Am Sonntag wird der erfahrene Michael Poppmeier im französischen Marseille die 15er-Rugbynationalmannschaft gegen Hong Kong als Kapitän aufs Feld führen, wenn es beim Repechage-Turnier um die erstmalige Qualifikation eines deutschen Teams für den Rugby World Cup geht. Nach zehn intensiven Wochen der Vorbereitung ist das Team nun gestern nach Frankreich gereist, wo es nach Hong Kong auch noch gegen Kanada und Kenia geht. Michael Poppmeier gab vor Turnierstart noch einmal ein kurzes Interview und spricht darin über Stimmung, Zielsetzung und das Team.

Michael, herzlichen Glückwunsch zur Nominierung als Kapitän der Nationalmannschaft.
Vielen Dank. Es ist ohnehin immer eine Ehre, für Deutschland aufzulaufen. Und dass ich das nun als Kapitän bei diesem Turnier tun darf, ist sozusagen die Kirsche auf dem Kuchen. Aber am Ende ist das nur ein Titel. Wir haben mehrere echte Leader im Team, die alle ihren Teil dazu beitragen. Wir arbeiten auf dem Platz sehr gut zusammen. Das ist wichtig.

Mit 36 Jahren hast du in deiner Rugby-Laufbahn schon ein paar Vorbereitungen mitgemacht. Wie hast du diese jetzt erlebt?
Das war mit Sicherheit eine der schwersten und intensivsten Vorbereitungen, die ich je mitgemacht habe. Viele mussten schon früh aufstehen, zum Trainingscamp fahren, hart trainieren, dann wieder nach Hause, wieder trainieren und so weiter. Wir haben schon sehr viel investiert in dieser Zeit, aber wenn wir uns am Ende qualifizieren, war es jede Anstrengung wert.

Worauf wurde besonders Wert gelegt in der Vorbereitung auf dieses Repechage-Turnier?
Ein Hauptaugenmerk lag ganz klar auf der Fitness. Strength & Conditioning war ein großer Teil des Trainings. Das war ein ganz anderes Niveau, als ich es bislang erlebt habe. Und ich kann auf jeden Fall sagen: Wir sind sehr fit! Aber natürlich wurden die anderen Aspekte wie Standards oder Spielplan auch nicht außer Acht gelassen. Ich denke, wir sind gut vorbereitet.

Mit Mike Ford habt ihr einen Trainer, der sehr viel Erfahrung auf höchstem Niveau hat. Welchen Einfluss hatte er im Speziellen.
Einen großen. Mike hat große Mannschaften trainiert, war schon drei Mal bei Weltmeisterschaften dabei. Er kam hier an mit einem sehr simplen Game Plan, den alle sehr schnell verinnerlicht haben. Jeder weiß, was er auf dem Platz machen muss, was von ihm erwartet wird. Dazu wurden wir im athletischen Bereich sehr gut betreut, und auch Mentaltrainer Kieran Lees war ein sehr guter und wichtiger Partner für das Team in diesen Wochen. Alles in allem kann man sagen, dass die letzten zehn Wochen sehr professionell waren und trotz aller Anstrengungen großen Spaß gemacht haben. Aber jetzt wollen wir in Frankreich ankommen und den Fokus voll und ganz auf den nächsten Gegner legen.

Wie ist denn die Stimmung im Team derzeit? Wie zuversichtlich geht ihr in dieses Turnier?
Das ist eine gute Frage. Man merkt schon, wie die Anspannung steigt, alle sind aufgeregt. Aber das Ziel ist Japan, dafür trainieren alle unglaublich hart. Nach dieser Vorbereitung fühlen wir uns stark. Aber Rugby ist ein komisches Spiel. Wir wissen, was auf uns zukommt. Auch die drei anderen Teams wollen zur Weltmeisterschaft und werden dafür alles in die Waagschale werfen. Das bedeutet: Jedes Spiel wird Vollgas sein.

Und wie schätzt ihr die Gegner ein? Ihr habt euch ja bereits intensiv mit allen beschäftigt.
Das stimmt, aber das ist wirklich schwer einzuordnen. Ich denke, das Niveau wird etwa auf dem liegen, was wir auch in der EM erleben. In Kanada und Kenia gab es ein paar Schwierigkeiten abseits des Platzes. Aber das spielt für uns keine Rolle. Die Kanadier haben bislang jede WM gespielt, die kennen das schon. Hong Kong ist eine sehr international zusammengestellte Mannschaft. Insgesamt aber konzentrieren wir uns auf den nächsten Gegner, nehmen jedes Spiel für sich. Bislang haben wir uns also vorrangig auf Hong Kong fokussiert. Das wird jetzt direkt vor dem Spiel sicher noch ein wenig vertieft, dass wir dann am Sonntag auch zu 100 % vorbereitet sind.

(Foto: Jürgen Keßler)