Liebe Rugby-Gemeinschaft,

in meinem Schreiben vom 11. April dieses Jahres hatte ich euch über ein Schiedsgerichturteil informiert, das auf Veranlassung der Deutschen Rugby-Jugend (DRJ) ergangen ist und die Berufung der Vorstände Kieran Lees und Benjamin Heine thematisierte. Das Schiedsgericht hatte in Übereinstimmung mit dem Antrag der DRJ die Wahl für nichtig erklärt, da die Vertretung eines Präsidiumsmitgliedes als unzulässig angesehen wurde. Das Urteil ist auf der Website des DRV veröffentlicht.

Das Zustandekommen des Schiedsgerichtsurteils, die Vorgehensweise einzelner Präsidiumsmitglieder sowie deren öffentliche Äußerungen möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren. Diese Art der Außendarstellung unseres Verbandes sowie die hierdurch hervorgerufenen Reaktionen empfinde ich weder als hilfreich noch als lösungsorientiert. Mein Fokus liegt unverändert auf der Weiterentwicklung des vorhandenen Potentials unserer Sportart in Deutschland.

Allerdings sehe ich es als meine Pflicht an, euch inhaltlich über die aktuellen Entwicklungen in dieser Angelegenheit im Sinne einer ausgewogenen, faktenbasierten Berichterstattung wie folgt zu informieren: Das Landgericht Hannover hat uns mit einem Schreiben vom 25. April 2019 darüber in Kenntnis gesetzt, dass von Seiten des Landgerichtes – entgegen der Auffassung des Schiedsgerichtes – keine Bedenken gegen die Wirksamkeit der Vorstandswahl vom 17. März 2019 bestehen. Auch wenn die Vertretung eines Präsidiumsmitgliedes unzulässig gewesen sein sollte, führe dieser mögliche Fehler der Wahl nicht zur Nichtigkeit des Wahlergebnisses. Ein solcher möglicher Fehler wäre nur dann zu beachten, wenn dies auch Einfluss auf das Wahlergebnis gehabt hätte. Dies ist aber aufgrund des Abstimmungsergebnisses nach Auffassung des Landgerichts Hannover eindeutig nicht der Fall.

Das Landgericht Hannover hat uns auch darüber informiert, dass Zweifel an der Eilbedürftigkeit für einen angefragten Erlass einer einstweiligen Verfügung bestehen. Begründet wird dies mit unseren Statuten, die eine kurzfristige Einberufung einer neuen Wahl des Vorstandes erlauben. Diesem Hinweis sind wir nachgekommen und haben am 4. Mai 2019 in Bonn eine Präsidiumssitzung abgehalten. In dieser Sitzung haben wir die Wahl von Kieran Lees und Benjamin Heine vom 17. März 2019 bestätigt.

Im Ergebnis aus meiner Sicht viel Wirbel um eine Formalie. Eventuell auch bei euch entstandene Irritationen bedauere ich. Ich hätte sie gerne im Sinne des Gemeinwohls des Verbandes vermieden.

Die in den letzten Wochen von einzelnen von euch erhaltenen Rückmeldungen zeigen mir, dass wir in der verbandsinternen Kommunikation Verbesserungsbedarf haben. Dies nehme ich sehr ernst, da mir Transparenz sehr wichtig ist. Auch habe ich dieses Bedürfnis von euch am Deutschen Rugby-Tag 2018 mitgenommen. Entsprechend werden wir künftig regelmäßig über aktuelle Themen unter anderem in einem mindestens vierteljährlich erscheinenden DRV-Newsletter informieren.

Ich möchte an dieser Stelle auch die Gelegenheit nutzen, um euch auch über die teilweise öffentlich diskutierte Vergütung unserer Vorstände Klarheit zu verschaffen. Ich habe am Deutschen Rugby-Tag 2018 verstanden, dass euch die Professionalisierung von Rugby in Deutschland besonders am Herzen liegt. Diesen Wunsch teile ich uneingeschränkt. Einen wesentlichen Erfolgsfaktor für eine solche Professionalisierung sehe ich in dem Schritt von der Ehrenamtlichkeit hin zur Hauptamtlichkeit unserer Vorstandsmitglieder – insbesondere vor dem Hintergrund der 2018 verabschiedeten Satzung. Um den bedeutenden Aufgaben im Sinne aller Mitglieder des DRV bestmöglich nachzukommen, benötigen wir meines Erachtens qualifizierte Vorstände, die von morgens bis abends ausschließlich die Interessen von Rugby in Deutschland wahrnehmen und weiterentwickeln.

Für die Gewinnung qualifizierter, hauptamtlicher Vorstände spielt auch eine marktgerechte Vergütung eine wesentliche Rolle. Unsere Mittel sind in dieser Hinsicht allerdings momentan (noch) beschränkt. Diese Einschätzung teilen auch Kieran und Benjamin. Entsprechend haben wir eine Vergütungsvereinbarung getroffen, die bis auf weiteres auf den unter anderem vom Weltverband World Rugby für professionelle Strukturen vorgesehenen und uns zur Verfügung gestellten Mitteln basiert. Darüber hinaus ist die Vergütung der Vorstandsmitglieder von der Gewinnung neuer Sponsoren und Förderer abhängig. Damit motivieren wir den Vorstand, die angestrebte Vergütung maßgeblich durch Eigeninitiative zu erreichen. Die Gewinnung neuer Sponsoren und Förderer ist Kernaufgabe unseres neuen Vorstands und im Sinne unseres Verbandes. Aussagen, dass durch diese Vergütungsvereinbarungen der Verband finanziell belastet wird, weise ich daher entschieden zurück, da sie den wirtschaftlichen Gehalt dieser Vereinbarungen nicht zutreffend widerspiegeln.

Die außersportlichen Ereignisse der letzten Wochen waren für mich persönlich nicht nur überraschend und belastend, sondern teilweise auch sehr enttäuschend. Hier haben wir nunmehr hoffentlich Klarheit geschaffen. Ich wünsche mir, dass künftig sportliche Themen und positive Entwicklungen im Vordergrund meiner Kommunikation an euch stehen werden. Als in Deutschland beheimateter Neuseeländer liegt mir persönlich sehr viel daran, dass sich unser wundervoller Sport mit seinen einzigartigen Werten schnellstmöglich in der Fläche als auch in der Tiefe weiterentwickelt. Hierzu haben wir bereits viele Maßnahmen ergriffen und werden den eingeschlagenen Weg konsequent weiter beschreiten.

Ich hoffe, dass euch meine Ausführungen hilfreich waren. Ihr könnt davon ausgehen, dass das Präsidium den Vorstand in der Wahrnehmung seiner Aufgaben kontinuierlich fordern und fördern wird. Wir haben gemeinsam viel vor und arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran!

All the best,
euer Robin

 

(Foto: Gerold Seufert-Chang)