wurden auf €40.000,- reduziert und damit auf ein Volumen, welches sich durch Spenden und die zu erwartenden Zuschauereinnahmen bei den Heimspielen des Jahres 2020 vollständig refinanzieren kann.

Die ausgelaufenen Verträge mit den beiden hauptamtlichen Mitarbeitern für den Bereich Trainerausbildung und Ausbreitung konnten bedauerlicherweise nicht verlängert werden. Weitere Einsparungen betrafen u.a. die Bereiche Schiedsrichter, den nationalen Spielbetrieb sowie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Des Weiteren wurden weitreichende Maßnahmen eingeleitet, um die Effizienz der Arbeit unserer hauptamtlichen Mitarbeiter zu steigern, wie u.a. die Kündigung der Räumlichkeiten der Geschäftsstelle in Hannover auf Grundlage eines mehrheitlichen Präsidiumsbeschluss. Künftig wird die Geschäftsstelle aufgrund der räumlichen Nähe zum neuen DRV-Vorstand sowie dem DRV-Leistungssportpersonal in Heidelberg angesiedelt. Den beiden hauptamtlichen Mitarbeitern der Geschäftsstelle soll selbstverständlich der Umzug nach Heidelberg bezahlt, als auch ein Wohnraum für die ersten drei Monate am neuen Arbeitsort gestellt werden.

Außerdem konnte in vertrauensvollen Gesprächen mit dem Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat eine Reduzierung der Eigenbeteiligung an der Förderung für das Olympische 7er-Rugby (weiblich und männlich) auf €18.600,- (zuvor €54.000,-) vereinbart werden und das bei einem gleichbleibenden Fördervolumen von ca. 1.000.000,- für das Jahr 2020. Diese Gelder dürfen selbstverständlich nur für die olympische Variante eingesetzt werden, die richtige Verwendung unterliegt einer fortlaufenden Prüfung durch den Bund.

Trotz der hier beschriebenen Bemühungen und Maßnahmen sowie der umfassenden und schmerzhaften Streichungen sind die sich daraus ergebenden Einsparungen noch nicht weitreichend genug, um zu gewährleisten, dass der Geschäftsbetrieb im Jahr 2020 ordnungsgemäß fortgeführt werden kann.

Die jährlichen Fixkosten im nicht-olympischen Bereich betragen ca. €300.000,- (siehe Anhang 2), dabei entfällt der Großteil der Kosten auf den Bereich Verwaltung (Gehälter des Generalsekretärs, der Jugendsekretärin, Raummiete in Hannover sowie Finanz- und Verwaltungssoftware). Die jährlichen Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen betragen allerdings nur ca. €135.000,- (ca. 16.200 Mitglieder x €8,30,- = €134.460,-). Die Unterfinanzierung unserer Administration ist ein Problem, welches wir schon seit vielen Jahren vor uns herschieben, in der Vergangenheit konnte das daraus resultierende Delta stets dank großzügiger Spenden des ehemaligen Finanzvorstandes Jürgen Zeiger geschlossen werden.

Neben den bereits erfolgten Bemühungen durch den Vorstand und das Präsidium, wollen wir die Gelder, die für den Fortbestand des Deutschen Rugby-Verbandes benötigt werden, durch neue Sponsoren sichern. Hierfür haben wir eine professionelle Vermarktungsagentur aktiviert, die auf Provisionsbasis für uns tätig ist. Die ersten Gespräche mit potentiellen Unterstützern haben stattgefunden und allerdings auch ergeben, dass – wenn überhaupt – lediglich die Bereitschaft besteht projektbezogen tätig zu werden (z.B. für eine Nationalmannschaft), es aber keinerlei Bestrebungen gibt sich an den Verwaltungskosten des Verbandes zu beteiligen.

Es ist daher an der Rugby-Gemeinschaft – also an uns – über die jährlichen Mitgliedsbeiträge die „Grundversorgung“ des Verbandes zu gewährleisten.

Nur mit einer Anhebung des jährlichen Jahresbeitrages auf €20,- pro Mitglied, kann es gelingen die o.g. Fixkosten zu decken sowie die bezogenen Darlehen vereinbarungsgemäß zurückzuzahlen (die Tilgung der Darlehen macht nur ca. €1,- pro Mitglied/Jahr aus) und somit den Fortbestand des DRV zu gewährleisten. Sollen darüber hinaus noch Maßnahmen im Bereich Jugend- und Frauenrugby sowie der Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern initiiert werden können, geht dies nur mit einer weiteren Anhebung der Beiträge auf €25,- pro Mitglied/Jahr.

Auf dem ADRT werden die Delegierten die Chance haben in einem zweistufigen Abstimmungsverfahren zunächst für den Grunderhalt (Erhöhung auf €20,-) und zusätzlich für eine Förderung der Jugend, Frauen Ausbildung und Entwicklung (Erhöhung auf €25,-) zu stimmen.

Wir haben diesem Schreiben einige Anlagen beigefügt, um euch die finanzielle Situation so detailliert wie möglich aufzeigen zu können. Darüber hinaus versichern wir euch, dass wir zum einen mit unseren Geldern sorgfältig haushalten werden und dass wir unermüdlich weiter um externe Unterstützer für unsere gemeinsame Sache werben werden. Jeden Cent, den wir über die Fixkosten hinaus erwirtschaften, werden wir in die o.g. Themenbereiche Jugend- und Frauenrugby sowie Ausbildung investieren.

Im Namen des DRV-Präsidiums und -Vorstandes,

Harald Hees (Präsident)
Mathias Entenmann (Vizepräsident Finanzen)
Manuel Wilhelm (Vorstand Leistungssport & Vorsitzender)
Jens Poff (Vorstand Finanzen)