Verhandlungskommission seitens GfR /WRA:
Herr Christopher Weck, Herr Jürgen Schnabel, Herr Berthold Wipfler

Verhandlungskommission des DRV:
Herr Mark Temme, Herr Mathias Entenmann, Herr Walter Gebhardt

Vorbereitende Einzeltreffen der jeweiligen Kommissionen und einer Delegation von World Rugby fanden im Frühjahr 2018 in Paris und Dublin statt. Der Einstieg in den Verhandlungs– und Kommunikationsprozess wurde durch World Rugby begleitet. Das erste Treffen aller Verhandlungspartner in Frankfurt moderierten die Herren Mark Egan, Dublin (Head of Competitions and Performance) und Morgan Buckley.

Die Zusammenarbeit erhielt den Titel „Vision RWC 2023 und Olympische Spiele 2024“.

Danach fanden mehrere inhaltlich sehr konstruktive Treffen der Kommissionen mit Informationsaustausch von World Rugby, aber weitgehend ohne die Präsenz von World Rugby statt.

Die Verhandlungskommission des DRV trat an, um eine vertrauensvolle Basis und Möglichkeiten für eine weitere nachhaltige Zusammenarbeit und für die Entwicklung des Rugbys in Deutschland zu schaffen.

Noch bevor sich die Ereignisse überschlugen, die den DRV zur Teilnahme an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2019 berechtigten, war zur Vorbereitung des DRT 2018 Übereinkunft über die Erstellung eines gemeinsamen Eckpunktepapiers, die Etablierung von Arbeitsgruppen und über die Durchführung von Dialogtagen Einigung erzielt worden.

Ziel war die Vorbereitung und Entwicklung einer Architektur als zuverlässige Basis für ein Engagement weiterer Kooperationspartner.

Kernergebnisse: 

1) Eine gemeinsame Vision darüber, wie das deutsche Rugby organisiert sein sollte, um eine deutliche Leistungssteigerung und Professionalisierung zu ermöglichen.

2) Eine deutliche Erhöhung der Transparenz und Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses zur Finanzlage von DRV und DRM.

3) Eine kurzfristige Einigung zur Kooperation und zur Ermöglichung der Spiele bzw. Aufstellung einer konkurrenzfähigen Mannschaft und Trainerteams für die Portugal und Samoa Spiele. Stichwort: Spiel mit der bestmöglichsten Mannschaft.

Details:

Zu Punkt eins, der Vision für eine Professionalisierung des Deutschen Rugbys, lagen folgende grundsätzliche Annahmen bzw. Feststellungen zu Grunde:

A) Sportlich kann international nur mit Profispielern Konkurrenzfähigkeit und ein höheres spielerisches Niveau erreicht werden.

B) Dies gilt zu 100% für die 15-er und 7-er Männernationalmannschaften und eingeschränkt auch für Frauenauswahlmannschaften.

C) Im Männerbereich erfordert das eine Kadertiefe von mindestens 60 Profispielern für die 15-er und 7-er Männernationalmannschaften. Davon 35 reine 15-er, 10 reine 7-er, und 15 Spieler, die in beiden Kodizes aktiv sind und wechseln könnten.

Dieser Kader kann sich rekrutieren aus:

i) Spielern in ausländischen Profiligen, Deutsche oder mit Spielberechtigung für Deutschland,

ii) “Staats-Amateuren” (Bundeswehr, Grenzschutz/Polizei, u.s.w.) und

iii) Profispielern in deutschen Vereinen und momentan insbesondere durch Spieler der GfR.

Diese drei Spielerpools muss man bestmöglich entwickeln und insbesondere zu Punkt iii) wäre es wünschenswert, wenn mehr Profispieler in einem deutschen Spielbetrieb aktiv wären.

Um Profispieler zu etablieren, sollte man sich an Modellen anderer Sportverbände orientieren. Hierbei bieten sich insbesondere das deutsche Eishockey, Basketball und Handball an. Dort wird der Premium-Sport weitgehend privatwirtschaftlich neben dem Verband organisiert.

Für das deutsche Rugby hieße das, eine “Premium Rugby GmbH” neben dem Verband zu etablieren. Über eine solche Gesellschaft könnte das “Profi- und Premium-Rugby” gesteuert werden. Der Breitensport und die Ausbreitung würden weiterhin auf Seiten des DRV verbleiben. Diese „Premium Rugby GmbH“ sollte einem “Profit for non-Profit” Prinzip folgen, basierend auf Kooperationsverträgen, bei denen Profite aus dem Premium-Segment zurück an den Verband und in den Breitensport fließen. Unterhalb dieser „Premium Rugby GmbH“ kann bzw. würde es weitere „Zweck-Gesellschaften“ geben.

Zweck-Gesellschaften“ zum einen für die Nationalmannschaften, längerfristig für eine Deutsche „Profi Rugby Liga“, aber auch für Event-Vermarktungsgesellschaften wie z.B. den Oktoberfest 7s.

Eine solche Konstruktion kann an Vorlagen anderer Verbände orientiert werden (wie z.B. der Deutschen Eishockey Liga “DEL”, neben dem Deutschen Eishockey Verband). Idealerweise könnten eine „Premium Rugby Gesellschaft“ und andere „Zweck-Gesellschaften“ mehrheitlich unter einer Stiftung hängen bzw. dieser gehören, wobei klar ist, dass die Finanzierung durch Privatinvestoren erfolgt und daher auch Raum für andere, gewinnorientierte Investoren bestehen muss.

Herr Dr. Wild würde ein solches Konstrukt begrüßen und hat mit der WRA ja auch eine Stiftung (nicht gewinnorientiert), die in einer solchen Gesellschaftsarchitektur eine Rolle spielen könnte.

Der DRV als nationaler Verband und ein neues Verbandspräsidium müssten einen Prozess mit entsprechen Satzungsänderungen anstoßen, um eine Schaffung der oben genannten Strukturen zu ermöglichen.

Der gesamte Gesprächsverlauf war durchgehend und beiderseits getragen vom Willen zu weiterer gemeinsamer Zusammenarbeit.

Für die Verhandlungskommission des DRV

Mark Temme, Mathias Entenmann, Walter Gebhardt
Berlin, München, Aachen 05. Juli 2018